05. redehäuser und die deutsche sprache

nach der ersten woche der caravantour mit häufigen ortswechseln und vielen interessanten eindrücken und wertvollen begegnungen begann, mit der ankuft in zeeland, der zweite und gemütlichere teil der reise.

die niederländische provinz zeeland liegt in der nähe von antwerpen und rotterdam umfaßt einen teil landmasse, inseln und halbinseln und war namensgeber für die heute als new zealand bekannten inselgruppe. zeeland gehörte neben holland und fünf anderen provinzen zur “vereinigten niederlande”, dem vorläufer des heutigen staats und gibt damit recht leicht antwort auf einer der zwei fragen, welche ich mir jedes mal am anfang einer reise in die niederlande stelle, holland oder niederlande? 2014-09-25 12.27.32

nach einer langen fahrt über deiche und schmalen landstraßen fand das wohnmobil schließlich auf einem in google als campingplatz angeführten ressort für mehr oder weniger befestigte wohnwägen seinen stellplatz. dabei handelte es sich nicht, wie ich es bisher kannte aus aufgebockten wohnwägen mit vordach und gartenzaun. in dieser anlage waren die wägen richtig mit holz, metall und auch stein eingebaut und erinnerten nur noch entfernt an wirkliche wohnwägen. das ressort hielt nur einen kleinen kiesparkplatz mit strom und wasseranschluss für wohnmobile vor und wirkte auf mich eher wie eine alibi; evtl um den status eines campingplatzes zu behalten. dafür warjedoch die stellplatzgebühr so unverschämt billig, dass ich dies gar nicht bloggen möchte und die wirtsleute und nachbarn so herzlich und hilfsbereit, dass dies perfekte ort zur entspannung und “urlaub” wurde. 2014-09-26 17.28.06

das maritime, schon leicht herbstliche klima mit regenperioden, ließ genügend zeit für lesen, strandspaziergänge, radtouren und drachen steigen lassen.
bei den inselerkundungen fiel mir kleine hölzerne hütten an den ortsrändern der kleinen inseldörfer auf, die typsich niederländisch rundum mit fenster voll einsehbar waren und sich stühle oder sitzbänke darin befanden. da ich keine schilder, öffnungszeiten oder ähnliches daran fand, schloß ich die bildungs-bürger-variante mit einem kunstprojekt aus.
als ich mich bei der wirtin erkundigte, erklärte sie mir es seien “redehäuser” für alte männer. diese haben somit eine möglichkeit nach der pensionerung sich zu treffen und sich zu unterhalten.
das sprach mich als sozialarbeiter, der seine diplomarbeit über das thema “alterseinsamkeit” durchgeführt hat, besonders an. einen ort zur sozialen kontaktpflege abseits von (alkoholorientierter) kostenpflichtiger gastronomie und jenseits einer religiösen oder politischen vereinigung (gemeindesaal oder gewerkschaftshaus) – grandios!

https://www.endomondo.com/embed/workouts?w=v0maEiwwNxU&width=580&height=600&width=950&height=600

wie schnell darf ich auf die verwendung der dt. sprache hoffen? ist die zweite frage, die mich bewegt.
mit der campingplatzbesitzerin hatte ich im ersten moment englisch gesprochen, worauf diese mir in den ersten sätzen auch auf englisch geantwortet hatte. so wie ich ihren niederländischen akzent erkannte mußte sie auch meinen dt. akzent erkannt haben und sprach mich recht schnell auf deutsch an. sie fragte mich auch gleich frei heraus warum ich den nicht dt. mit ihr sprechen würde. ich antworte darauf, dass ich es für angebracht gehalten habe nicht gleich zu erwarten, dass in einem fremden land meine sprache gesprochen werden würde – was diese so stehen ließ.
in einem gespräch mit dem nachbarn erfuhr ich, dass sie sehr gern dt. sprechen würde, aber inzwischen weniger gelegenheiten dazu hätte. mehrheitlich hatte ich in meinem kontakt mit niederländerinnen und niederländer englisch gesprochen, da konversationen darin entweder besser oder einfach flüssiger möglich waren. wie schon in einigen ländern beobachtet, scheint es die ältere generation zu sein, die in einer anderen fremdsprache als englisch geschult wurde. während die vertreter meiner oder der nachfolgenden generationen sich nur noch auf englisch fixiert hat.

interkulturell korrekt wäre es wohl von mir gewesen, in holländisch zu fragen, welche sprache gesprochen werden sollte. aber im tourismus ist es denke ich ganz in ordnung wenn man sich des englischen sofort bedient.

