der alte mann und die marathondistanz

als ich heute nachmittag an der haltestelle auf meine straßenbahn wartete hatte ich erschöpft meine rucksack und meine umhängetasche von mir geworfen und neben mir auf der wartebank aufgereiht.
aus dem augenwinkel sah ich einen älteren mann, schätzungsweise anfang 70 mit einer krücke auf mich  zuhumpeln. pflichtschuldig rückte ich auf der bank zur seite und schob meine taschen neben mir in die ecke. er grinste mich an und winkte abwehrend mit seiner faltigen hand. er würde sich nie hinsetzen die bank sei ihm zu kalt, rief er mir zu. dies bestätigte ich ihm gerne und erzählte dass ich auf diesen “metallsieben”, denn die leipziger wartebänke, bestehen aus einem weitmaschigen drahtgestell, ebenfalls nicht gern sitzen würde, mir seien sie im winter so kalt dass ich extra ein faltbares campingsitzkissen im rucksack habe.

darauf plauderte er weiter, dass er schon immer gerne gelaufen sei und früher in der DDR auch an wettkämpfen und marathonläufen beteiligt gewesen sei.
gleich ermunterte ich ihn weiterzusprechen und erzählte ihm dass ich erst neulich am leipziger nachtlauf teilgenommen hätte es aber noch nie die marathondistanz bewältigt.
ich bemerkte wie es in freute in mir jemanden gefunden zu haben der ihn verstand und so verriet er mir noch seine taktik. ich müsse immer auf meine temperatur achten und zeigte dabei auf meine nakten oberarme. er habe sich immer einen gesucht, der etwas schneller als seine geschwindigkeit gelaufen sei und habe sich dann an diesen gehängt. kurz vor dem ziel hätte er dann immer „stoff“ gegeben und sei losgesprintet.

als die bahn kam dachte ich schon wir würden noch einige stationen haben und ich hätte die möglichkeit noch einiges über die läufe in der ddr zu erfahren, aber er griff nach meiner hand und wünschte mir mit einem kräftigen händedruck für meinen nächsten lauf alles gute.

als ich einstieg dachte, war ich gar nicht mehr genervt, weil die bahn mit einer verspätung, was unser gespräch erst ermöglicht hatte. gerade dachte ich noch bei mir was für eine schöne begegnung dies gewesen sei und was für ein angenehmer mensch der alte marathonie doch sei.
in diesem moment sah ich ihn wie er sich über den mülleimer der haltestelle beugte. für einen moment hoffte ich habe nur etwas hineingeworfen was er selbst gerne noch behalten hätte, aber er wakelte auf seiner krücke zum mülleimer auf der anderen haltestellenseite und kramte auch darin.
er sah irgendwie nicht nach dem  typischen pfandsammler aus, der mit großer tasche und wägelchen auf die jagd geht. als ich ihm nun so nachsah, tat er mir plötzlich sehr leid und ich fragte mich wieviele kilometer er nun jeden tag auf der suche nach etwas ess- oder verwertbarem durch die stadt läuft, wettkampfdistanz bestimmt…

gesinnungsnachweis bei pegida oder warum pegida wilders pullermann mag!

wie kann man eigentlich seine gesinnung bei einer pegida-demo nachweisen um von den polizist*Innen in den abgesperrten bereich zu gelangen? dies erfuhr bei der gestrigen pegida demo in dresden.
die pegida demos haben schon längstens ihren zenit überstritten und dümpelt mit einem kleinen prozentsatz dessen, was sie zu besten zeiten erreichten dahin. ihrer braunen fratze versuchen sie gerade ein bürgerliches antlitz durch eine oberbürgermeisterkandiatur einer ehemaligen hamburger afd-politikerin zu geben. außerdem sollte am gestrigen montag der islamophobe rechtspopulist aus holland geert wilders (vergeblich) für auftrieb sorgen.
orginal-zitat wilders: “unsere eigene kultur ist ja die beste kultur und einwanderer müssen unsere werte annehmen” (http://www.mdr.de/sachsen/pegida-wilders100_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html)

dafür versteckten sich die pegidisten in einer flutrinne an der elbe um durch einen rechtlichen winkelzug eine art hausrecht zu kreieren um keine gegendemonstation in hör- und sichtweite, so wie in leipzig, zu ermöglichen. trotzdem riegelte die polizei die veranstaltung weiträumig ab.

