glücklichkeitshopping und achtsamkeit

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leipzig, augustusplatz (von links: gewandhaus, mdr-hochhaus, uni, kroch-hochhaus, oper)

von frust- und glücklichkeitskonsum, guerillia-taktik und achtsamkeit
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heute vormittag erlebte ich ein sehr positiven verlaufenes auftragsakquisegespräch, wobei es natürlich ein vorgespräch war und es sich erst zeitigen muss inwiefern, sich dass dann auch in wirkliche zusammenarbeit ausgeht oder -zahlt. jedoch liegen solche gedanken im morgen und heute durfte ich ersteinmal ein wundervolles gefühl genießen, dass sich meine bisherigen bemühungen ausgezahlt haben und das gespräch zwischenmenschlich auf einer sehr angenehme basis stattgefunden hat.

ein winterliches bilderbuchwetter empfing mich auf der straße. eine kalte klare luft, erhellt von strahlender sonnenschein, überspannt von einem wasserblauen himmel. es war zu spät für morgenmuffelgesichter und zu früh für freitagnachmittags-gestresste.

beim nach hause schlendern durch die innenstadt, bemerkte ich in mir dass gefühl „etwas zu kaufen“ zu wollen. geld für einen restaurantbesuch auszugeben oder doch zumindest etwas ungesundes zu essen.

eine interessante selbstbeobachtung, dass wenn mir doch schon etwas so schönes widerfahren ist, in mir das bedürfnis erwächst, es damit zu steigern, geld auszugeben anstatt dass ich mich auf das gefühl konzentriere und mich daran erfreuen.

andersherum ist es nachvollziehbarer, wenn auch nicht besser: es geht mir schlecht – und möchte mir durch konsum eine linderung verschaffen.
ich weiß zuwenig über marketingpsychologie, vielleicht gibt es da einen unterschied zwischen frust-shoppern und glücklichkeits-shoppern – dann gehörte ich auf jedenfall zu letzteren.

normalerweiße ist meine guerillia-taktik gegen das konsum-bedürfnis in die stadtbibilothek zu gehen. dort kann ich etwas aussuchen und es mit nach hause nehmen und befriedige damit kostenfrei dass gefühl „etwas neues“ haben zu wollen.

vielleicht wäre es eine idee wäre gewesen, wenn ich schon zum ausgeben bereit bin, doch für den straßenmusiker einige cents zu erübrigen oder doch einmal eine obdachlosenzeitung zu erstehen (dass hätte sehr gut zu meinem jahresvorsatz „etwas für andere zu tun“ gepaßt hier klicken – experiemente für mehr glückseligkeit).

stattdessen drängte ich spontan zwei touristen, welche ratlos einen google-maps-ausdruck hin- und herdrehten, meine hilfe beim der orientierung auf. vermutlich wäre ich sonst nach dem motto: „wer was möchte – frägt“ vorbeigehastet.

im anschluß und suchte ich mir eine sitzbank und genoss die sonnenstrahlen am leipziger augustusplatz und freute mich meines glücklichen moments.

experimente für mehr glückseligkeit 2016

feuerwerk

etwas zu vorsätzen, ein rückblick und ganz viel dank

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ein neues jahr – ein guter moment für neue „vorsätze“!
jedes jahr sind medien und die münder voll davon nun diesesmal aber wirklich einige dinge zu ändern. gesagt, getan und in den tagen zwischen weihnachten und neujahr können wir uns der zuckersüßen verheißung hingeben es im neuen jahr doch endlich einmal zu schaffen abzunehmen, öfter sport zu machen oder genug mut aufzubringen endlich nach einer gehaltserhöhung zu bitten oder was auch immer.
wie meine blogerkollegin simvibes in ihrem sehr lesenswerten blogartikel (hier klicken für den blogartikel „The Resolution Anytime“) sehr treffend ausgeführt hat, sind vorsätze zur besserung oder neuerfindung ein kampf gegen die eigenen windmühlen, daher möchte ich einmal etwas anderes vorschlagen:

warum müssen es den immer VON MIR FÜR MICH SELBST vorsätze sein? – warum nicht einmal vorsätze VON MIR FÜR ANDERE?

  • was kann ich dieses jahr für andere tun?
  • wann könnte ich helfen?
  • wem soll diese hilfe zu teil werden?

vielleicht ist es dabei etwas zu einfach mir selbst vorzunehmen: „ich spende geld für gemeinnützige organisationen“ – dass könnte ich schließlich auch gleich tun. und welche summe ist angemessen? vielleicht habe ich in diesem monat gerade weniger als in anderen monaten? bei der nächsten umweltkatastrophe spende ich 1% meines jahresverdienstes? oder ich lege mir einen bestimmten betrag fest den ich über das jahr verteilt in kleinen teilen spende?

vielleicht gibt es auch den einen oder anderen unter meinen leser*innen der/die kritik an spendenorganisationen hat? ein zu großer anteil versickere in „verwaltungsgebühren“?
da lohnt es sich darüber nachzudenken crowdfundig-projekte zu unterstützen oder was ich mir auf jedenfall auch für das neue jahr vornehme – für apps deren kostenlose version ich regelmäßig nutze und dies auch in der nächsten zeit vorhabe – dann werde ich 2016 einfach den entwickler*innen auch ihr zeit und kraft die sie in das projekt gesteckt haben entlohnen (und den einstelligen eurobetrag überweisen).

es gibt den vielbeschworenen witz in der die oma, welche über eine straße gezerrt wird um sich einer „guten tat“ zu versichern. aber evtl. habe ich doch einmal ein hilfloses gesicht am fahrkartenschalter übersehen? oder ich bin in der bahn nicht aufgestanden, weil ich einen anstrengenden arbeitstag im stehen hinter mir hatte – mit dem gedanken, „andere“ könnten doch auf aufstehen?

ich werde mich 2016 diesem experiment unterziehen und ich hoffe mich dabei mehr zu bewähren als bei den zielen an mich selbst!

ein weiteres experiment für das neue jahr, habe ich beim surfen auf facebook gefunden. es geht dabei über das kommende jahr alle schönen momente auf einem kleinen zettel zu notieren und in einem glas zu sammeln. über das jahr wird sich dieses glas mit tollen momenten und erinnerungen füllen.
auch dieses experiement werde ich dieses jahr versuchen und ich freue mich schon die kleinen versteckten glücksnuggets im leben „wiederzuentdecken“.

wer macht mit?
über anregungen und eure vorsätze freue ich mich in der kommentarspalte oder in einer privaten nachricht…

zu guter letzt möchte mich mich in eigener sache bei allen meinen leserinnen und lesern für das tolle gemeinsame bloggerjahr 2015 bedanken.

lustigerweiße führen die hitliste deram meisten aufgerufenen blogartikel immer noch zwei beiträge aus dem jahre 2012 „yps mit gimmick teil2“ und „schwabenburger“ aber auch artikel aus der indienreise haben es in die top 5 geschafft.