04. hauptsache ‘ne gans

luxemburg zu besuchen war schon lange ein traum meinerseits. zum einen finde ich kleine staaten im allgemeinen von jeher interessant und luxemburg im besonderen, da ich es als das kernland des vereinigten europas ansehe. ohne mich genau im detail zu verlieren möchte ich mich als verfechter und verehrer der europäischen idee und seiner verwirklichung der europäischen union bezeichnen.
im vor fast genau fünf jahren habe ich auf meiner reise nach israel (http://riegeros.wordpress.com/israel-traveling-blog/) den luxemburger blogger christian (http://lforliberty.wordpress.com/) kennengelernt.
durch facebook und bloggen sind wir in (meinungs-)austausch geblieben. nun bot es sich auf der “caravan europa”-tour das angebot einer stadtführung wahrzunehmen.
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eine mich ansprechende stadtführung zu machen ist nicht sehr leicht. da ich selbst gerne wissen vermittle UND unterhalte, lege ich zum einen hohen maßstab an und bin zum anderen überzeugt einen schlechten von einem guten stadführerIn zu unterscheiden. ich bin gelangweilt von auswendig gelernten geschichtszahlen, genervt von vermeintlich lustigen anekdoten, die entweder frauenverachtend oder alkohlbezogen sind und damit enden dass die mehrheit aus höflichkeit lacht oder weil man nicht als jemand gelten will der “keinen spaß versteht”. von tourguids bin ich enttäuscht wenn ich hinterher keinen wissenszuwachs empfinde und werde schlichtweg ungehalten wenn rückfragen nicht erwünscht sind.
christian schaffte es eine führung durch die ober- und unterstädte von luxemburg-stadt zusammenzustellen, die sowohl interessant, anregend als auch unterhaltend war. er verstand es den rundgang chronologisch zur entstehung des jungen luxemburg aufzubauen und in den kontext der heruasbildung der beneluxstaaten zu setzten und würzte den rundgang u.a. mit unerhaltsamen aus der tagespolitik wovon ich gerne die schlüpfrigste weitergeben möchte.
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so ist die tatsächliche nationalflagge luxemburgs von den farben der des niederländischen staates sehr ähnlich. rot, weiß, mit einem helleren (böse zungen würden behaupten ausgewascheneren) blau. bekannt ist allerdings die weißblau gestereifte mit dem roten löwen. 2006 gab es eine auseinandersetzung über die abänderung der fahne: trikolore oder löwe. dieser streit ist unsinnig? dass dachte sich ebenfalls eine fraktion und machte sich den spruch “hauptsache ‘ne gans” zu eigen.  eine aussage eines gänseliebhabers, auf die frage ob er auch andere tiere möge. interessant wird dies allerdings erst wenn man/frau erfährt, dass dies im regionalen sprachgebrauch ein synonym für “eregiertes glied” ist. vielleicht sollte öfter so eindeutig auf unsinige debatten reagiert werden.
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die alte festungsstruktur der stadt ist an vielen orten der in den hangebauten stadt noch zu erkennen und vermittelt nicht den eindruck einer stadt in der der europäische gedanke eines progressiven miteinander verwirklicht ist. sehr sympathisch ist dabei, dass in dieser stadt nicht keine hektik zu spüren ist.
auch der faktor des “sich-gegenseitig-ausweichens” auf der straße, nach der ich die freundlichkeit einer stadt beurteile, ist in luxemburg sehr hoch.

abgeschlossen wurde der tag mit einer übernachtung in der einfahrt von christians eltern in esch-sur-alzette, der zweitgrößten stadt luxemburg.

an dieser stelle nocheinmal ein herzliches dankeschön für diesen unvergesslichen, lehrreichen und schönen tag und für die möglichkeit dieser einzigartigen übernachtungsmöglichkeit an christian!

