ein neues leben

solche ersten arbeitstage nach einer längeren urlaubspause sind immer etwas besonders. dass empfinde ich umso intensiver wenn es sich um den start nach einem jahreswechsel handelt.

seit dem ersten tag dieses wiederkehrenden auftrags bei einem bildungsträger in borna bei leipzig ist mir dieser kindergarten aufgefallen. ein grauer bau mit einer breiten treppe welche zu einer flügeltüre führt. über dem eingang steht mit erhabenen versalien “neues leben”. um diese gewichtigen worte turnten kleine bunte spielfiguren.

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während ich heute an diesem “ersten” arbeitstag auf das gebäude zulief beobachtete ich wie ein auto hielt und zwei elternteile einem kleinen mädchen beim aussteigen halfen. das kleine mädchen hielt ihren kleinen stoffbären ganz fest und schien nur widerwillig aussteigen zu wollen.

sie sagte dabei etwas zu ihrem vater, was diesen wohl entgenen seines planes am auto zu warten dazu bewegte das kind und die mutter ebenfalls zu begleiten. während ich an ihnen vorüberging hatten sie auf das mädchen links und rechts an der hand gefaßt und halfen ihr stufe für stufe den eingang zum “neuen leben” hinaufzusteigen.

wie oft sich dass noch in ihrem leben wiederholen würde?
ein neuer tag, ein neues jahr – ein neues leben?

kein jahresrückblick – früher war mehr silvester

nein wirklich! in diesem blogartikel wird es keinen jahresrückblick geben. vielmehr möchte ich der frage nachgehen, was es mit den begriffen “silvester” und “guten rutsch” eigentlich auf sich hat und wie ein ereignis in israel 2009 dazugeführt hat, meine sichtweiße auf den jahreswechsel zu ändern.

“silvester” oder “jahresendtag”?

20120101022104dieser komische begriff “silvester”, was bedeutet der eigentlich?
zum erstenmalwirklich darüber nachgedacht habe ich, 1997 zum jahreswechsel auf dem stuttgarter schloßplatz. damals treffpunkt aller taize-pilger (weltweites christlich-ökomenisches -treffen) die nicht in einer kirche unerschlupf gefunden hatten, als ich in meinem damals mageren aber enthusiastischen englisch erfragen wollte, was es denn für andere bräuche an an silvester gebe. zur hilfe kam mir da ein italiener der dann auch von “san silvestro” anfing. jedoch auf englisch schien das keinen sinn zu machen, da die gruppe engländer eher dachten wir sprächen von einer person mit diesem vornamen.
tatsächlich kommt der begriff silvester von einer person, welche am todestag 31. Dezember 335 begeht: papst silvester I.
ihm wurde lange fäschlicherweiße nachgesagt vom römischen kaiser konstantin das recht geschenkt bekommen zu haben, den noch heute als vatikan bekannten, katholischen-rumpfstaat zu errichten. dennoch konnte er sich ein andenken in der sprache einiger länder als bezeichnung des letzten tag des jahres bewahren ), jedoch ist das wissen darum weitesgehend unbekannt. neben deutschland spricht man noch in italien, frankreich, polen und tschechien von silvester. auch das wort in der kunstsprache esperanto lautet “silvestro”.

“hineinrutschen”

das christliche neujahr wird am ersten advent begangen, während das jüdische neujahr am 1. und 2. des jüdischen montas tischrei (was meistens in den september unseren kalenders fällt) mit dem rosch ha-schana begangen wird.
innerliche genugtung verschafft mir wenn ich mir vorstelle, dass antisemiten (wovon es dieses jahr leider einige zuviel gegeben hat) einen “guten rutsch” wünschen.
wie unglaublich viele begriffe in der der deutschen sprache ist auch diese auspruch “vom guten hineinrutschen” auf einen jüdischen einfluß in der der deutschen sprache zurückzuführen und vom jüdischen neujahrsfest rosch ha-schana abgeleitet worden.
als kind habe ich mir das immer damit erklärt, dass man sich beim ausutschen auf der eisglätte nichts brechen sollte.
ist das gemeinsame jahreswechselfeiern nicht einmal mehr der ausdruck einer globalen gesinnung? religiöse jahreswechsel finden zu einem anderen tag statt, warum da nicht an einem völlig anderen tag noch etwas gemeinsam machen und sich zusammen freuen?

