musikalische erinnerungsfetzten 10 – die message für heute abend lautet: feierei!
19/05/2013 Hinterlasse einen Kommentar
zwar gab es diesesn berühmten ausspruch von sven väth erst fünf jahre später auf dem indoor-rave “timewarp” in mannheim, aber er galt genauso für diese nacht am vor 12 jahren
ein riesiges messegelände, 50 djs und 15 stunden party und eine masse von schwitzenden, tanzenden und feiernden leuten.
es war eine dieser nächte wo ich mich hinterher immer gefragt habe, warum ging das eigentlich so schnell vorbei und warum habe ich mir soviele gedanken im vorfeld gemacht?
und wieviele leute wissen gar nicht was sie verpaßt haben wenn sie sich nicht trauen etwas alleine zu machen? so wäre es mir fast auch mit diesem event gegangen.
zu dieser zeit war ich noch recht neu in der elektronischen tanzmusikszene und hatte außer diversen loveparades und der nature one (erinnerungsfetzten dazu folgt im august) noch wenige der richtig großen veranstaltungen miterlebt. gerade für diese timewarp hatten sich djs angekündigt wie carl cox und sven väth von denen ich in meiner anfangszeit nicht genug bekommen konnte. klar war und ist die mayday die größte indoorveranstaltung, aber dafür nach dortmund zu fahren? warum nicht nach mannheim, welches nur anderthalb stunden zugfahrt von stuttgart (wo ich damals noch lebte) entfernt lag?
frühzeitig fing ich an bei freunden und bekannten herumzufragen ob diese nicht lust hätten mitzukommen. aber wie es nicht selten verhält, gab es welche die kein geld hatten oder die dortigen djs zu “kommerziel” oder zu “mainstream” fanden.
natürlich gab es auch die, welche ihre zusage davon abhägig machten ob diese oder jene person zusagen würde . andere wollten erstmal sehen, was noch so an diesem abend los sei und gäbe mir noch bescheid, eigentlich ein anders wort für dass als “silvester-syndrom” bekannte phänomen. [eine mischung aus sich nicht festlegen wollen oder sich um eine direkte absage drücken (ein typischer dialog: http://riegeros.wordpress.com/2011/01/07/the-same-prodcedure-than-every-year/).
sicherlich gab es auch andere welche vor der entfernung zurückschreckten oder denen die "timewarp" schlichtweg eine nummer zu groß im sinne von zu lang und zu anstrengend aussah. zugegeben letztere gedanken hatte ich auch und diese bedenken wurden nicht weniger als es sich am abend vorher abzeichnete, dass keiner mitkommen würde. vielleicht kennt diese situation der eine oder andere , dass wenn man ersteinmal beginnt sich gedanken zu machen diese sehr schnell umfangreicher und ausufernd werden und nach einer zeit des nachdenkens ende scheint es völlig klar zu sein wie eine situation ausgehen wird, schließlich hat man sich doch alle eventualitäten schon dazu aus- und druchdacht, dass man zu dem schluß kommen könnte, es doch am besten nicht zu machen. diese gedanken beendete ich am samstagmorgen damit, dass ich in den laden lief und mir eine eintrittskarte kaufte!
ab dem nachmittag beschäftigte ich mich dann ausführlich damit was ich noch mitnehmen sollte und ob ich am bahnhof oder an der garderobe klamotten zum wechseln deponieren solle. ob ich nicht noch ein paar schnitten mitnehmen sollte oder ob zwei wasserflaschen nicht zu schwer werden würden. spätestens als ich den regionalzug nach mannheim stieg und die abteile voll mit leuten waren welche sich durch kleidung und styling eindeutig zuordnen ließen.
heute hätte vermutlich jeder musik durch smartphone und mp3-player beisteuern können, anfang der nuller jahre mußte man auch wenige enthusiasten hoffen, die sich mit einem “ghettoblaster” auf den weg machten und diesesn bis der zweite satz batterien verbraucht war wummern ließen.
damals schon mit unterstützung des internets hatte ich mir die lage und die verbindung ausgeschaut. und so bot es sich an, nach dem hauptbahnhof noch eine haltestelle ins industriegebiet weiterzufahren, da dieser näher an den messehallen lag – zumindest sah dass auf den plänen so aus. allerdings standen noch nicht die segnungen von google maps zur verfügung und so hatt ich die eingzeichneten straßen nicht als unüberwindlichen autobahnzubringer einorden können. und da stand ich nun samstagabends um 10h im verlassensten winkel von mannheims industriegebiet und wollte doch nur auf eine party.