Quelle: schau dir das #feuerwerk an, welches ich durch mein bloggen auf #WordPressDotCom kreiert habe. 2015 jahresbericht:

mir hat es sehr viel spaß und freude gemacht die artikel zu schreiben und habe mich sehr über die rückmeldungen und anregungen gefreut. ich hoffe sehr auch für 2016 viele interessante begebenheiten oder verwunderliches bloggen zu können.

einen angenehmen jahresstart!

indien 21 – der hinterindische wuhling

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von kuriositäten, verknotungen oder der versuch eines abschlusses
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„wie wars?“;
„hast du einen kulturschock beim zurückkommen gehabt?“;
„was hast du mitgenommen?“;
„und es ist echt nichts schlimmes passiert?“;
„wo geht es als nächstes hin?“;
„wärst du gerne dortgeblieben?“;
sind fragen die mir u.a. seit meiner rückkehr immer wieder gestellt werden. keine davon war so leicht wie die frage nach dem „dortbleiben“ zu beantworten: mit einem einfachen und klaren nein!

mit sicherheit hätte ich noch in einem anderen land (myanmar, korea)  weiterreisen können und ich hätte es auch getan wenn nicht weihnachten „dazwischengekommen“ wäre. nicht nur dass ich sonst die hochzeitsfeier eines kindergartenfreundes und reisebegleiters auf meiner chinareise (hier klicken für meinen reiseblog china) verpaßt hätte, sondern ich hätte auch das wunderbare geschenk der verbesserung des gesundheitszustandes meiner mutter nicht bekommen.
das „abenteuer“ indien ist jedoch abgeschlossen. vorallem durch das schließen des kreises über rajasthan. ohne behaupten zu wollen, dass ich nun „alles“ gesehen habe und „überall“ war, denke ich, dass ich nun einen eindruck von den meisten gegenden gewonnen habe um sagen zu können, dass eine weiter reise, um einen kompletten eindruck dieses landes zu gewinnen, für mich nicht notwendig ist!
davon ausgenommen ist yoga – um darüber mehr zu lernen werde ich nach indien zurückkehren.

yoga ist auch der punkt der mich neben der ambivalenz und den vielen kuriositäten die mich in inden am meisten beeindruckt hat und zudem ich, wenn mich jemand nach meiner reise in indien fragt, am schnellsten etwas erzählen kann.
yoga ist selbst wenn nicht praktiziert ein verständlicher anknöpfungspunkt. dass sind die vielen dinge, die auch ich noch nicht vollständig reflektiert oder gar verstanden habe.

wenn ich als kind meinem vater geholfen habe vor weihnachten die lichterkette für den weihnachtsbaum aufzuhängen, war trotz der gewissenhaftigkeit meines vaters irgendwie doch immer wieder ein knoten in das kabel gelangt oder ich hatte von vorfreude zu schnell am falschen ende gezogen. so hatten sich die kerzen mit dem kabel zu einem wust verknotet. mein vater sprach dann oder bei ähnlichen kabelsalaten von einem „hinterindischen wuhling“.
ohne jemals in diesem land gewesen zu sein, hat mein vater damit eine perfekte charakterbeschreibung von indien geliefert.

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dieses „wuhling“ bezeichnet nicht nur, dass mehrmals beschrieben gewühl auf der straße oder die katastrophale elektroninstallationen die immer wieder an straßenecken oder häuserfasaden zu bestaunen waren, sondern auch die geopolitische zusammenwürfelung von bundesstaaten mit ganz unterschiedlichen sprachen, gebräuchen, religionen und ethnien – die das sprechen von „dem“ oder „einem“ indien zu einer unmöglichkeit machen.

neben den vielen zu bestaunenden kuriositäten wie tempel, welche eher an einen vergnügungspark erinnern oder gruseligen mülleimer (siehe bildergalerie) waren es vorallem die sich vermeintlich gegenseitig ausschließende gegensätzlichkeiten die mich mein koppf schütteln ließen.

nur im islam gibt es noch ausgefeiltere wasch- und reinigungsregeln als im hinduismus und so ist die körperliche und innere reinheit um einiges höher als es die angewohnheit der einheimischen müll einfach aus dem fenster zu werfen oder ein blick auf die straßen (oder strände) in indien vermuten läßt. 
ein ebenso unverständliche ambivalenz löste die friedfertigkeit mit der mir die menschen in indien (ungeachtet ihrer religion oder bundesstaatenzuehörigkeit) begegnet sind. neben dem einfachen lächeln oder interesse an mir (und/oder meiner hautfarbe) habe ich mich zu keinem zeitpunkt unsicher oder wegen meiner wertsachen bedroht gefühlt und würde pauschal von einer friedlichkeit der menschen sprechen – wie kann dies damit einhergehen dass dieses land in seiner über sechzigjährigen geschichte mit fast allen seinen nachbarn in (teilweise heißen) kriegerischen konflikten liegt und auch vor der drohung mit atomwaffen nicht zurückschreckt?

aus diesen verwirrenden gründen ist indien für mich auch kein sehnsuchtsland geworden. „und irgendwann bleibe ich dann dort“; ist eine träumerei der sich die eine oder der andere gerne zu manchen ländern hingibt. ein haus in der toskana, eine blockhütte in den rocky mountains, das surfergästehaus auf furtuventura oder die tauchschule auf sumatra – aber indien?

was mich jedoch nachhaltig beeindruckt hat ist die positive herangehensweise der menschen erst einmal unvoreingenommen an das gelingen einer aufgabe zu glauben – eine eigenschaft die mir und meinen dt. landsleuten nicht gegeben ist!
was ist der erste gedanke mit dem wir dem chaos begegnen? die lichterkette ist ein hinterindischer wuhling? das klappt nie!
nachher hat es dann doch funktioniert – aber bis dahin hält mich der gedanke an die unlösbarkeit so gefangen (wenn nicht „helfen“ mir die negativen kommentare der umstehenden dabei dies nicht zu vergessen). da ist die geringste auswirkung noch das „kein spaß haben“ während die  akzeptanz des scheiterns mein ständiger begleiter ist.

genauso wie das verkehrschaos, welches ich in meinem ersten blogartikel beschrieben habe, sich auf einen schlag in wohlgefallen aufgelöst hat so schaffen menschen in diesem land mit dem festen glaube das chaos zu besiegen trotz armut, ressourcenknappheit unglaubliches und haben mich damit nachhaltig beeindruckt!

indien 20 – ein echter indischer weihnachtsmarkt

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was der weihnachtsmann in indien zu suchen hat und wie ich mehr für ein kino ausgab, als ich das in deutschland. je getan hätte.
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gerade kurz bevor die ersten spekulatius und die ersten schokoweihnachtsmänner in die läden gekommen sind, bin ich schon in indien eingetroffen.
indien ist ein geheimtipp für weihnachtsverweigerer. bunte lichter, feuerwerk und kerzen gibt es hier andauernd, da wird keine besondere jahreszeit benötigt. weder hindus, noch buddhisten oder muslime sehen eher weniger einen grund einen weihnachtsbaum aufzustellen. zwar sind die temperaturen hier mittlerweile nachts auch im einstelligen bereich aber schnee gibts außerhalb der berge keinen.
so habe ich mich bisher weder an stollenkonfekt oder spekulatius erfreuen können und zum ersten mal in meinem leben bin ich bis kurz vor weihnachten noch nicht „gewhamt“ worden. so heißt der moment wenn man zum erstenmal das berühmte lied der gruppe wham zu hören bekommt und damit realisiert, dass die vorweihnachtszeit begonnen hat. letzteres wird sich aber sicher gleich nach meiner ankunft am flughafen einstellen.
nun durfte ich schoneinmal den vorgeschmack auf einen weihnachtsmarkt bekommen – beim new dehli christmasmarket!