“neujahr an einem septembertag in jerusalem”

eine besonderes erlebniss verbinde ich mit dem jüdischen neujahr im jahre 2009 und ist mir in abgewandelter form ein eigener brauch geworden.
so war ich zu diesem zeitpunkt gerade auf meiner israelreise in jerusalem (meinen reiseblog findet sich unter https://riegeros.wordpress.com/israel-traveling-blog/).
wer schoneinmal das glück gehabt hat diese stadt zu besuchen, der wird sich erinnern, dass es in den verwirrenden gassen, einige möglichkeiten gibt einen wunderbaren blick auf die klagemauer zu erhalten. auf einen dieser plätze gelangte ich an diesem lauen septemberabend. in einem kreis saßen dort vielleicht 15 jugendliche auf dem boden und sangen ein hebräisches lied. ich schlich mich an ihnen vorbei zum balkonartigen vorsprung und blickte in das in mattgelben licht getauchte spektakel vor der klagemauer. dass lied das die kids sangen verband sich auf eine wundervolle weiße mit ihrem angehmen dunklen kehligen klang mit der atmosphäre der uralten mauern dieser stadt, welche den titel ewige stadt vielleicht noch mehr verdient hätte als rom.
nach dem lied sprachen sie in einem nicht zu verkennenden kanadisch eingefärbten u.s.-amerikanisch weiter. sie waren teilnehmer einer religionsschule, welche sie sich in in jerusalem an jeder ecke zu hunderten tummeln.
nicht dass ich dass gefühl gehabt hätte zu stören, aber ich dachte mir es wäre unangebracht länger als notwendig dort zu bleiben. jedoch als ich gerade um die ecke verschwinden wollte, lief einer der jungs mir nach und rief mir auf englisch zu ob ich mich nicht zu ihnen setzen wollte. mein höflicher protest, doch keine umstände machen zu wollen fiel sehr kurz aus, denn natürlich brannte ich darauf teil dieser gruppe zu werden.
nach dem austausch von namen, herkunft und anderer formalitäten begann ein etwa zwanzigjähriger über das rosch ha-schana zu sprechen. es ging darum sich das neue jahr als ein geschenk gottes bewußt zu werden und sich zu überlegen was jeder einzelne mit diesem jahr anzufangen gedenkt um dieses geschenk zu ehren. ich glaube gegen ende dieser etwa fünfzehnminütigen unterweissung, war ich der einzige der aufmerksam zuhörte.

in einer um die religösen aufladung abgespeckten version versuche ich dies seither ebenfalls – da mich die idee sehr beeindruckt hat.
im trubel um weihnachten und der stressigen suche nach einem geeingeten silvesterevent und einer (ebenfalls wichtigen) rückschau auf das vergangene jahr, vergesse ich häufig auf das neue jahr zu blicken.
so versuche ich mich nicht unbedingt nur an die kommenden eckdaten zu denken und darum die termine zu organisieren – sondern mich mit meinen hoffnungen und wünschen an das neue jahr zu wenden – denn nur dann kann ich diese auch einfordern oder umsetzen.

in diesem sinne ein guten rutsch und dass allerbeste für das auf jedenfall außergewöhnlich werdende neue jahr 2015!

küssen geht auch romantisch

s-bahn fahrt zwischen borna und leipzig. drei mädchen ca. 12-14 steigen ein und setzen sich auf einen vierer-platz im gang gegenüber.rätselbild mädchen_ganz (2)