03. wie gott in frankreich

zu gast bei meinem freund damien in nancy habe ich ein kapitel öffnen können, welches mir bisher verschlossen geblieben war, der genuss oder überhaupt die kenntniss von französischem essen.
meine reiseerfahrungen frankreich betreffend sind bisher eher bescheiden, ein kurzer besuch in avignon, strassbourg und paris im rahmen meiner interrail-tour vor 14 jahren und ein kurzer trip nach nizza im november 2011, vielleicht auch deswegen nicht verwunderlich.
besuche in französischen restaurants scheiterten dabei schlichtweg an meinen sprachkenntnissen und am budget. diese einschränkungen werden zwar bestehen bleiben aber nun weiß ich besser was ich verpasse :-)

von karlsruhe ging die reise weiter durch die vogesen nach nancy. nachdem das wohnmobil geparkt war und einer der ersten wege in ein winzigen weinladen führte, konnte ich mir schon ungefähr denken, wie gut es mir an diesem abend gehen würde.

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jakobsmuscheln in knoblauchöl mit schwarzem hawaiianischem salz und pfeffer als entree.
zum hauptgang wurde ente mit trauben, kräuter-schwenkkartoffeln und kürbis kredenzt und der abschluss bildete löwenzahnsalat mit speck in sahnedressing, dazu warmer ziegenkäse auf bauernbrot. dazu verschwanden drei verschiedene weine die ebenfalls besser waren als alle, die ich zuvor getrunken hatte.

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zum ersten mal in meinem leben verstand ich was mit dem ausspruch “essen/leben wie gott (bzw. das übergeordnete wesen monotheistischer religionen welches von gläubigen verehrt wird) in frankreich”, gemeint ist.
nicht nur den genuss der einzelnen spezialitäten empfand ich als außergewöhnlich schmackhaft und lecker. mich beeindruckte die sorgfalt mit der damiens freund gekocht hatte und mit denen die beiden die zutaten ausgewählt und gekauft hatten, enorm.

ich gestehe dass die zeit in der ich viel elan in das erlernen neuer rezepte und der zeitintensiven zubereitungen von mahlzeiten für mich oder für freunde eine besonderheit ist, welche ich in den letzten vier jahre, seit ende meines studiums, an einer hand abzählen kann.
ebenso nimmt essen nur selten für mich mehr als die gedanken “schnell”, “lecker” und “nicht zu teuer” ein. auf die nachfrage nach spezialitäten aus meiner region musste ich mich sehr anstrengend um nicht auf allgemeinplätze auszuweichen.

der wille geld, zeit und bewusstsein in essen zu investieren scheint in frankreich ein deutlich anderer zu sein, dass habe ich jetzt gelernt. themen wie glutenfrei, vegan oder bio scheinen in frankreich, im gegensatz zu deutschland nichts über die echte essens- und genussqualität auszusagen. ein interessanter gedanke, den ich mit nach hause nehme.

aber nicht nur gut essen sondern auch gut tanzen kann man im schönen städtchen nancy.

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02. dom zu speyer und das schiff der kelly-family

nach der kurzen stippvisite in der sächsischen schweiz, stand eine ca. 600 km lange querung durch deutschland an um gestern abend in speyer einzutreffen.
stellplatz für den nicht wirklich robusten fiat-ducato umbau-carvan war für die letzte nacht ein campingplatz direkt neben dem technikmuseum speyer. so erhebt sich statt elbsandsteingebirge hier eine ehemalige orginale boing 747 am horizont.

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ebenso säumen unzählige schiffe, panzer und flugzeuge das areal.
ortsfremde wie ich wundern, sich warum ein sehr ähnliches technikmuseum dem bekannteren, umfangreichenen sowie in der unmittelbaren nähe gelegenen technikmuseum in sinsheim (ca. 50km) konkurrenz macht?
eine art badisch-pfälzerischer kleinkrieg oder doch nur ein “same, same but different?
interessiert auftreten und einfach naiv fragen, heißt nicht selten mein vorgehen in so einer situation. dass sei man sich schon bewusst, gab mir die nette frau an der technikmuseum-hotel- und campingplatz-rezeption zu auskunft, ausstechen wolle man sich nicht, eher die unterschiede betonen – so sei der hauptaugenmerk in sinsheim auf zwei überschallflugzeugen (concord und tupolev) während man in speyer ein “space shuttle” ausstellen würde. ich als alter kosmonaut studierte darauf eingehend das museumsprospekt und entdeckte den bauernschlauen werbetrick der speyerer. so ist nicht eine u.s.-amerikanische space-shuttle ausgestellt sondern die geklaute russische version BURAN (die es ende der achtziger nur auf zwei ferngesteuerte erdumrundungen geschaft hatte), die ihr zwar äußerlich zum verwechseln ähnlich sieht, jedoch doch keine ist.
wer kann aber einem museum abgeneigt sein, dass unter seinen exponaten, das orginal kelly-family schiff ausstellt?