wie gelangt man jetzt durch diese absperrung um ebenfalls noch zu dem pegida-häufchen zu stoßen? auf dem weg zu einer der gegendemonstrationen wurde ich zeuge eines solchen “gesinnungsnachweises”. ein friedlich aussehender älterer man (alter schien hier nicht als nachweis zu reichen) diskutierte mit einem der behelmten polizisten aus der absperrung und versuchte durchgelassen zu werden. gerade als ich hinter dem mann vorbeiging, zog er eine zeitschrift mit der aufschrift “studentisches korps” aus seinem jute-rucksack. nach einem weiteren wortwechsel wurde er durchgelassen.
schon schwierig hier türsteher*In zu spielen und hier die “falschen” von den “richtigen” zu unterscheiden. das machte sich auch die spaß-guerillia “die partei” zunutze und trat auf der kundgebung mit einem plakat mit der aufschrift “pegida houdt van je pielenmuis” (pegida liebt deinen pullermann” auf. (http://die-partei.net/dresden/)

aufgenommen friedrichstraße, dresden nopegida-demo

2014-04-13 friedrichstraße, dresden nopegida-demo

ich hatte ebenfalls gelegenheit die jungs zu treffen, als sie sich etwas später auf der gegendemo einfanden – humor ist meistens die beste waffe gegen wirrköpfe!

mit hellmuth karasek auf der synagogentoilette

im rahmen der buchmesse fand gestern in der leipziger synagoge eine lesung von josef joffe der sein sachbuch über jüdischen humor “mach dich nicht so klein, du bist nicht so groß – der jüdische humor als weisheit, witz und waffe” vorstellten sollte. begleitet wurde er von weggefährten und witze-sparringspartner hellmuth karasek.
ohne große einleitung oder den versuch das buch zu bewerben begannen die zwei 70min lang vor einer überfüllten synagoge, einen witz nach dem anderen zu erzählen, strapazierten die lachmuskeln mit allerhand jüdischen, christlichen und ökomenischen witzen und ließen sich nur mit nachdruck von der bühne verscheuchen.

2015-03-14 20.16.50 (1024x573)als ich danach meine blase auf dem wc erleichtere, gesellte sich hellmuth karasek zwei urinale weiter hinzu. eine toilettentüre öffnete sich und ein mann ließ im hinausgehen die bemerkung fallen:
“wenn man sie öfter sieht kennt man dann aber auch ihre witze!”
hellmuth karasek und ich schauten uns beiden fragend an ob wir dass nun wohl richtig gehört hätten.
in den moment des nachdenkens hinein sagte ich: “dass war jetzt aber kein kompliment!”

während des auftritts hatte karasek den witz über die jüdischen rabbiner zum besten gegeben, welche sich seit jahren auf der selben bahnfahrt die immergleichen witze erzählen und sie aus diesem grund durchnummeriert hatten um nur noch die nummern einzuwerfen.
eines tages sitzt ein nun ein fremder mann mit in diesem zugabteil und hört wie sich die rabbis auf diese seltsamer weise zum lachen bringen.
“42”, sagt der eine – die granze truppe lacht.
ein anderer erwidert: “5!”.
“der ist gut” lacht ein anderer setzt hinzu: “63!”.
das geht eine weile, bis der neu eingestiegene den mut findet, auch mitzumischen. “23!” ruft er bei der nächsten pause in die runde.
totenstille. niemand lacht.
da fragt der junge mann irritiert: “was ist? warum war diese zahl nicht witzig?”, worauf ein älterer rabbi im gutmütig erklärt: “witzig schon, aber man muss wissen, ihn zu erzählen.”

und genau darauf bezog sich hellmuth karasek nun und überlegte schmunzeln laut, ob er nicht vielleicht auch in zukunft bei seinen auftritten nur noch die nummern ins publikum rufen sollte.

mittlerweile beim gemeinsamen händewaschen, entgegnete ich dass es wohl immer leute gibt die etwas zu meckern hätten, worauf er mir mit einer frage antwortete.
ob ich den wisse was der unterschied sei, wenn man einem bauer, einem beamten, einem offizier und einem juden einen witz erzählen würde, was ich schon halb lachend verneinte

ein bauer würde dreimal lachen, erklärte er. das erste mal wenn man ihm den witz erzählen würde, das zweite mal, wenn man ihn ihm erklärt und das dritte mal wenn er den witz versteht.
ein beamter lacht – zweimal, wenn man ihm den witz erzählt und das zweite mal wenn man ihm ihn erklärt, verstehen wird es ihn ohnedies nie.
ein offizier lacht nur einmal: wenn man ihm den witz erzählt, den erklären läßt er sich den ihn nicht und verstehen wird es ihn auf keinen fall.
wenn man jedoch einem juden einen witz erzählt, so wird er dich unterbrechen: “ach was der alte witz!”, und erzählt ihn dir besser!