“also wenn er mich jetzt hätte küssen wollen, da hätte ich ihn weggeschubst”
gespanntes warten, der anderen
“weil ich da den mund voll hatte”
lachen
“aber eigentlich hätte ich ihn küssen wollen”
ungläubiges bis angewidertes gesichtverziehen
“und wenn er dann noch dagewesen wäre, dann hätte ich ihn so runter genommen”
(deutet schwitzkasten an)
“und dann hätte ich ihn so und so geküsst”
(beugt sich runter, deutet mit gespitzen lippen küssen an)
großes geschrei

sind sie nicht romantisch, die kleinen?

dickwurzmann vs. halloween

erschrocken fahre ich aus meinem (auch schon mal an einem feiertag aufkommenden 5-uhr-gefühl) auf, als es an der tür klingelt. spiderman und ein scream-maskenträger verlangen von mir süßes oder saures, während der vater mir entschuldigend vom treppenabsatz zulächelt.

leider führe ich aus gewichtsgründen schon seit einiger zeit keine süssigkeiten mehr in meinem vorratsschrank und ich kann mich gerade noch zurückhalten den kindern stattdessen lieber “was gesundes” in form von clementinen oder getrockneten apfelringen in die hand zu drücken – so lange ist dann meine kindheit nicht vorbei, dass ich mich an dieses absolute no-go erinnern würde.
auch verkneife ich mir eine belehrung über die verinnerlichung spätkapitalistischer unsitten und spare mir jede art von vulgär-anitamerikanismus, murmle noch wünsche für ein grusliges halloween und schließe entschuldigen die tür.

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während ich vor meinem “dia de los muertos” wandschmuck stehe, ein mitbringsel von der reise nach mexiko greife ich wie von einem totengeist besessen zu messer und kürbis und schnitze mir einen mr. halloween…

schon seit einigen jahren hatte ich geplant mir ein kürbisgsicht zu schnitzen und damit meine nachbarn zu erfreuen. jahrelang scheiterte dies an der abwesenheit eines balkon. dieses jahr ergab sich zeit und muße und so schuf mich mir letzte woche mit wenigen arbeitsschritten einen, wie ich finde sehr gelungenen beitrag zum vermeintlich “neuen” halloween-brauch.

 

das häufig gesungene lied, des keltischen brauchs welcher über die usa re-importiert wurde, möchte ich schon nach einer oberflächlichen recherche im internet nicht mehr mitsingen.
ich lese dort vom hessischen “dickwurzmann” und seinem thüringischen pedant “rubebötz”, der es wiederum dem “rummelbooze” aus dem saarland gleich tut und eine schnitzerei aus einer futterrübe darstellt, die als laterne herumgetragen wird oder im garten zur freude der mitmenschen aufgestellt wird.
die säschsische “flenntippln” und die aus meiner schwäbischen heimat stammenden “rübengeister”-bräuche (korrekt ausgeschprochen: riabagoaschter) unterscheiden sich von ihrem us-amerikanischen geschwistern nur noch darin, dass sich die herumziehenden kindern nicht verkleidet haben.
ebenso waren damit schon früher sog. “heischebräuche” verbunden, also unter androhung von streichen süßigkeiten “erheischen” wollen.

gleich scheint allen bräuchen die beschäftigung mit erntedank, dem vergehen in der natur (herbst) und der damit verbundenen einhergehenden beschäftigung mit geistern und dem tot (totensonntag) zu sein.
nun ist das moderne halloween, eher weniger von diesen dt. bräuchen abzuleiten sondern wurde wohl tatsächlich von irischen einwanderer ende des 19. jhrdt. mit in die neue welt genommen. inwiefern dieses keltische herkunft nur eine idee der nationalidentität stiftende “irischen renaissance” waren oder auf tatsächlichen verbindungen beruht, wird forscher sicher noch eine weile beschäftigen.
mir gefällt allerdings die vorstellung wie damals um 1900 herum in den vierteln von new york einwanderkinder aus dt. und irland sich gemeinsam in ihrer kreativität bestärkt haben und sich an verkleidung und gestaltung von kürbisen erfreut haben.
und wenn wir schon den modernen verkleidungsbrauch mit bajuwarischen pseudodirndl bei landesweiten “okotberfesten” aushalten, warum dann nicht auch kinderlachen und ein wenig licht im grau des spätherbstes?

in diesem sinne ein schönes halloween!