aber für eine runde “titanic-boot” war auf jedenfall zeit :-)

da heute noch ein verwandtenbesuch in pforzheim und eine hausbesichtigung bei freunden in karlsruhe ansteht ist nur zeit für einen stadtspaziergang und eine tour durch die weltkulturerbestätte dem fast 1000 (in worten tausend) jahre alten dom zu speyer.

01. die sächsische schweiz und die kernzonenschläferInnen

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gestern startete nach der fahrzeugübernahme die zweiwöchige caravantour durch deutschland, frankreich, luxemburg, belgien, niederlande mit der ersten etappe sächsische schweiz.

nach mehreren wochen regen und herbstlichem wetter strahlte die sonne heute morgen zum frühstück mit hochsommerlichen temperaturen.
scheiterte die outdoor nahrungsaufnahme in canada [link] meistens an temperatur, stechmücken oder dem fehlenden esstisch. das wohnmobil (echtes platzwunder) ist diesemal mit einem tisch ausgestattet, der sich sowohl innen als auch durch fünf handgriffe zu einem aussentisch verwandeln läßt. so begann der erste urlaubstag gleich camper-stilecht.

erste etappe und ein wunsch von mir seit dem ich vor viereinhalb jahren nach sachsen gezogen bin, ein besuch in rathen auf der basteibrücke.
nicht ganz alleine ist man dort, schon gar nicht an so einem sonnigen tag, aber dass tat keinen abbruch. die steinbrücke stellt den schon vor hundert jahren touristisch erschlossenen zugang zu einer festung aus dem 14. jhrdt.

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danach begann der abstieg durch die sog. “schwedenlöcher”. die durch erosion entstanden schluchten haben ihren namen aus ihrer zeit als sie als rückzugsort vor den marodierenden schweden im dreißigjährigen krieg dienten.

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ich kam mir in die wälder von ronja räubertochter versetzt vor, mit den bemoosten felsen und die engen hohlwege und ich kann mir ebenfalls sehr gut vorstellen wie unzugänglich diese gegend damals gewesen sein muss, wenn heute nur die befestigten wege eine erwanderung möglich machen.
leider entdeckte ich immer wieder müll und zivilisationsunrat abseits der wege, die in dieser als “kernzone” bezeichnetes gebiet des nationalparks von personen stammen, die sich dort einschleichen und wild campieren.

eine spannende geschichte für open-air-schläfer ist, wie mir erklärt wurde, das “bofen”. ein (falls auf gekennzeichneten flächen) erlaubtes übernachten ohne zelt in felsnischen oder terrassierte erdflächen.

nach diesem wissenszuwachs war jeder der mit einem rucksack, der über tagesmaß hinausging ein potentieller “kernzonen-schläferIn”, vielleicht aber auch nur ein souvenier-junkie..

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sonntags um 5

es ist eine ganz besondere zeit des wochenendes: es ist sonntag nachmittags um 5!

der sonntägliche sport liegt hinter mir, kuchen ist gegessen und der letzte milchschaum aus der kaffeetasse gelöffelt. über die welt habe ich mich informiert, die sozialen netzwerke abgesurft und ich schaffe es das gefühl zu unterdrücken, noch eine der häuslichen routinen zu erledigen.2014-08-31 sonntags um 5
und wenn ich dann keine lust verspüre noch jemand anzurufen oder eine email an einen liebe person zu schreiben dann, ja dann…
…dann ist es sonntags um 5 und ich erlebe den schönsten moment der woche!