zu einem selfie wollte ich ihn nicht überreden wie ich es den künstler flix bei dessen lesung im rahmen der buchmesse vor zwei jahren gemacht hatte (hier klicken für die ganze geschichte).
wir verabschiedeten uns und ich bedankte mich für den schönen abend.

ein neues leben

solche ersten arbeitstage nach einer längeren urlaubspause sind immer etwas besonders. dass empfinde ich umso intensiver wenn es sich um den start nach einem jahreswechsel handelt.

seit dem ersten tag dieses wiederkehrenden auftrags bei einem bildungsträger in borna bei leipzig ist mir dieser kindergarten aufgefallen. ein grauer bau mit einer breiten treppe welche zu einer flügeltüre führt. über dem eingang steht mit erhabenen versalien “neues leben”. um diese gewichtigen worte turnten kleine bunte spielfiguren.

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während ich heute an diesem “ersten” arbeitstag auf das gebäude zulief beobachtete ich wie ein auto hielt und zwei elternteile einem kleinen mädchen beim aussteigen halfen. das kleine mädchen hielt ihren kleinen stoffbären ganz fest und schien nur widerwillig aussteigen zu wollen.

sie sagte dabei etwas zu ihrem vater, was diesen wohl entgenen seines planes am auto zu warten dazu bewegte das kind und die mutter ebenfalls zu begleiten. während ich an ihnen vorüberging hatten sie auf das mädchen links und rechts an der hand gefaßt und halfen ihr stufe für stufe den eingang zum “neuen leben” hinaufzusteigen.

wie oft sich dass noch in ihrem leben wiederholen würde?
ein neuer tag, ein neues jahr – ein neues leben?

kein jahresrückblick – früher war mehr silvester

nein wirklich! in diesem blogartikel wird es keinen jahresrückblick geben. vielmehr möchte ich der frage nachgehen, was es mit den begriffen “silvester” und “guten rutsch” eigentlich auf sich hat und wie ein ereignis in israel 2009 dazugeführt hat, meine sichtweiße auf den jahreswechsel zu ändern.

“silvester” oder “jahresendtag”?

20120101022104dieser komische begriff “silvester”, was bedeutet der eigentlich?
zum erstenmalwirklich darüber nachgedacht habe ich, 1997 zum jahreswechsel auf dem stuttgarter schloßplatz. damals treffpunkt aller taize-pilger (weltweites christlich-ökomenisches -treffen) die nicht in einer kirche unerschlupf gefunden hatten, als ich in meinem damals mageren aber enthusiastischen englisch erfragen wollte, was es denn für andere bräuche an an silvester gebe. zur hilfe kam mir da ein italiener der dann auch von “san silvestro” anfing. jedoch auf englisch schien das keinen sinn zu machen, da die gruppe engländer eher dachten wir sprächen von einer person mit diesem vornamen.
tatsächlich kommt der begriff silvester von einer person, welche am todestag 31. Dezember 335 begeht: papst silvester I.
ihm wurde lange fäschlicherweiße nachgesagt vom römischen kaiser konstantin das recht geschenkt bekommen zu haben, den noch heute als vatikan bekannten, katholischen-rumpfstaat zu errichten. dennoch konnte er sich ein andenken in der sprache einiger länder als bezeichnung des letzten tag des jahres bewahren ), jedoch ist das wissen darum weitesgehend unbekannt. neben deutschland spricht man noch in italien, frankreich, polen und tschechien von silvester. auch das wort in der kunstsprache esperanto lautet “silvestro”.