25 jahre friedliche revolution

drei begriffe werden für das ende der sed-diktatur und dem zusammenbruch der auch als unrechtsstaat bezeichneten ddr verwendet: “wende”; “mauerfall” und “friedliche revolution”.

während in berlin sich erst am 04. november in einer halb-staatlich organisierten demonstation menschen versammelten, sorgten vorallem die bürgerinnen und bürger in städten wie plauen oder leipzig für die wiedervereinigung.
besonders der völlig ohne organisation stattfindender auflauf für freiheit und demokratie am 09. oktober mit ca. 70. bis 80 tausend menschen, bei der die sed-diktatur nicht eingriff, stellte die eigentliche “friedliche revolution” dar.
“wir haben mit allem gerechnet – nur nicht mit kerzen”, soll später ein sed-funktionär gesagt haben.

wie jedes jahr wird in leipzig der jahrestag der friedlichen revolution mit einem lichtfest auf dem platz vor der oper gefeiert. musik oder theaterperfomances. bundestpräsident gauck, der erste präsident der sich der friedlichen revolution wirklich verbunden fühlt, war dieses und letztes jahr bei uns.
etwas ganz besonderes hat sich leipzig dieses jahr ausgedacht. wie damals konnte jeder den weg der demonstrantinnen und demonstranten über den abgesperrten innenstadtring gehen und bei balletperfomance, licht- und soundinstallationen diesen besonderen moment der deutschen gesichte nachempfinden.

meine bilder dazu habe ich in dieser gallerie zusammengestellt:

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professionelle bilder finden sich u.a. hier http://www.lvz-online.de/lichtfest-2013-in-leipzig/r-fotodetail-galerie-27808-1123941.html

einen artikel mit einer 360 grad ansicht findet sich hier: http://www.lvz-online.de/nachrichten/aktuell_themen/lichtfest–leipzig-gedenkt-der-montagsdemos/das-passiert-heute-in-leipzig-live-ticker-zum-lichtfest/r-lichtfest–leipzig-gedenkt-der-montagsdemos-a-257952.html

 

06. atze fährt auf jedenfall mit der bahn

letzte station auf der reise lag, wie auch die erste station in einem gebiet, welches zwar relativ nah an leipzig liegt, ich aber nie geschafft habe zu besuchen: der brocken im harz.
auch für mich als skifahrer wirkt die höhe von rund 1142m recht niedrig, jedoch kam mir die gegend des oberharz mit seinen bäumen und den den brocken umgebenden felsen wie gegenden in den rocky mountains (blog der letzjährigen reise). schon aufgrund seiner lage in einer sonst flachen gegend ist der brocken nicht nur wettertechnisch einzigartig.

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der wunsch nach einem anstrengenden aufstieg auch mit einer tollen sicht belohnt zu werden, erfüllt der touristisch sehr frequentierten berg nicht immer, so brach ich einmal eine reise zum brocken ab, da die webcam ein graues bild zeige und windgeschwindigkeiten von 120km/h angegeben wurden (die höchste gemesene windgeschwindigkeit auf der brockenspitze liegt bei 263km/h. nicht ohne grund wird heinrich heine, der den brocken als den “deutschesten aller deutschen berge” bezeichnete, angedichtet er hätte sich im gipfelbuch mit dem satz vermerkt: “viele steine, müde beine, aussicht keine, heinrich heine”.
doch dieses mal war, wie auf der gesamten caravan europa-tour, wunderschönes wetter und der 17,6 km lange wandertag von schirke wo auch das wohnmobil parkte, war ein grönender abschluss des urlaubs! (für details und wanderkarte hier klicken)

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für eine weitere reise habe ich mir die brockenbahn aufgehoben, ein schmalspurbahn welche sich, zeitweise immer noch mit einer dampflokomitive, seit über hundert jahren den weg unter lautem pfeifen zu deutschlands höchstgelegenen bahnhof erklimmt.

für hexen ist auf dem “blocksberg” außerhalb der walpurigsnacht keine saison,. jedoch war an diesem sonntag niemand alleine auf dem brocken – insbesondere nicht auf dem letzten kilometer wo sich alle naturpfade mit der straße vereinen auf dem sich pferdegespanne, downhiller, segways und andere wanderinnen und wanderer tummeln.