nun ist es zeit, sitzen zu bleiben, eine musik zu hören, welche mich schon lange begleitet, im buchregal zu stöbern und und zu blättern, vielleicht sogar einen bildband anzusehen, oder in religiösen schriften. nun gelingt es mir meine gedanken an positiven erinnerungen vorbeigleiten zu lassen, alte bilder anzuschauen oder einfach kreativ zu sein…

an den meisten sonntagen komme ich gar nicht dazu dieses besondere gefühl einzufangen, da ich arbeite, nicht zuhause bin, mich von einem anstrengend samstag erholen muss oder weil ich mich auf eine geschäftliche reise ab montag vorbereiten muss, was als selbständiger natürlich auch unter der kategorie arbeit zu verbuchen ist.

in diesem sinne einen schönen sonntag nach 5 und mach etwas daraus!

warum deutschland am sonntag weltmeister wird oder die macht des positiven denkens

 

2014-06-29-929

die macht des positiven denkens ist wie die suche nach dem “heiligen” gral oder der wunsch weltmeister im fussball zu werden.

mir und ich denke auch fast jedem anderen ist klar, dass positives denken möglich und dass beste in situation des zweifels und der ungewissheit ist bzw. wäre –  auch ist es ein gern vergebener ratschlag: “jetzt denk doch auch mal positiv!” aber wirklich machen? puh; dass ist dann nochmal was anderes!

es gelingt mir viel eher mir vorzustellen, wie etwas nicht funktioniert! warum es am wochenende, wenn ich freunde zu einer grillparty eingeladen habe, auf jedenfall regnen wird. warum ein kunde meinen designvorschlag auf jedenfall ablehnen wird oder mein chef die so dringend benötigte gehaltserhöhung ablehnt. in dem einen oder anderen fall, spüre ich förmlich den regen wie er zischend die grillkohle durchnässen wird, wie der werbekunde , dass gesicht verzieht, weil er doch lieber “etwas mit katzen” auf seinem plakat gehabt hätte oder den chef wie er einem schallend ins gesicht lacht.

ganz ähnlich wie gerade jetzt nach dem 7:1 sieg der dt. mannschaft gegen brasilien beim wm-halbfinale jetzt im besten falle zurückhaltend und im wahrscheinlicheren falle zu sagen, dass klappt bestimmt nicht. um gleich die gesamte phantasie einzusetzen um “wenns” und “abers” einzuführen.

als ein paar freunde und ich vor kurzem auf ein musikfestival fuhren, gingen wir genau zu dem zeitpunkt durch den eingang als es zu regnen und es sah erstmal auch nicht so aus, als ob es wieder aufklaren würde. auch der wetterbericht hatte nicht wirklich viel grund zu hoffnung gegeben.
dennoch verhielten wir uns alle anders als wir es vielleicht sonst getan hätten!
alle 5 oder 10min äußerte jemand aus unserer gruppe einem postitven gedanken: es würde bestimmt bald aufhören, im soundso-wetterbericht wäre nur mäßiger regen angesagt, es würde ja schon weniger stark regnen, ob die anderen nicht bemerken würden, dass es tendenziell heller geworden sei im gegensatz zu noch gerade eben –  und es hörte auf!

als wir anschließlich über das gelände streiften schaute ich zum ersten mal auf die uhr und war überrascht dass zwischenjetzt und unserer ankunft nur knappe zwei stunden vergangen waren, es konnte also maximal anderthalb stunden gerregnet haben. angefühlt hatte sich wie drei stunden, die wir unter der plane saßen und dem platschen des regens zugehört hatten.
warum hatte es diesemal geklappt? vielleicht weil wir die große sache geglaubt haben, ein klar definiertes und zeitlich eingegrenztes ziel hatten, die einmaligkeit hier an diesem festival teilzunehmen?

vielleicht aber einfach nur, weil wir uns in der gruppe gegenseitig bestärkt haben!
ich hoffe dass klappt noch ein paarmal öfter und in anderen situationen – wie z.bsp. am sonntag beim finale der dt. nationalelf

musikalische erinnerungsfetzen 12 – they never stop: rolling stones

von allen konzerterinnerungen, die ich so in meinem jungen leben bisher gesammelt habe, gibt es keines von dem ich so oft aber zu gleich auch irgendwie so wenig erzählen kann wie von meinem rolling-stones-live-erlebnis.

rolling stones eintrittskarte (vorderseite)

rolling stones eintrittskarte (vorderseite)

gestern vor 15 jahren fand das open air der „bridges to babylon“-tour auf dem in stuttgart, auf der freifläche cannstatter wasen bei extrem guten wetter statt.