(zum vergrößern auf das foto klicken)

mitschuld hat daran der neue 007.
seit dem zweiten november ist der neue james bond film weltweit in den kinos. bis er nach indien kam hat es bis zum 20.11. gedauert und seither versuche ich diesen film zu sehen. in der heimat des bollywood-films (stolze zungen behaupten, dass die indische filmindustrie mehr umsatz macht als hollywood) haben es reine englischsprachige filme etwas schwer, nicht wegen der sprache, eher weil  gesangs- und/oder tanzeinlagen fehlen (man stelle sich dass bei harry potter vor?).
so verschlug es mich in einen der wirklich großen shoppingmalls von new dehlis, welche die ausmaße einer kleinstadt hat. dort wurde in der glitzergold-lounge der hiesigen kinokette der film gezeigt. mir kamen die kordeln, der rote teppich und die glitzerden schrift schon etwas verdächtig vor, aber als ich den preis von umgerechnet 20,- euro erfuhr klappte mir dann doch die kinnlade herunter. was den darin enthalten sei, fragte ich mit erstickter stimme. neben einem wasser (in indien per gesetzt in jedem kino gratis) würde ich einen „begrüßungssaft“ erhalten, käme darüber hinaus in den genuß eines ausfahrbaren sessels, einer wolldecke und der bedienung am platz.
damit verließ ich den schalter und war mir eigentlich sicher, so würde ich mich nicht ausnehmen lassen. auf der suche nach einem ruhigen plätzchen fand ich den besagten weihnachtsmarkt den ich, nach dem ticketkauf noch zeit hatte genauer anzuschauen
ich hatte mich nun zu diesen vorort durchgekämpft und die wenigen anderen, die den film zeigten, waren am anderen ende der stadt oder zeigten den film spät am abend. also „opferte“ ich mich als blogger für die gelegenheit darüber zu berichten und gönnte ich mir diesen neo-kolonialen feudalismus.

der weihnachtsmarkt im innenhof der shoppingmall gruppierte sich um einem riesigen weihnachtsbaum ausmplastik. zu essen oder zu trinken gab es (für indien sehr untypisch) nichts. stattdessen ein labyrinth, eine modelflugschau, kinderschminken jede menge lärm und als höhepunkt ein foto mit dem weihnachtsmann. aber nicht, wie wir dass kennen mit auf dem schoß des weihnachtsmannes sitzend. dass macht für das hindu-kind natürlich keinen sinn, denn das hält sich nicht mit dem glauben auf, ein christkind, papa noel oder santa claus bringe etwas. natürlich kaufen die eltern die geschenke, den zu was sonst soll dieses seltsame „weihnachten“ den sonst gut sein?

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deswegen ist auch das foto welches es in neu dehli gibt ist viel spannender! in einer aufgeblassenen plastikkugel hüpft der weihnachtsmann vor einer fotoleinwand (wald im schnee) mit den kindern und wirbelt künstliche schneeflocken auf! dass ist unschlagbar – zum glück wurde für diesen sinnentleerten weihnachtsmarkt die richtige bezeichnung gefunden „christmas karneval“.

das glitzergold-kino war ein seperater bereich des gold-kinos und dass zu hauf herumwuselnde personal hieß mich in einer speziellen wartelounge willkommen und machte mir auch gleich klar, das fotografieren nicht erlaubt sei. die achtzig riesensessel in dem saal wurden gesäumt von einem schwenkbaren tisch und einer ladestation für mein handy (miete eines kabels möglich). mit der elektronischen steuerung konnte ich meinen sessel in eine fast liegende position bringen und mich mit der wolldecke gegen die auf eiskalt eingestellte klimaanlage schützen.
natürlich kann die elite nicht während des filmes auf das telefonieren verzichten, zumal der film ja zweieinhalb stunden geht. zum glück ist die filmlautstärke auf ohrenbetäubend eingestellt, da kann ich dann schonmal verständnis dafür aufbringen.
kein verständnis hatte ich hingegen als mir mein persönlicher kellner mir während des filmes die rechnung für meine nachos brachte und dass gerade in der szene als bond seinem erzfeind blofeld gegenübersteht. mein wohl nicht nur erstaunt klingendes „now?“ (dt.: „jetzt?“) verscheuchte ihn jedoch wirkungsvoll.

auch wenn ich mich sehr über den indischen „weihnachtsfasching“ amüsiert habe und sehr glücklich bin nicht doch noch jeden james bond film seit „goldeneye“ im kino gesehen zu haben, ist mir selten so klar die sinnlosigkeit von geld-reichtum vor augen geführt worden.
macht es den film nun besser wenn ich ihn in einer goldlounge gesehen habe? waren die nachos leckerer weil sie teuerer waren? warum muss ich, wenn ich mehr geld habe auch für alles mehr bezahlen und oder mehr geld ausgeben?

gestern bin ich, bei meiner einfahrt nach dehli mit dem zug zwanzig minuten lang an einem slum vorbeigerollt. dort leben menschen neben und auf dem bahngleis in größter armut. die wahren sorgen dieser menschen bilde ich mir nicht ein, in gänze vorstellen zu können, aber ich habe diese gemeinsam ball- oder kartenspielen, auf den gleis sitzend nähend gesehn und ich habe sie lachen gesehen. und ich weiß bestimmt welches lachen mir mehr bedeutet!

indien 19 – von kleinem und großem

von festungen, palästen und den kleinen dingen in jaipur
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angekommen in jaipur , der hauptstadt des bundesstaats rajahstan, fällt es nicht schwer überwältigt zu sein von dem überangebot von unesco-weltkulturerbestätten. den sarazenischen schlössern, der weltgrößten sonnenuhr, dem palast der winde oder wenn gefühlt auf jedem berg eine neue festung trohnt.
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da ist es vor nicht leicht auch die kleinen dinge, besondere, schöne aber auch traurige zu erleben, die ich zwar im nebenbei bemerkte, aber die mich dann den weiteren tag beschäftigten.

da war zum einen der mann, der sich die aus den säcken heruntergefallenen erdnüsse auflesen durfte. mit flinken fingern mit von der sonne gegerbten haut begann er nach einem gespräch mit dem händler, zwischen den riesigen säcken die erdnüsse aufzusammeln. dabei ging er fachmännisch vor uns sammelte nur die vollen hülsen ein. nach ein paar minuten hatte er jedoch noch nicht viele gesammelt und seine finger liessen immer wieder die aufgegriffenen, vermutlich leeren schalen fallen. da wurde ich zeuge einer sehr barmherzigen wie auch sehr klugen geste: der erdnusshändler mischte die erdnüsse nocheinmal auf, wobei natürlich nicht wenige zu boden fielen.