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im gegensatz zum hinaufgekeuchten aufstieg, hatte ich auf dem rückweg muse die gesichter der entgegendkommenden zu studieren. so fiel mir eine frau in tigerleggins mit hund auf, die von ihrem hinter ihr herkeuchenden begleiter angzischt wurde, dass er nicht mit der bahn nach unten fahren würde, worauf sie ebenso kurzatmig antwortete “atze fährt auf jedenfall mit der bahn”.
da sonst niemand mehr dazuzugehören schien, konnte sie nur ihren hund gemeint haben :-)

05. redehäuser und die deutsche sprache

nach der ersten woche der caravantour mit häufigen ortswechseln und vielen interessanten eindrücken und wertvollen begegnungen begann, mit der ankuft in zeeland, der zweite und gemütlichere teil der reise.

die niederländische provinz zeeland liegt in der nähe von antwerpen und rotterdam umfaßt einen teil landmasse, inseln und halbinseln und war namensgeber für die heute als new zealand bekannten inselgruppe. zeeland gehörte neben holland und fünf anderen provinzen zur “vereinigten niederlande”, dem vorläufer des heutigen staats und gibt damit recht leicht antwort auf einer der zwei fragen, welche ich mir jedes mal am anfang einer reise in die niederlande stelle, holland oder niederlande? 2014-09-25 12.27.32

nach einer langen fahrt über deiche und schmalen landstraßen fand das wohnmobil schließlich auf einem in google als campingplatz angeführten ressort für mehr oder weniger befestigte wohnwägen seinen stellplatz. dabei handelte es sich nicht, wie ich es bisher kannte aus aufgebockten wohnwägen mit vordach und gartenzaun. in dieser anlage waren die wägen richtig mit holz, metall und auch stein eingebaut und erinnerten nur noch entfernt an wirkliche wohnwägen. das ressort hielt nur einen kleinen kiesparkplatz mit strom und wasseranschluss für wohnmobile vor und wirkte auf mich eher wie eine alibi; evtl um den status eines campingplatzes zu behalten. dafür warjedoch die stellplatzgebühr so unverschämt billig, dass ich dies gar nicht bloggen möchte und die wirtsleute und nachbarn so herzlich und hilfsbereit, dass dies perfekte ort zur entspannung und “urlaub” wurde. 2014-09-26 17.28.06

das maritime, schon leicht herbstliche klima mit regenperioden, ließ genügend zeit für lesen, strandspaziergänge, radtouren und drachen steigen lassen.
bei den inselerkundungen fiel mir kleine hölzerne hütten an den ortsrändern der kleinen inseldörfer auf, die typsich niederländisch rundum mit fenster voll einsehbar waren und sich stühle oder sitzbänke darin befanden. da ich keine schilder, öffnungszeiten oder ähnliches daran fand, schloß ich die bildungs-bürger-variante mit einem kunstprojekt aus.
als ich mich bei der wirtin erkundigte, erklärte sie mir es seien “redehäuser” für alte männer. diese haben somit eine möglichkeit nach der pensionerung sich zu treffen und sich zu unterhalten.
das sprach mich als sozialarbeiter, der seine diplomarbeit über das thema “alterseinsamkeit” durchgeführt hat, besonders an. einen ort zur sozialen kontaktpflege abseits von (alkoholorientierter) kostenpflichtiger gastronomie und jenseits einer religiösen oder politischen vereinigung (gemeindesaal oder gewerkschaftshaus) – grandios!