bridges to babylon-tour-stage - die spannung steigt

bridges to babylon-tour-stage – die spannung steigt

vermutlich liegt es daran, dass die „stones“ einfach so gut wie jeder kennt und ich daher auch öfter davon erzählen kann. wahrscheinlich gibt es viele menschen auf der welt, die diese band tatsächlich nicht kennen, aber ich habe bisher noch keinen davon getroffen, dem ich nicht zugetraut hätte von ihnen schonmal gehört zu haben. lieder aufzählen, melodien summen wäre schon etwas anderes, aber das symbol mit der herausgestreckten zunge oder der verweis auf endlos tourende rock-opas läßt selbst dem hartgesottensten verweigerer von unterhaltungsmusik , dem buddhistischen eremiten in den kamobschanischen bergen oder dem ghetto-hip-hop-kid eine glocke klingeln.

vielmehr als ihre, bis auf wenige herausstechende lieder doch recht gleichförmige musik, sind diese verdienten herren ein oft verwendetes beispiel. wenn es um eiserne durchhaltekraft, eine wechselhafte karriere, dem wandel von lebensstilen oder dem ausverkauf als werbeträger geht, ein verweis auf die rolling stones ist bei der hand und man erntet zustimmendes nicken des gegenübers.

der blick nach hinten

der blick nach hinten

mich spricht vorallem heute an diesen beispielen an, das mick, keith und die anderen ihrer am besten entwickelten fähigkeit, auf der bühne musik zu machen treu geblieben sind. ebenso lehren sie uns alle, dass alter keine ausrede ist, etwas nicht mehr zu tun!

das album “brigdes to babylon” war damals zwei jahre alt. groß wurde die werbetrommel gerührt, es sei ihre „letzte“ tour und dass wollte ich mir auf keinen fall entgehen lassen. einmal die großen hits hören und hoffen dass vom neuen album so wenig wie nötig gepsielt wird. die single “anybody seen my baby” war dann doch etwas zu poppig! ich war einer der ersten, der sich ein halbes jahr zuvor eine karte holte. vor fünfzehn jahren war es nicht nur schlicht undenkbar sich konzertkarten mehr als ein dreiviertel jahr im voraus zu holen, es gab sie schlecht weg nicht früher zu kaufen!

"da vorne! ich kann mick erkennen!"

“da vorne! ich kann mick erkennen!”

heiß war es, fast zu heiß um einen halben tag ohne schatten auf einem asphaltierten platz zu stehen, zu heiß war es für mehr als ein becher alkoholreduziertes überteuertes bier. nicht mehr richtig erinnern kann ich mich an die situation ob es wasser kostenlos gab oder ob man wasser in tetrapacks mit auf das gelände nehmen durfte – ich weiß noch, dass ich im zwiespalt war zwischen trinken-gegen-die-hitze und nicht-trinken-wegen des gangs zur toilette. vier freunde und ich hatten uns schon recht früh auf das gelände begeben und wenn ich mir die fotos so anschaue waren definitiv viel mehr leute hinter als vor uns. trotzdem waren die herren und ihre back-vocal-sängerinnen auf der bühne nur als zwerge zu erkennen. zum glück gab es eine riesigen leinwand auf der das geschehen auf der stage übertragen wurde.

 

 

1999-05-29 Rolling Stones Open Air Wasen (1)

die stones zum greifen nah auf der “b-stage”

die bühnenkulisse war größer als alles was ich vor 1999 jemals gesehen hatte und auch die idee, die band auf einer kleinen im publikum gelagerten bühne spielen zu lassen (einer sog. „b-stage“, sehr imposant im video ab sekunde 20 zu sehen), welche diese über eine zuvor versteckte ausfahrbare brücke gelangten, war ein unglaubliches gimmick da diese, später oft kopierte idee, damals noch neu war.

als schönsten moment habe ich dass lied „brown sugar“ in erinnerung, welches kurz vor ende des konzerts schon in der dunkelheit wunderbar illuminiert, gespielt wurde und während der gesamten länge des ca. fünfminütigen liedes der openairplatz mit kleinen goldenen und silbernen platikfolienplättchen eingenebelt wurde – ein konzerterinnerungsfetzen wert im herzen bewahrt zu werden.