(zum vergrößern einfach auf das foto klicken)

bemerkenswert war auch die familie, die mir vor dem „amber fort“ ins auge fiel. irgendetwas war an ihnen anders, was mir aber erst auf dem zweiten und dritten blick klar wurde. inder*innen die ich an sehenswürdigkeiten als touristen sehe sind immer sehr gut gekleidet – im gegensatz zu uns weißen nasen, die in tropenausrüstung oder in hippiesken gewänder daherschweben. auch diese familie mit drei kinder, bruder und oma trug sonntagsstaat. die frau ein schwarzes paillettenkleid, das mädchen ein rosa petticot und die zwei jungs anzüge. doch irgendetwas war unförmig und nicht stimmig. so waren die anzüge der jungs viel groß und ihre ärmel stülpten sich in über ihre hände. die art wie sie das popcorn in sich hineinschaufelten sowie das ganze verhalten wirkte einfach und grob. da bemerkte ich, dass alle ausnahmslos barfuss waren. in indien ein zeichen von wirklicher armut, den flipflops sind hier nicht teuer – wohl aber zu teuer für diese familie.
ich freute mich für sie, dass sie hier waren, dass sie einen gemeinsamen besonderen tag miteinander verbrachten und das sie an einem gesellschaftlichen leben teilnahmen.

wenn es gegen sonnenuntergang geht (in jaipur zur zeit 17.51h), mischt sich ein seltsames rascheln in den straßenlärm und von den flachen dächern der häuser steigen kleine drachen auf.
meistens nicht größer als zwei dina4 blätter, einfaches pergamentpaier von zwei dünnen zweigen in form gehalten. die schnur wird von einer riesigen spindel abgerollt. von der dachterrasse meines gästehauses beobachtete ich wie sich immer kinder aber auch junge männer auf den dächern einfanden und immer mehr dieser schwarzen quadrate in den sonnuntergang aufsteigen liessen. mit ruckartigen bewegungen wird versucht die drachen in immer größere höhe zu pilotieren. manche stürzen gleich nach dem start in die angrenzende dachterasse, andere steigen in schwindelne höhe. was für ein spass es wohl machen muss etwas miteinander zu teilen obwohl man durch verwingelte gassen und häuserschluchten getrennt ist und sich vermutlich nie persönlich treffen wird.
da bemerkte ich einen drachen der sich aus dem hektisch zuckenden verbund gelößt hatte und ruhige bahnen beschrieb. befreit von der hektik der anderen und friedlich schwebte er bis er keine zwei meter von mir auf der dachterasse landete, wie als ob er mir etwas sagen wollte, eine botschaft von freiheit und ruhe überbringen wollte.

alle diese dinge haben nichts miteinander zu tun. manche haben kleine auswirkungen andere größere. mache wiederholen sich andere bleiben für immer einzigartig aber alle stellen winzige teile im täglichen chaos dar und sind dadurch wertvoll und besonders!

eine besinnliche weihnachtszeit!

indien 18 – wo indiana jones und die flintstones sich gute nacht sagen

von halbnackten touris, tempel, sadus und vorallem von mächtig vielen steinenimage

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seit ich in indien bin wurde mir hampi empfohlen. es sei so einzigartig dort, steine und tempel, paradies für boulderer (eine variante von klettern). vorallem wurde es mir als sehr ruhig und gemütlich geschildert. dies schien nicht für die rikshawfahrer zu gelten die mich um kurz nach fünf uhr morgens beim aussteigen meines nachtbusses abfingen. schon beim anhalten des busses wurde mein seitenfenster von außen aufgedrückt und aus der dunkelheit wedelt eine hand mit einer visitenkarte: „hello mister, you go with me. i know all guesthouses! come out and remember my face please!“ (zu dt.: er würde jede unterkunft kennen, daher soll ich mich beim aussteigen an sein gesicht erinnern und mich ihm anvertrauen).

zum erstenmal war ich mit einem „full-sleeper-bus“ gefahren. anstatt über sitze verfügt dieser bus über zwei übereinanderliegende gepolsterte schlafpritschen zu beiden seiten des mittelganges. ein vorhang verschafft etwas privatssphäre und es gibt sogar steckdosen. einziger nachteil, wie in allen indischen busen: keine bordtoilette. die fahrt von 21h ab mysore bis 5h nach hampi hatte drei zwischenstopps und verlief abgesehen davon, dass ich die hinterste koje über der hinterachse belegte und bei jedem schlagloch das gefühl hatte abzuheben, recht angenehm. ich schlief mehr als ich das in einer sitzposition jemals getan hätte.

nachdem ich keinen der schlepper loswurde, vertraute ich mich einem an und ließ mich in sein gästehaus bringen, welches bei tag besehen auch nicht besser oder schlechter als die anderen war.
vom ehemaligen hippietreffpunkt hampi übriggeblieben ist eine ansammlung von kleinen gästehäuser, dachterrassenrestaurants und shops mit dem üblichen alternativ-touri-tand oder toilettenpapier-wasser-chips. das ganze bewegt sich im rhytmus der sich zwischen der ankunft der nachtbusse am morgen (zimmerpreisverhandlungen auf dem gang um halb sechs) und der abfahrt der nachtbusse nachmittag und frühabends abspielt. dazwischen werden die tagestouristen durchgejagt. schulklassen, kulturtouristen mit schweren nachschlagewerken unter dem arm und vorallem auch indische touristen im partybus. zum erstenmal sah ich auch tatsächlich schmerbäuchige weiße männer mittleren alters mit nacktem oberkörper durch die straße krakelen. ich hatte gedacht soetwas gibt es nur in erzählten negativbeispielen. wenn ich die sprache richtig gedeutet habe waren es russen.