(für details und karte der fahrradtour hier klicken)

wie schnell darf ich auf die verwendung der dt. sprache hoffen? ist die zweite frage, die mich bewegte. mit der campingplatzbesitzerin hatte ich im ersten moment englisch gesprochen, worauf diese mir in den ersten sätzen auch auf englisch geantwortet hatte. so wie ich ihren niederländischen akzent erkannte mußte sie auch meinen dt. akzent erkannt haben und sprach mich recht schnell auf deutsch an. sie fragte mich auch gleich frei heraus warum ich den nicht dt. mit ihr sprechen würde. ich antworte darauf, dass ich es für angebracht gehalten habe nicht gleich zu erwarten, dass in einem fremden land meine sprache gesprochen werden würde – was diese so stehen ließ.

in einem gespräch mit dem nachbarn erfuhr ich, dass sie sehr gern dt. sprechen würde, aber inzwischen weniger gelegenheiten dazu hätte. mehrheitlich hatte ich in meinem kontakt mit niederländerinnen und niederländer englisch gesprochen, da konversationen darin entweder besser oder einfach flüssiger möglich waren. wie schon in einigen ländern beobachtet, scheint es die ältere generation zu sein, die in einer anderen fremdsprache als englisch geschult wurde. während die vertreter meiner oder der nachfolgenden generationen sich nur noch auf englisch fixiert hat.

interkulturell korrekt wäre es wohl von mir gewesen, in holländisch zu fragen, welche sprache gesprochen werden sollte. aber im tourismus ist es denke ich ganz in ordnung wenn man sich des englischen sofort bedient.

04. hauptsache ‘ne gans

luxemburg zu besuchen war schon lange ein traum meinerseits. zum einen finde ich kleine staaten im allgemeinen von jeher interessant und luxemburg im besonderen, da ich es als das kernland des vereinigten europas ansehe. ohne mich genau im detail zu verlieren möchte ich mich als verfechter und verehrer der europäischen idee und seiner verwirklichung der europäischen union bezeichnen.
im vor fast genau fünf jahren habe ich auf meiner reise nach israel (https://riegeros.wordpress.com/israel-traveling-blog/) den luxemburger blogger christian (http://lforliberty.wordpress.com/) kennengelernt.
durch facebook und bloggen sind wir in (meinungs-)austausch geblieben. nun bot es sich auf der “caravan europa”-tour das angebot einer stadtführung wahrzunehmen.
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eine mich ansprechende stadtführung zu machen ist nicht sehr leicht. da ich selbst gerne wissen vermittle UND unterhalte, lege ich zum einen hohen maßstab an und bin zum anderen überzeugt einen schlechten von einem guten stadführerIn zu unterscheiden. ich bin gelangweilt von auswendig gelernten geschichtszahlen, genervt von vermeintlich lustigen anekdoten, die entweder frauenverachtend oder alkohlbezogen sind und damit enden dass die mehrheit aus höflichkeit lacht oder weil man nicht als jemand gelten will der “keinen spaß versteht”. von tourguids bin ich enttäuscht wenn ich hinterher keinen wissenszuwachs empfinde und werde schlichtweg ungehalten wenn rückfragen nicht erwünscht sind.
christian schaffte es eine führung durch die ober- und unterstädte von luxemburg-stadt zusammenzustellen, die sowohl interessant, anregend als auch unterhaltend war. er verstand es den rundgang chronologisch zur entstehung des jungen luxemburg aufzubauen und in den kontext der heruasbildung der beneluxstaaten zu setzten und würzte den rundgang u.a. mit unerhaltsamen aus der tagespolitik wovon ich gerne die schlüpfrigste weitergeben möchte.
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so ist die tatsächliche nationalflagge luxemburgs von den farben der des niederländischen staates sehr ähnlich. rot, weiß, mit einem helleren (böse zungen würden behaupten ausgewascheneren) blau. bekannt ist allerdings die weißblau gestereifte mit dem roten löwen. 2006 gab es eine auseinandersetzung über die abänderung der fahne: trikolore oder löwe. dieser streit ist unsinnig? dass dachte sich ebenfalls eine fraktion und machte sich den spruch “hauptsache ‘ne gans” zu eigen.  eine aussage eines gänseliebhabers, auf die frage ob er auch andere tiere möge. interessant wird dies allerdings erst wenn man/frau erfährt, dass dies im regionalen sprachgebrauch ein synonym für “eregiertes glied” ist. vielleicht sollte öfter so eindeutig auf unsinige debatten reagiert werden.
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die alte festungsstruktur der stadt ist an vielen orten der in den hangebauten stadt noch zu erkennen und vermittelt nicht den eindruck einer stadt in der der europäische gedanke eines progressiven miteinander verwirklicht ist. sehr sympathisch ist dabei, dass in dieser stadt nicht keine hektik zu spüren ist.
auch der faktor des “sich-gegenseitig-ausweichens” auf der straße, nach der ich die freundlichkeit einer stadt beurteile, ist in luxemburg sehr hoch.