“hineinrutschen”

das christliche neujahr wird am ersten advent begangen, während das jüdische neujahr am 1. und 2. des jüdischen montas tischrei (was meistens in den september unseren kalenders fällt) mit dem rosch ha-schana begangen wird.
innerliche genugtung verschafft mir wenn ich mir vorstelle, dass antisemiten (wovon es dieses jahr leider einige zuviel gegeben hat) einen “guten rutsch” wünschen.
wie unglaublich viele begriffe in der der deutschen sprache ist auch diese auspruch “vom guten hineinrutschen” auf einen jüdischen einfluß in der der deutschen sprache zurückzuführen und vom jüdischen neujahrsfest rosch ha-schana abgeleitet worden.
als kind habe ich mir das immer damit erklärt, dass man sich beim ausutschen auf der eisglätte nichts brechen sollte.
ist das gemeinsame jahreswechselfeiern nicht einmal mehr der ausdruck einer globalen gesinnung? religiöse jahreswechsel finden zu einem anderen tag statt, warum da nicht an einem völlig anderen tag noch etwas gemeinsam machen und sich zusammen freuen?

“neujahr an einem septembertag in jerusalem”

eine besonderes erlebniss verbinde ich mit dem jüdischen neujahr im jahre 2009 und ist mir in abgewandelter form ein eigener brauch geworden.
so war ich zu diesem zeitpunkt gerade auf meiner israelreise in jerusalem (meinen reiseblog findet sich unter https://riegeros.wordpress.com/israel-traveling-blog/).
wer schoneinmal das glück gehabt hat diese stadt zu besuchen, der wird sich erinnern, dass es in den verwirrenden gassen, einige möglichkeiten gibt einen wunderbaren blick auf die klagemauer zu erhalten. auf einen dieser plätze gelangte ich an diesem lauen septemberabend. in einem kreis saßen dort vielleicht 15 jugendliche auf dem boden und sangen ein hebräisches lied. ich schlich mich an ihnen vorbei zum balkonartigen vorsprung und blickte in das in mattgelben licht getauchte spektakel vor der klagemauer. dass lied das die kids sangen verband sich auf eine wundervolle weiße mit ihrem angehmen dunklen kehligen klang mit der atmosphäre der uralten mauern dieser stadt, welche den titel ewige stadt vielleicht noch mehr verdient hätte als rom.
nach dem lied sprachen sie in einem nicht zu verkennenden kanadisch eingefärbten u.s.-amerikanisch weiter. sie waren teilnehmer einer religionsschule, welche sie sich in in jerusalem an jeder ecke zu hunderten tummeln.
nicht dass ich dass gefühl gehabt hätte zu stören, aber ich dachte mir es wäre unangebracht länger als notwendig dort zu bleiben. jedoch als ich gerade um die ecke verschwinden wollte, lief einer der jungs mir nach und rief mir auf englisch zu ob ich mich nicht zu ihnen setzen wollte. mein höflicher protest, doch keine umstände machen zu wollen fiel sehr kurz aus, denn natürlich brannte ich darauf teil dieser gruppe zu werden.
nach dem austausch von namen, herkunft und anderer formalitäten begann ein etwa zwanzigjähriger über das rosch ha-schana zu sprechen. es ging darum sich das neue jahr als ein geschenk gottes bewußt zu werden und sich zu überlegen was jeder einzelne mit diesem jahr anzufangen gedenkt um dieses geschenk zu ehren. ich glaube gegen ende dieser etwa fünfzehnminütigen unterweissung, war ich der einzige der aufmerksam zuhörte.

in einer um die religösen aufladung abgespeckten version versuche ich dies seither ebenfalls – da mich die idee sehr beeindruckt hat.
im trubel um weihnachten und der stressigen suche nach einem geeingeten silvesterevent und einer (ebenfalls wichtigen) rückschau auf das vergangene jahr, vergesse ich häufig auf das neue jahr zu blicken.
so versuche ich mich nicht unbedingt nur an die kommenden eckdaten zu denken und darum die termine zu organisieren – sondern mich mit meinen hoffnungen und wünschen an das neue jahr zu wenden – denn nur dann kann ich diese auch einfordern oder umsetzen.

in diesem sinne ein guten rutsch und dass allerbeste für das auf jedenfall außergewöhnlich werdende neue jahr 2015!

küssen geht auch romantisch

s-bahn fahrt zwischen borna und leipzig. drei mädchen ca. 12-14 steigen ein und setzen sich auf einen vierer-platz im gang gegenüber.rätselbild mädchen_ganz (2)

“also wenn er mich jetzt hätte küssen wollen, da hätte ich ihn weggeschubst”
gespanntes warten, der anderen
“weil ich da den mund voll hatte”
lachen
“aber eigentlich hätte ich ihn küssen wollen”
ungläubiges bis angewidertes gesichtverziehen
“und wenn er dann noch dagewesen wäre, dann hätte ich ihn so runter genommen”
(deutet schwitzkasten an)
“und dann hätte ich ihn so und so geküsst”
(beugt sich runter, deutet mit gespitzen lippen küssen an)
großes geschrei

sind sie nicht romantisch, die kleinen?