(zum vergrößern auf das bild klicken)

hampi zählte bis zu seiner vernichtung im 16 jhrdt. einmal über 500.000 einwohner und war 250 jahre der hauptsitz eines riesigen reiches. davon übriggeblieben ist ein riesiger tempel und weitverstreute tempelruinen und prachtstraße die für einen indiana jones film eine prima kulisse abgegeben hätten.  diese klustern sich in einer umgebung die aussehen wie aufgetürmte murmeln die nur darauf warten von ihren riesigen spieler wieder aufgegriffen zu werden um neu arrangiert zu werden.
nachdem ich staunen dazwischen von einem versteckten tempel zum nächsten gestolpert war, platze ich direkt in eine ansammlung von arbeiterinnen. gerade beim teekochen für ihre mittagspause wurde ich eingeladen ihnen gesellschaft zu leisten. wie so oft sind diejenigen individuen mit dem direktesten auftreten oder den geringsten hemmnissen sprachbrocken auch anzuwenden auch außenseiter*innen. jedenfalls machten die anderen mir hinter ihrem rücken immer wieder das zeichen mit dem drehenden zeigefinger an der stirnseite, ließen sich jedoch bereitwillig unser gespräch übersetzen.
der tee aus den allgegenwärtigem aluminiumgeschirr schmeckte vorzüglich und als meine dolmetscherin meine worte, der tee sei wie indien: hellbraun, heiß und süß; wurde ich von allen ins herz geschlossen.

inzwischen hatte sich eine weitere frau zu uns gesellt, die nicht nur aufgrund ihres aussehen anders wirkte. ihre austrahlung hatte etwas geheimnisvolles. sie sei eine „sadhu“, wurde mir veraten. was ich bisher nicht wußte, dass es auch weibliche vertreterinnen gibt.

info: sadhu (hier klicken um zum wikipedia-artikel zu gelangen)
unter sadhus werden personen (im wikiartikel werden nur männer erwähnt) die sich selbst einem asketischen leben und ihr leben der hinduistischen religion gewidmet haben. dabei bleibt die wahl der selbstkasteiung jeder/m selbst überlassen. sie leben allein (als eremit*innen) oder in ashrams
am besten bekannt ist wohl der sadhu, der seit 25 jahren seinen arm hochhält

sie führte mich zwischen einigen der riesenmurmeln hindurch bis ich zu „ihrem“ tempel kam, der shiva geweiht war. stolz ließ sie sich ablichten, sprach einen segen und ich erhielt einen roten punkt auf die stirn. zwar lief auch diese segnung nicht ohne spende ab, jedoch hatte ich nicht das unangenehme gefühl jetzt einen gaunerzinken für den schnell ausnehmbaren touri zu tragen. in varanasi hatte ich das bedürfniss mir  einen solchen punkt schnell wieder abzuwischen. ähnlich wie man die anstecknadel der „spender der kriegsgräberfürsorge“ schnell wieder abnimmt, weil man doch die sammelnden kinder nicht für die gesinnung der eltern verantwortlich machen kann und doch etwas in die sammeldose gedrückt hat.

ganz im gegenteil, diese begegnung war ein wunderbarer auftakt zum zweiten teil meiner reiseverlängerung die mich bis mitte dezember über mumbai und rajahstan wieder zum ausgangspunkt der reise nach dehli führen wird und über die hier noch zu lesen sein wird…

indien 17 – in a yoga state of mind

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von yogis, swamis und ahsrams
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weder hatte ich es geplant noch selbst für möglich gehalten mich auf dieser reise mit yoga infizieren zu lassen.
aber genauso wie es einfach nicht möglich ist, sich im einer disko aufzuhalten und nicht mindestens einmal mit dem fuss zu wackeln oder den kopf im takt zu bewegen, so ist war es mir nun eben nicht möglich ohne yoga indien zu verlassen.

dieses kurze fuss-wackeln hatte ich in vor einem monat in kochin (bundestaat kerala). dazu musste ich nichteinmal meine unterkunft verlassen sondern mich nur vor dem frühstück auf der dachterrasse einfinden und den gegenwert einer dt. straßenbahnfahrt in rupien mitbringen. und schon erinnerte mich die geführte stunde yoga an die zwei semester yoga-unisport während meines studiums und die zugänlichkeit der übungen.
überrhaupt schien die hälfte der anderen gäste in der unterkunft gerade auf dem weg zu einem yoga-lehrer*innen-training zu sein oder geradewegs aus dem yoga-ashram zu kommen. so ergaben sich viele gespräche und es entwickelte sich in mir immer mehr die idee doch mehrere fliegen mit einer angenehmen als auch nützlichen klappe zu schlagen.
so konnte ich mir eine pause von der reise in indien zur entspannung, und sportlichen betätigung gönnen und mein indienaufenthalt nach der weiterreise von kristin richtung goa noch bis weihnachten verlängern und darüberhinaus noch etwas lernen, was ich beruflich einsetzen kann.

das erste was ich über yoga gelernt habe ist, dass ich nichts darüber weiß! bei einer geschichte von mehreren tausend jahren nicht weiter verwunderlich.

die vorstellung mit einem fingerschnippen eine einrichtung (ein ashram oder institut) zu finden, die sowohl für anfänger wie mich geeignet als auch ohne große anreise oder womöglich zurückreisen zu erreichen, ist ähnlich wie mit dem ersten mal lotto einen sechser erspielen zu wollen. auch wollte ich nicht gleich einem guru die füsse küssen müssen oder (wie verschiedene reisende berichteten) in einem ashram sein in dem die unterbringung oder das essen nicht wenigsten annehmbar ist.
ebenso schreckten mich die yoga-wellness-spa-packages ab, ich vorallem in goa im internet fand. wenn mir dass erste, was ich auf einer homepage für ein zweiwöchigen yoga-aufenthalt sehe, bilder von coolen leute am pool oder einem buffet mit hotelessen sind werde ich ebenso skeptisch wie bei traditionellen ashrams mit einer kleiderordnung laut der, selbst beim im see schwimmen, die beine bedeckt sein müssen.

info: ashram:
was „ashram“ bedeutet, ist nicht leicht zu beantworten. die erklärung auf wikipedia reicht von kloster über einrichtung in der weiterentwicklung angestrebt wird.
aus meiner kindheit kenne ich den begriff „ashram“ im zusammenhang mit fragwürdigen sekten wie „hare krishna“, „osho“ oder „baghwan“. in den letzten jahren begenete mir der begriff immer wieder, aber jeden den ich danach fragte gab mir eine andere erklärung. manchmal hatte ich auch den eindruck der begriff „ashram“ wird benutzt um sich in einem interessanteren licht darzustellen. ähnlich wie manche in den nuller jahren angaben zutritt zur vip-area eines clubs zu haben.
richtig geklärt habe ich es immer noch nicht bekommen und es kostet mich immer noch etwas überwindung den begriff im bezug auf mich in den mund zu nehmen.
aber mit der erklärung, gemeinschaftswohnen in einer bildungseinrichting, umfasst man sowohl die rein auf körperübung abziehlenden yoga-ashrams, als auch gandhis ashram sowie die traditionellen kloster-ähnlichen einrichtungen