abgeschlossen wurde der tag mit einer übernachtung in der einfahrt von christians eltern in esch-sur-alzette, der zweitgrößten stadt luxemburg.

an dieser stelle nocheinmal ein herzliches dankeschön für diesen unvergesslichen, lehrreichen und schönen tag und für die möglichkeit dieser einzigartigen übernachtungsmöglichkeit an christian!

03. wie gott in frankreich

zu gast bei meinem freund damien in nancy habe ich ein kapitel öffnen können, welches mir bisher verschlossen geblieben war, der genuss oder überhaupt die kenntniss von französischem essen.
meine reiseerfahrungen frankreich betreffend sind bisher eher bescheiden, ein kurzer besuch in avignon, strassbourg und paris im rahmen meiner interrail-tour vor 14 jahren und ein kurzer trip nach nizza im november 2011, vielleicht auch deswegen nicht verwunderlich.
besuche in französischen restaurants scheiterten dabei schlichtweg an meinen sprachkenntnissen und am budget. diese einschränkungen werden zwar bestehen bleiben aber nun weiß ich besser was ich verpasse :-)

von karlsruhe ging die reise weiter durch die vogesen nach nancy. nachdem das wohnmobil geparkt war und einer der ersten wege in ein winzigen weinladen führte, konnte ich mir schon ungefähr denken, wie gut es mir an diesem abend gehen würde.

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jakobsmuscheln in knoblauchöl mit schwarzem hawaiianischem salz und pfeffer als entree.
zum hauptgang wurde ente mit trauben, kräuter-schwenkkartoffeln und kürbis kredenzt und der abschluss bildete löwenzahnsalat mit speck in sahnedressing, dazu warmer ziegenkäse auf bauernbrot. dazu verschwanden drei verschiedene weine die ebenfalls besser waren als alle, die ich zuvor getrunken hatte.

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zum ersten mal in meinem leben verstand ich was mit dem ausspruch “essen/leben wie gott (bzw. das übergeordnete wesen monotheistischer religionen welches von gläubigen verehrt wird) in frankreich”, gemeint ist.
nicht nur den genuss der einzelnen spezialitäten empfand ich als außergewöhnlich schmackhaft und lecker. mich beeindruckte die sorgfalt mit der damiens freund gekocht hatte und mit denen die beiden die zutaten ausgewählt und gekauft hatten, enorm.

ich gestehe dass die zeit in der ich viel elan in das erlernen neuer rezepte und der zeitintensiven zubereitungen von mahlzeiten für mich oder für freunde eine besonderheit ist, welche ich in den letzten vier jahre, seit ende meines studiums, an einer hand abzählen kann.
ebenso nimmt essen nur selten für mich mehr als die gedanken “schnell”, “lecker” und “nicht zu teuer” ein. auf die nachfrage nach spezialitäten aus meiner region musste ich mich sehr anstrengend um nicht auf allgemeinplätze auszuweichen.

der wille geld, zeit und bewusstsein in essen zu investieren scheint in frankreich ein deutlich anderer zu sein, dass habe ich jetzt gelernt. themen wie glutenfrei, vegan oder bio scheinen in frankreich, im gegensatz zu deutschland nichts über die echte essens- und genussqualität auszusagen. ein interessanter gedanke, den ich mit nach hause nehme.

aber nicht nur gut essen sondern auch gut tanzen kann man im schönen städtchen nancy.

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