dickwurzmann vs. halloween

erschrocken fahre ich aus meinem (auch schon mal an einem feiertag aufkommenden 5-uhr-gefühl) auf, als es an der tür klingelt. spiderman und ein scream-maskenträger verlangen von mir süßes oder saures, während der vater mir entschuldigend vom treppenabsatz zulächelt.

leider führe ich aus gewichtsgründen schon seit einiger zeit keine süssigkeiten mehr in meinem vorratsschrank und ich kann mich gerade noch zurückhalten den kindern stattdessen lieber “was gesundes” in form von clementinen oder getrockneten apfelringen in die hand zu drücken – so lange ist dann meine kindheit nicht vorbei, dass ich mich an dieses absolute no-go erinnern würde.
auch verkneife ich mir eine belehrung über die verinnerlichung spätkapitalistischer unsitten und spare mir jede art von vulgär-anitamerikanismus, murmle noch wünsche für ein grusliges halloween und schließe entschuldigen die tür.

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während ich vor meinem “dia de los muertos” wandschmuck stehe, ein mitbringsel von der reise nach mexiko greife ich wie von einem totengeist besessen zu messer und kürbis und schnitze mir einen mr. halloween…

schon seit einigen jahren hatte ich geplant mir ein kürbisgsicht zu schnitzen und damit meine nachbarn zu erfreuen. jahrelang scheiterte dies an der abwesenheit eines balkon. dieses jahr ergab sich zeit und muße und so schuf mich mir letzte woche mit wenigen arbeitsschritten einen, wie ich finde sehr gelungenen beitrag zum vermeintlich “neuen” halloween-brauch.

 

das häufig gesungene lied, des keltischen brauchs welcher über die usa re-importiert wurde, möchte ich schon nach einer oberflächlichen recherche im internet nicht mehr mitsingen.
ich lese dort vom hessischen “dickwurzmann” und seinem thüringischen pedant “rubebötz”, der es wiederum dem “rummelbooze” aus dem saarland gleich tut und eine schnitzerei aus einer futterrübe darstellt, die als laterne herumgetragen wird oder im garten zur freude der mitmenschen aufgestellt wird.
die säschsische “flenntippln” und die aus meiner schwäbischen heimat stammenden “rübengeister”-bräuche (korrekt ausgeschprochen: riabagoaschter) unterscheiden sich von ihrem us-amerikanischen geschwistern nur noch darin, dass sich die herumziehenden kindern nicht verkleidet haben.
ebenso waren damit schon früher sog. “heischebräuche” verbunden, also unter androhung von streichen süßigkeiten “erheischen” wollen.

gleich scheint allen bräuchen die beschäftigung mit erntedank, dem vergehen in der natur (herbst) und der damit verbundenen einhergehenden beschäftigung mit geistern und dem tot (totensonntag) zu sein.
nun ist das moderne halloween, eher weniger von diesen dt. bräuchen abzuleiten sondern wurde wohl tatsächlich von irischen einwanderer ende des 19. jhrdt. mit in die neue welt genommen. inwiefern dieses keltische herkunft nur eine idee der nationalidentität stiftende “irischen renaissance” waren oder auf tatsächlichen verbindungen beruht, wird forscher sicher noch eine weile beschäftigen.
mir gefällt allerdings die vorstellung wie damals um 1900 herum in den vierteln von new york einwanderkinder aus dt. und irland sich gemeinsam in ihrer kreativität bestärkt haben und sich an verkleidung und gestaltung von kürbisen erfreut haben.
und wenn wir schon den modernen verkleidungsbrauch mit bajuwarischen pseudodirndl bei landesweiten “okotberfesten” aushalten, warum dann nicht auch kinderlachen und ein wenig licht im grau des spätherbstes?

in diesem sinne ein schönes halloween!