die indischen götter waren mir gnädig und ich durfte wie schon sehr häufig auf reisen zum richtigen zeitpunkt, dem/n richtigen menschen begegnen und mich am richtigen ort an diese erinnern. so setzte mir die eine sehr gut die verschiedenen schulen auseinander, ein anderer konnte mir sehr gut erklären, was yoga in ihm ausgelöst hat und per email erhielt ich noch den entscheidenden schubs in die richtige richtung.
gleich zu anfang meiner reise schwärmte mir ein sehr spannendes dt. päarchen von ihrer „yoga-immersion“ (dt.: „eintauchen“) vor. just bei meiner ankunft in mysore erinnerte ich mich daran und eine nachricht auf facebook später hatte ich den link und zum nächste startermin (eine woche später) war noch einen platz frei. an meinem geburtstag führte ich das entscheidende telefonat und hatte damit meinen sechser im lotto. erschwinglich, in der nähe (stunde außerhalb von mysore, der stadt in der ich gerade war) „vorgetestet“ und wie sich herausstellte eine perfekte fusion aus ost und west. die traditionellen yoga-elemente, für den interessierten westler passend serviert.
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nun bin ich fast schon wieder am ende meines zweiwöchigen schnupperkurs mit engem zeitplan. geführte morgenmeditation um 6h, vormittags und nachmittags je zwei stunden (hatha-)yoga-körperübungen, dazwischen theorie und hinduistische philosophie unterrichtet von einem „swami“ (religiösem lehrer).
als sahnehäubchen an verschiedenen abenden noch chanting (dt: „melodisches sprechen von [religösen]texten), was mehr mir überraschenderweiße mehr spass gemacht hat, als das letzte lippenbewegen oder angestrengt-ins-gesangs-buch-starren bei der letzten taufe oder beerdigung.

meine „yoga-immersion“ ist sehr spannend und ich habe keine cent oder minute beruht, denn ich habe schon auf vielen verschiedenen ebenen dazugelernt. das essen ist hervorragend, auch wenn mir die schärfe fehlt, die jedoch lt. ayurveda (nach deren regeln das essen gekocht wird) weniger die körperliche betätigung unterstützen und die unterkunft in einfachen und geräumigen holzhütten ist fernab von dem was mir von anderen ashrams berichtet wurde. eine gute quelle für diese vergleichenden infos war die spanierin aldara, die gerade für ihre webseite: www.yogattc.info recherchiert, auf der sie ashrams in indien (und der ganzen welt) auf ihre qualität überprüft.

einen richtigen aha-effekt in bezug auf yoga, hatte ich beim schreiben von diesem blogeintrag, nach zwei stunden tippen fühlte sich mein rücken wie gewohnt steif und schmerzhaft an. warum nicht anwenden was ich gezeigt bekommen habe.
nach ein paar yogaübungen auf meiner matte in meiner hütte fühlte sich mein rücken wie neu an. selten wurde mir so klar was für eine kraft yoga entfalten kann!

indien 16 – wie hoch ist dein einheimischen faktor (teil 2 – der äuslanderfaktor)

kandierte fenchelsamen

wie verhilft man inder*inne zu einem höheren „ausländerfaktor“?
was mir auf eine der „schlimmsten“ bustouren wiederfahren ist und woran es sich der „einheimischen-faktor“ eines reisenden festmacht und was ich antworte wenn ich von einheimischen, die frage gestellt bekomme, warum ich eigentlich in inden reise?

was bisher geshah: im beschaulichen bergstädtchen ooty, schlossen wir uns einer wirklich indischen tour an, wo zwar keine erklärungen auf englisch gegeben wurden, wohl aber ein zusätzliche gebühr vom uns verlangt wurde
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schon recht stolz, dieser recht gängigen praxis des erquengeln von extragebühren oder trinkgeld entgangen zu sein, so erhielt ich noch einen extrabonus für meinen einheimischen-faktor, als sich ein teil der indischen mitreisenden diese gebühr doch tatsächlich abringen liessen. nur das junge muslimische päarchen aus bangalore auf hochzeitsreise blieb ebenfalls standhaft.
auch dem besuch eines sees wurde sehr indisch-„local“. dort bezahlte man für den eintritt in das bootshaus (der landungsteg) um dann eine einer seerundfahrt (extrakosten) buchen.
der programmpunkt wasserfall entfiel, da dieser kein wasser führe und so erreichten wir nach einem stop zum mittagessen dass tierschutzgebiet zum „jungle-ride“.
sass ich schon im tourbus nur mit einer popbacke auf der zweierbank so schüttelte mich nun die nicht vorhandene federung des fast baugleichen busses durch. als safari-jeep zeichnete er sich durch seine grauweiße camouflage-bemalung aus. damit knatterten wir auf einer waldstraße durch das gebiet, in dem sich nur stoische (und vermutlich angefütterte) rehe und hirsche am straßenrand sehen liessen. gegen ende sahen wir noch einen elephanten, der schien aber mit seiner kette am fuss gerade heute mal nicht „freilebend“ zu sein.

auf der rückfahrt entsann man sich des bordentertainments und so plärrten die übersteuerten lautsprecher indische musik auf voller lautstärke.
mit verspannten muskeln und pfeiffenden ohren, aber auch mit etwas stolz es erlebt zu haben, stolperte ich um die erfahrung reicher an einer echten einheimischen-tour teilgenommen zu haben an diesem abend aus dem bus.

sicher regt sich in dem einen oder der anderen leser*in beim thema „wahres reisen“ widerspruch oder zustimmung und wer ehrlich ist hat sich in der einen oder anderen art schoneinmal einer abgrenzung bemüht – und das ist vollkommen in ordnung!
gerade das zusammentreffen unterschiedlicher ansichten ist das spannende.
sehr interessant und mich auch manchmal stutzig macht mich die aufgeschlossenheit der inder*innen reisenden gegenüber auf. sicher gibt es ecken, wo mehr touristen unterwegs sind aber in den meisten fällen, begenete mir tagelang keine andere weiße nase. so ist man wirklich etwas „besonderes“.
dass fängt damit an das man zugewunken und angelächelt wird, kinder werden von ihrem eltern angestubst doch „hello, mister“ zu rufen oder man wird nach dem herkunftsland gefragt. den wunsch ein foto mit „dem fremden“ zu haben wird manchmal auch ohne einverständnis nachgegangen, was je nach tagesform belustigung oder verärgerung bei mir auslößt. befremdlich bleibt es jedoch immer.
man stelle sich das in deutschland vor? wir würden auf menschen mit anderer hautfarbe zugehen, unsere kleinen auffordern sie zu begrüßen – was würde das für eine willkommenskultur bedeuten?

eine frage die ich, von gebildeten und des englischen geläufigen inder*innen, mehrfach gestellt bekommen habe: warum ich hier sei, warum ich nach indien gerreist sei? obwohl ich mittlerweile diese frage mehrmals beantwortet habe, stocke ich und überlege bevor ich antworte.

auf der wanderung am gangbal lake im kashmir, traff ich einen australier, der sich sicher einen hohen eimheimischen faktor zumaß.
als ich ihm erklärte, in der stadt srinagar gäbe es wenig touristisch interessantes, tadelte er mich mit seiner antwort, „just hanging around and get in touch with the locals“ (er würde einfach nur dort sein und in kontakt mit den einheimischen kommen). da war es wieder, der kräftemessende vergleich des einheimschen-faktors!