irgendwie schaffte ich es eine bushaltestelle zu finden an der jede stunde noch ein bus vorbeikam. ich war auch nicht der einzige der sich dieses abenteuer leistete, bis der bus dann um die ecke rollte, waren wir schon auf eine handvoll leute angewachsen, die “irgendwie eine abkürzung” hatten nehmen wollen.
der bus fuhr eine kleine schleife und brachte uns über den autobahnzubringen direkt zu den messehallen. der fahrer konnte sich nicht seinen kommentar verkneifen, dass es doch extra einen shuttlebus vom bahnhof geben würde…
auch wenn die schlange recht lang aussah vollzog ich die untersuchungen und das aussortieren von flaschen und spraydosen am eingang recht schnell. ebenfalls mußte man (heute undenkbar) fotoapperate abgeben, was zu der einen oder anderen hitzigen szene am eingang führte. dieses erlebnis brachte mich dazu mir für meinen fotoapperat beim festivalbesuch im sommer des jahres 2001 einen besonderes versteck am körper auszudenken (aber dazu mehr in einem folgenden erinnerungsfetzen).
endlich drin! eine verwirrende ansammlung von turnhallen bis fussballfeldgroßen hallen voller menschen! riesige leinwände und laut!
wohin zuerst? erst was zu trinken oder erstmal pinkeln? in welcher halle bin ich gerade, wer legt auf? wohin als nächstes? bleib ich jetzt hier oder verpasse ich was auf dem anderen floor?
mit diesen fragen und entscheidungen verbrachte ich die nacht und zur erinnerung für diejenigen für die es sich jetzt nicht so anhört: ich hatte einen riesigen spaß! meistens wenn ich nicht rechtzeitig zum dj xy auf dem blablabla-floor war oder wenn ich, wie dass bei der labyrinthischen anordnung der hallen einige male in dieser nacht vorkam, wo ganz woanders landete als ich es vorgehabt hatte.
dass ich alleine unterwegs war, machte mich mobil und entscheidungsfreudig und ich fand an jeder ecke gesprächspartnerInnen, die entweder ihre “gruppe” verloren hatten, diese suchten oder froh waren, dass sie sich absetzen konnten. oder ich wurde kurzerhand in die gruppe integriert und ich mußte mich schon fast zwingen doch mal wieder tanzen zu gehen. oder ich fand nach dem bier holen nicht mehr zurück weil ich wieder bei anderen mitravern hängen geblieben ist.
manchmal klingen solche geschichten unglaubwürdig, aber darauf kann ich nur sagen, dass der “laber-faktor” auf partys elektronischer tanzmusik einfach enorm hoch ist, höher als bei manch anderen musikszenen die ich kennengelernt habe.
besonders sind mit in erinnerung geblieben ist mir dj hell in einem winzigen floor wo er auf augenhöhe mit den tanzenden auflegte oder dj dag der eigenen floor die gesamten 10 stunden alleine bespielte. unvergesslich auch die sets von carl cox und sven väth welche nacheinander auflegten und den größten floor zum kochen brachten. am bemerkenswertesten war, dass sich die tanzrichtung – welche bei elektronischer musik selten auf die bühne gerichtet sein muss – bei sven “papa” väth tatsächlich änderte!
während ich mir immer einen platz an einer säule im hinteren teil such, wo ich auf genügend platz zum tanzen habe versuchte ich an diesem abend mal einen genaueren blick auf den meister zu werfen und so wurde ich augenzeuge seiner grandiosen show für die er sich an diesem abend unterstützung aus einer atemmaske holte.
dass er hier sechs jahre in die herliche stimmung hinein die passenden und legendären worte “die message für heute abend lautet: gudde laune” (nachzuhören auf http://www.theshrine.de/) sprechen sollte kann ich sehr gut nachvollziehen. zwar sollte er am besten wissen, dass ein dj während eines sets am besten die klappe halten sollte aber damit plapperte er sich auch verbal in die analen der elektronischen tanzmusik-geschichte was selbst der faz einen artikel wert war.
als ich am nächsten morgen in das morgendliche sonnenlicht stolperte und mir meine frühstücksbratwurst mit kaffe auf dem openair-floor schmecken liess traf ich nicht nur einige der leute wieder, welche ich an diesem abend kennengelernt hatte sondern fand auch noch einen 50,- dm-schein welchen ich noch in einem weiteren fach meiner gürteltasche versteckt hatte und im laufe der nacht verloren geglaubt hatte…
was für ein wundervoller warmer aprilsonntag und ein wunderbarer startschuss in den (musikalischen) sommer rein!
erzählt in den nächsten musikalischen erinnerungsfetzen…



















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