schnipselregen während dem lied "brown sugar"

schnipselregen während dem lied “brown sugar”

auch wenn mir bis heute noch dieses hin- und herwogen des fußlahmen publikums richtung ausgang und das schmerzhafte gefühl in den beinen und der blase in gedenken geblieben ist – eine wunderschöne erinnerung, welche aber nicht nach wiederholung verlangt!

wenn ich heute höre, dass für ein konzert auf der berliner waldbühne das vierfache gezahlt wird, freue ich mich zumindest, dass diejenigen sich damit wenigstens ein recht auf einen sitzplatz erkaufen ;-)

gameboy – (m)ein vierteljahrhundert

25 jahre hat der gameboy, einer der ersten mobilen spielkonsolen auf dem buckel. grund genug für mich dieses grauspeckige ding mal wieder hervorzukramen und mich an das gute vierteljahrhundert mit ihm zu erinnern.

ich weiß nicht ob es 1990 oder 1991 war, als ich zu weihnachten einen gameboy bekommen sollte.  es hatte eine menge überzeugungsarbeit gekostet:

  • “ich werde auch nicht die ganze zeit spielen und noch an meine hausaufgaben denken”
  • “ihr braucht mir nur den gameboy zu schenken, die spiele spare ich mir dann selbst zusammen”
  • “ich spiele auch bestimmt ganz lange damit und es fliegt nicht nach drei wochen in die ecke”

zumindest das letzte versprechen halte ich bis heute – fast 25 jahre danach besitze ich meinen gameboy noch immer, er hat mich über alle meine umzüge begleitet und wenn ich ihn beim umräumen mal wieder in die hand bekomme, kann ich nicht wiederstehen und es wird eine runde gezockt.

als ich nun zum jubiläum einen interessanten beitrag im radio über die rezeption des erfolges des gameboys hörte, beschloß ich, ihn mal wieder zu entstauben, die spiele zu sortieren und den tragbaren akku aufzuladen.

(deutschlandradio kultur: “forever young – 25 jahre gameboy und die faszination der retro-games)

mein gameboy mit spielen und externem akku

mein gameboy mit spielen und externem akku

etwas erschrocken bin ich dann doch, als mir die abdeckplatte des monitors entgegengefallen ist. aber der zahn der zeit hat wohl den klebstoff etwas mürbe gemacht. auch der bildschirm zeigt zwei streifen, aber es ist denoch enorm, dass dieses gerät auch nach 25 jahren noch so funktionstüchtig ist. ein hoch auf japanische wertarbeit der 1980´ger!

über den mittels einem gürtelclip tragbaren akku freue ich mich noch heute. nicht nur dass die batterieladung immer kurz vor dem entscheidenen punktgewinn zu ende ging, auch galt es den umweltschädlichen verschleiss von batterien einzudämmen.

der gameboy hat für mich auch heute noch eine besondere bedeutung, da er fast meine einzig große digitale spielerfahrung geblieben ist und ich auch nach dieser sozialisation nie der intensive computerspieler geworden bin. das einzige große pc-spiel, dass ich mir aus eigenem antrieb heraus gekauft habe, war das erste tomb-raider spiel und selbst dass erst fünf jahre nach erscheinen auf einem flohmarkt. natürlich habe ich auch in meiner teenager-zeit nachmittage an meinem 386sx-windows-3.1-rechner mit computerspielen verbracht “lemings no more”; “nibbles” und solche klassiker wurden auf 3,5 zoll disketten mit klassenkameraden getauscht, aber damit hat es sich dann gehabt.
die einzigen spiele die ich auf jedem meiner computer und noch heute auf meinen mobilen endgeräten aufspiele oder habe ist backgamon und ein schachspiel. auch müßte ich lügen, wenn mich nicht zugeben würde dass mich “moorhuhn” und “angybirds” nicht auch schon mal in den bann gezogen haben, aber dass sind 10-20min und damit hat es sich. mehr zeit, habe ich nach der anfänglichen gameboy-zeit nie wieder mit computerspielen verbracht.