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kandierte fenchelsamen

ich esse gerne „local“ in den einfachen straßenständen und den familienkantinen. noch nie bin ich davon krank geworden, sogar das kostenlose tischwasser trinke ich inzwischen. dass essen ist dort lecker und wenn die preise an die wand geschrieben sind, zahle ich sogar nichtmal den weißen-nasen-aufschlag. aber eine erholung ist dass meistens nicht. so geht es sehr hektisch und indisch-schnell zu. wenn der letzte bissen gerade gekaut wird, reißt mir der kellner mit der einen, den aluteller mit bananenblatt unter den händen weg, während er mir mit der anderen, die rechnung auf einem untersetzer mit fenchelsamen zuschiebt. dass ist nicht ist nicht unhöflich, dass ist so, wie es von „locals“ erwünscht ist.

mit einem local-bus in indien zu fahren ist ebenfalls eine interessante erfahrung. sobald der bus einfährt entbrennt ein kampf um jeden zentimenter sitzplatz. während die hineindrängelnden massen dass aussteigen unmöglich machen, haben andere schon, durch die immer offenen (oder erst gar nicht vorhandenen) fenster ihre taschen und säcke auf freigewordenen sitze geworfen. pinkeln zu gehen ist lotteriespiel, vielleicht ist der bus schon am losfahren oder jemand hat sich meinen halben sitzplatz geschnappt. zwei wirkliche vorteile gibt es jedoch: kein bordentertainment und die frequenz selbst wenn der bus wegen eines feuers im motor (wie auf der fahrt von cochin nach ooty) auf der autobahn liegen bleibt, der nächste bus ist keine zehn minuten später da und darf geentert werden.
wirklicher kontakt mit einheimischen, der in diesem wunsch etwas „local“ zu machen mitschwingt, ergibt sich bei den gerade aufgezählten dingen allerdings nur sehr eingeschränkt, da die einfach essenden und reisenden inder*innen in den wenigsten fällen zu einem gespräch auf englisch in der lage sind. meistens ist nach der allgegenwärtigen frage, aus welchem land man sei, nicht hinausreicht. im anschluss verbringt man dann die weiterreise schweigend, bietet sich manchmal noch etwas zu essen an.

ich betrachte solche „local“ erfahrungen in einem bestimmten rahmen als sinnvoll und sie gehören für mich zu einer reise unbedingt dazu. aber oft denke ich nach einem solchen reisetag auf einer halben pobacke, ob ich es durch einen kleinen betrag mehr, es nicht etwas angenehmer hätte sein können? und ärgere mich dann im delux-bus über das ohrenbetäubende film- und musikentertainment.
oder ich gönne mir einmal am tag eine restauranterfahrung wo ich nach dem, wenn auch etwas teureren essen wie mittgas noch etwas sitzenbleiben darf und schmunzle über den westler am nebentisch, der burger oder pasta ißt und die cola im glas zurückgehen läßt, weil er die flasche nicht selbst am tisch öffnen konnte.
aber auch dieser reisende hat es nach indien geschafft, hat interesse an sehenswürdigkeiten, an den leuten und wie etwas abläuft. und vielleicht hat er einfach noch nicht gemerkt, dass die verhaltenswarnungen und essesregeln aus reiseführer und ärzteschaft etwas übervorsichtig sind und er steigert seinen einheimischen-faktor im laufe der zeit noch?

für die inder*innen, die mir die frage warum ich in indien sei gestellt haben, sind solche überlegungen bestimmt nicht nachvollziehbar.
ich glaube inder*innen müssen von uns westler den eindruck haben, dass wir über unglaublich viel zeit verfügen. selbst die inder*innen mit denen ich gesprochen habe (und die über mehr geld verfügen als ich) kämmen nicht auf die idee mehrere monate zu reisen, geschweige denn sich darüber gedanken zu machen, wodurch und wie nahe sie der kultur des besuchten landes kommen könnten. die einen weil sie zuwenig jahresurlaub haben und die anderen aus geldmangel.

und auch meine antwort, es gäbe soviel interessantes und sehenswertes in ihrem land, erfüllt sie zwar immer mit etwas stolz aber wirkliches verstehen, habe ich nie gespürt.
vielleicht muss man dazu aber auch ersteinmal selber reisen um zu verstehen, was das interessante und das besondere am eigenen geburtsland ist?

und vielleicht gibt für die inder*innen auch ein äqvivalent zum „einheimischen-faktor“, den „ausländer-faktor“!
und der misst sich daran wieviele bilder man mit einem weißen oder ausländer gemacht hat?

indien 15 – wie hoch ist dein einheimischen-faktor (teil 1)

die schlimmste bustour von allen, partyzug und wer ist der reisende mit dem höchsten einheimischen faktor?
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wenn die englischen kolonialherren (und ihre damen) die hitze in ihren dicken europäischen anzügen und kleidern an der südindischen küste von chennai nicht mehr aushielten, flohen sie in die kühlen berge tamilnadus nach udagamadalam, welches der einfachheit halber in ooty umbenannt wurde.
eine kleine zahnradbahn (manchmal noch dampfbetrieben) schnauft dort zwischen teeplantagen die mit eukalyptus und kiefern bewachsen berge hinauf. bei temperaturen ganzjährig um die 20 grad ist dies eine indischen hochburgen für regionale handgemachte schokolade und ich fand dort ausserhalb der innenstadt: die so lange vermisste und erhoffte ruhe dass shangri-la!
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und in der nähe gibt es ein tierschutzgebiet mit wildlebenden elefanten, welches wir mit einer tour erkunden wollten – welche zur „schlimmsten“ der ganzen reise wurde. bei dem wir jedoch eine planübererfüllung bei unserem „einheimischen-faktor“ erkämpften.

der mensch lebt seit urzeiten in einem ständigen abgrenzungsverhalten zwischen „wir“ und „die“. dies gibt halt und struktur in neuen situationen und hilft mit „neuem“ fertig zu werden. die grenzen sind fliessend, sehr ambivalent und leider auch häufig ein grund zur abwertung.
unter reisenden gibt es eine ganz klare grenzziehung zwischen „pauschal-“ und „individuval-touristen“. während es sich „erholungsurlauber*innen“ am hotelpool „nur“ gutgehen lassen, erkämpfen sich die „aktivurlauber*innen“ im schweisse ihres angesichts die gewissheit die scheinbare angemessenheit des wertvollen jahresurlaubs.