25 jahre friedliche revolution

drei begriffe werden für das ende der sed-diktatur und dem zusammenbruch der auch als unrechtsstaat bezeichneten ddr verwendet: “wende”; “mauerfall” und “friedliche revolution”.

während in berlin sich erst am 04. november in einer halb-staatlich organisierten demonstation menschen versammelten, sorgten vorallem die bürgerinnen und bürger in städten wie plauen oder leipzig für die wiedervereinigung.
besonders der völlig ohne organisation stattfindender auflauf für freiheit und demokratie am 09. oktober mit ca. 70. bis 80 tausend menschen, bei der die sed-diktatur nicht eingriff, stellte die eigentliche “friedliche revolution” dar.
“wir haben mit allem gerechnet – nur nicht mit kerzen”, soll später ein sed-funktionär gesagt haben.

wie jedes jahr wird in leipzig der jahrestag der friedlichen revolution mit einem lichtfest auf dem platz vor der oper gefeiert. musik oder theaterperfomances. bundestpräsident gauck, der erste präsident der sich der friedlichen revolution wirklich verbunden fühlt, war dieses und letztes jahr bei uns.
etwas ganz besonderes hat sich leipzig dieses jahr ausgedacht. wie damals konnte jeder den weg der demonstrantinnen und demonstranten über den abgesperrten innenstadtring gehen und bei balletperfomance, licht- und soundinstallationen diesen besonderen moment der deutschen gesichte nachempfinden.

meine bilder dazu habe ich in dieser gallerie zusammengestellt:

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professionelle bilder finden sich u.a. hier http://www.lvz-online.de/lichtfest-2013-in-leipzig/r-fotodetail-galerie-27808-1123941.html

einen artikel mit einer 360 grad ansicht findet sich hier: http://www.lvz-online.de/nachrichten/aktuell_themen/lichtfest–leipzig-gedenkt-der-montagsdemos/das-passiert-heute-in-leipzig-live-ticker-zum-lichtfest/r-lichtfest–leipzig-gedenkt-der-montagsdemos-a-257952.html

 

06. atze fährt auf jedenfall mit der bahn

letzte station auf der reise lag, wie auch die erste station in einem gebiet, welches zwar relativ nah an leipzig liegt, ich aber nie geschafft habe zu besuchen: der brocken im harz.
auch für mich als skifahrer wirkt die höhe von rund 1142m recht niedrig, jedoch kam mir die gegend des oberharz mit seinen bäumen und den den brocken umgebenden felsen wie gegenden in den rocky mountains (blog der letzjährigen reise). schon aufgrund seiner lage in einer sonst flachen gegend ist der brocken nicht nur wettertechnisch einzigartig.

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der wunsch nach einem anstrengenden aufstieg auch mit einer tollen sicht belohnt zu werden, erfüllt der touristisch sehr frequentierten berg nicht immer, so brach ich einmal eine reise zum brocken ab, da die webcam ein graues bild zeige und windgeschwindigkeiten von 120km/h angegeben wurden (die höchste gemesene windgeschwindigkeit auf der brockenspitze liegt bei 263km/h. nicht ohne grund wird heinrich heine, der den brocken als den “deutschesten aller deutschen berge” bezeichnete, angedichtet er hätte sich im gipfelbuch mit dem satz vermerkt: “viele steine, müde beine, aussicht keine, heinrich heine”.
doch dieses mal war, wie auf der gesamten caravan europa-tour, wunderschönes wetter und der 17,6 km lange wandertag von schirke wo auch das wohnmobil parkte, war ein grönender abschluss des urlaubs! (für details und wanderkarte hier klicken)

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für eine weitere reise habe ich mir die brockenbahn aufgehoben, ein schmalspurbahn welche sich, zeitweise immer noch mit einer dampflokomitive, seit über hundert jahren den weg unter lautem pfeifen zu deutschlands höchstgelegenen bahnhof erklimmt.

für hexen ist auf dem “blocksberg” außerhalb der walpurigsnacht keine saison,. jedoch war an diesem sonntag niemand alleine auf dem brocken – insbesondere nicht auf dem letzten kilometer wo sich alle naturpfade mit der straße vereinen auf dem sich pferdegespanne, downhiller, segways und andere wanderinnen und wanderer tummeln.

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im gegensatz zum hinaufgekeuchten aufstieg, hatte ich auf dem rückweg muse die gesichter der entgegendkommenden zu studieren. so fiel mir eine frau in tigerleggins mit hund auf, die von ihrem hinter ihr herkeuchenden begleiter angzischt wurde, dass er nicht mit der bahn nach unten fahren würde, worauf sie ebenso kurzatmig antwortete “atze fährt auf jedenfall mit der bahn”.
da sonst niemand mehr dazuzugehören schien, konnte sie nur ihren hund gemeint haben :-)