langzeitreisende sind in diesem abgrenzungsverhalten wahrscheinlich die ideologischsten und untolerantestren aller touristengruppen und führen insbesondere einen erbitterten abgrenzungskampf untereinander. so lässt man sich gemeinhin nicht als tourist bezeichnen sondern bevorzugt den begriff „traveller“ (zu dt. reisende/r).
mit argusaugen wird das reisegepäck verglichen. hängen isomatte und schlafsack am rucksack oder nur die badeschlappen?
„aber nein, ich habe ja einen RICHTIGEN rucksack“ klärte mich neulich ein mitreisender auf, als er meinen hypridrucksack (mit rucksackträger und) rollen erblickte.
seit das fernreisen und das „traveln“ zum gesellschaftlichen mainstream geworden ist es notwendig geworden. sein profil noch mehr zu schärfen und sich weitere abgrenzungen auszudenken.
eine strategie läuft unter dem begriff „off-beaten-track“ (abseits der ausgetretenen [reise]pfade) zu sein.
so werden die „anderen“ mitleidig belächelt die (noch) mit dem reiseführer „lonely planet“ unterwegs sind. dieser führe einen doch nur zu den bereits bekannten sehenswürdigkeiten und man würde nichts „anderes“ mehr sehen können, so der vorwurf. was dieses andere sein soll und wie man dort hinkommt steht dann jedoch meistens auf einem anderen blatt.
wirklich in den olymp des reisendenhimmels können jedoch nur jemand aufsteigen, so die meinung der traveller, die etwas „local“ machen!
damit ist gemeint, sich möglichst weit mit einheimischen zuverschmelzen, dort zu essen und unterwegs zu sein. nicht an der besuchten kultur vorbei-zu-reisen und sich der günstigen preise bedienen oder die kassen einer auf touristen abgerichteten industrie zu füllen. nein, je weniger man mit anderen reisenden im touristen restaurant mit englischer speisekarte gegessen hast sondern „local gegessen“ hast und man sich über einem fremdsprachigen menü gewundert hast, je weniger man in einem touribus gesessen bist und dich stattdessen mit einheimischen im „local-bus“ zu dritt auf eine schon für zwei zu enge sitzbank gezwängt hast um so höher ist dein „einheimischen-faktor“.

wie hoch ist jetzt dieser faktor, wenn z.bsp. inder aus punjab (nordenwesten) nach tamil nadu (südosten) reisen?
spassig war es in jedemfall diese in der zahnradbahn zu erleben. in jedem tunnel wurde aus freude gekreischt.

einem anstieg meines sogenannten einheimischen-faktors konnte ich schon sicher sein, als ich den viel zu engen tourbus zum nationalpark bestieg und außer uns nur inder*innen („locals“) an bord waren. die tour hatten wir über das staatliche tourismusbüro gebucht und es wurde mitgeteilt, dass die einzelnen eintritte im preis nicht inkludiert waren. die tour sollte diverse sehenswürdigkeiten abklappern bis es schliesslich über das „mudumalai wildlife sanctuary“ nach hause gehen sollte.
während die ersten zwei ablaufpunkte nur daraus bestanden an einem golfplatz und einer geschlossenen fabrik („hindustan photo film“) vorbeizufahren, durften wir am „kamaraj sagar dam“ wenigstens anhalten und durch ein gitter fotografieren. leider konnte ich nichts von den erklärungen in den „local-sprachen“ tamil und hindi verstehen, außer das sowohl bei der fabrik als auch vor dem damm mehrmals die namen der indischen „erz-feinde“ bangladesh und pakistan fielen, also musste es etwas mit der nationalen identät zu tun haben.

was jedoch auf englisch sehr gut ging war mir zu erklären, dass es auf allen parkplätzen eine parkgebühr gäbe, welche auf die einzelnen mitreisenden verteilt werden würde, was ich geflissentlich ignorierte.
beim nächsten stop erklärte mir dann der fahrer, ebenfalls in einwandfreiem englisch, dass sein kollege etwas verwechselt hätte, es ginge nicht um die parkplatzgebühren, sondern um die kosten für ihn und seinen kollegen als reiseführer, die ich noch zusätzlich beisteuern sollte. ich verlangte seinen namen und zückte mein indisches handy um mich mal beim tourorganisator zu erkundigen ob dass wirklich der wahrheit entspräche, worauf sofort der rückzieher kam.

fortsetzung folgt im zweiten teil

indien 14 – hammer und sichel vs. lotusblüte vs. gasflasche

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von hammer, sichel, ähren und muscheln, aber was haben mobiltelefone und gasflaschen damit zu tun?
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zur zeit sind wahlen in mehreren bundesstaaten. dass ist nicht nur überall durch bunte beflaggung und plakatierung zu sehen sondern (wie sollte es auch in indien anders sein) vorallem auch zu hören. neben demos fahren kleinlaster mit aufgebauten lautsprecher und eigenem generator auf der laderampe durch die straße und beschallen die gegend ungefragt mit aufgezeichneten wahlversprechen, musik und abwertungen des politischen gegners.

(zum vergrößern auf die bilder klicken)

die personen in diesen lkws müssen für mein verständnis bereits vollkommen taub sein, zum einen erscheint mir etwas anders bei der lautstärke (die alles übertrifft was ich bisher in indien an krach gehört habe) gar nicht möglich, zum anderen ist das vielleicht auch einstellungsvorraussetzung, denn wer hört sich schon gern den ganzen tag ein und dieselben wahlversprechen an?

etwas interressantes fiel mir an den wahlplakaten auf, neben dem bild der/des kanditat*innen ist ein symbol abgebildet. eine hand, welche sich auch in religiösen kontexten findet. eine lotusblüte oder das mich sehr verstörende hammer und sichel symbol.
schon im bundesstaat westbengalen (hauptstadt kolkata) habe ich gelernt dass dort eine marxsistische partei von 1977-2011 ununterbrochen die landesregierung gestellt hat. so ist dieses symbol, welches ich mit unterdrückung, kalter krieg und folter assoziiere, hier wohl eher gedanklich mit stabilität und wohlstand besetzt. und ein indisch-kitischiges goldglitzerndes hammer-und-sichel-symbol wirkt auch nicht so bedrohlich.

je nährer der wahltermin heranrückt umso mehr kleinere parteien treten auf den plan und es tauchten noch mehr symbole auf: eine leiter, ein aufgeschlagenes buch, gandhis brillengläser oder eine muschel
richtig belustigend hingegen fand ich im laufe der zeit, einen (sehr in die jahre gekommener) fernseher, ein mobiltelefon, den wandschrank und die motorrikshaw.
eine weitere kommunistische partei wandelte das symbol in hammer und maiskolben ab, aber der allergrößte hingucker für mich ist die gasflasche!

nach einer recherche im internet fand ich heraus, dass diese symbole die wahl auch für analphabet*innen ermöglicht. die damit die wahlliste oder die partei wiedererkennen können.

wenn ich nun diese symbole auf die wahlversprechen oder leitgedanken einer partei übertrage, bestimmt wird keine partei zu einem symbol gezwungen, so verstehe ich manche auswahl nicht. ein buch oder eine brille, da steht diese partei für mehr bildung, ein haus für niedrige grundstückspreise, eine rikshaw könnte für eine lobby der taxifahrer stehen. wagschale für gerechtigkeit und gendergleicheit?
wenn eine partei ein mobiltelefon wählt verspricht sie vielleicht eine bessere netzabdeckung oder schnelleres internet, die gasflaschen-partei vielleicht erschwingliche energie? die leiter könnte beruflichen aufstieg implizieren, aber was soll ein fernseher? weniger schlechte serien? aber und was um alles in der welt könnte die partei mit einem wandschrank andeuten?

für weitere informationen (in englisch)
https://challenges.openideo.com/challenge/voting/inspiration/election-symbols-in-india