in einem gespräch mit einem alten freund, der inzwischen selbst professionell computerspiele programmiert, über unsere gameboy erinnerungen meinte ich, dass ich mir das computerspielen einfach noch etwas aufheben werde. vielleicht für eine zeit wenn ich körperlich nicht mehr in der lage sein werde viel außer haus zu gehen. bin gespannt was es dann für geräte und spiele gibt!
seine erinnerungen an seinen ersten gamboy sind in der kommentarspalte unter “eugen” hier zu finden. das spannendenste ist, dass er ihm gegensatz zu mir, erst zum studium in die welt der pc´s gestartet ist und sein start in die welt der digitalen spiele der gameboy war . sein nun in der beta-version vorliegendes spiel ist ein taktischer shooter aus der vogelperspektive mit rpg-elementen in einer offenen welt und findet sich unter RUNNING WITH RIFLES

zum gameboy gab es damals das spiel TETRIS dazu. mein erstes regulärers spiel war, wie konnte es auch anders sein SUPER MARIO LAND. was auch heute, wenn ich mir meine anderen spiele durchsehe, auch immer noch mein lieblingsspiel geblieben ist.
was mir weniger spaß gemacht hatte waren sport-spiele, wie dass berühmte GOLF. ich fand beim spielen die sci-fi-elemente ganz toll. das raumschiff R-TYPE um asteroiden herumzubugsieren, die erde retten als pilot des SOLARSTRIKER oder mit STAR TREK (auf welches ich sehr lange gespart hatte) eine mission zu erledigen.

gameboy 8-bit

gameboy 8-bit

der gameboy war wundervoll bei langweiligen verwandtenbesuchen. im gegenatz zu einem walkman oder einem buch, der immer nur eindiminsionale fluchtmöglichkeit bot, ermöglichte es der gameboy mit den kopfhörer (die mich aufgrund ihrer qualität noch viele jahre begleiteten) völlig der welt der erwachsenen, die nie etwas anderes machen wie “reden”, auszuscheiden.

toll war auch die “dialogfunktion” mittels eines kabels welches zur werksauslieferung jedes gameboys gehörte konnte man gegen jemand anderes spielen konnte (TETRIS oder F1-RACE zum beispiel), in meinem freundeskreis daher auch “dialogen” genannt.
an einen nachmittag mit dem legendären “viereradapter” und dem unglaublich schweren spiel SUPER RC PRO AM kann ich mich ebenfalls noch gut erinnern. es hatte sehr sehr lange gedauert bis wir vier sowohl jeder das spiel als auch das verbindungsgerät zusammen hatten umso mehr freuten wir uns dieses autorenn-spiel, bei dem man nicht nur die runden gewinnen konnte sondern auch sich bessere reifen oder motoren herausfahren konnte, zu viert zu spielen.

sicher habe ich viel zeit allein mit dem gameboy verbracht, aber die vereinsammungs-theorie war auch hier weitestgehend falsch und ich erinnere mich an viele verbindende und soziale aspekte des gameboyzeit.
manche meiner freunde hatten von ihren eltern die restriktion “baller-spiele”. diese waren dann natürlich ganz heiß darauf sich mit einem zu treffen um diese “unerlaubt” zu spielen.
nicht nur deswegen war jeder auf dieses tauschen angewiesen, den im gegensatz zum gameboy waren die spiele unglaublich teuer und mehr als ein neues spiel zu weihnachten oder zum geburtstag war nicht drin.
ich erinnere mich auch noch an eine geschichte, dass ich mit selbstgespartem und diversen geldgeschenken aus der verwandschaft, ein spiel nachmittags holte, was so leicht war, dass ich es innerhalb weniger tage durchgespielt hatte und es im laden gegen ein neues eintauschte.

heute so scheint es mir, habe ich, bis auf wenige ausnahmen, nur noch die schweren spiele übrig behalten. aber zum glück gibt es mittlerweile abhilfe. es gibt gamer, die ein komplettes spiel beim durchzocken abfilmen und es auf youtube hochladen.  so bin ich gerade dabei endlich, nach annähernd einem vierteljahrhundert, das spiel GARGOYLES QUEST vielleicht doch mal noch weiter als die ersten levels zu spielen.

was mir heute, vielleicht sogar noch mehr gefällt als damals ist der spielesoundtrack in 8-bit, welche sich gerade mit 8-bit bildern einem revival erfreuen. nirvana in 8bit? hier gibt es eine kostprobe.

da ich wie erwähnt kein großer gamer bin, wird auch diesemal der gameboy wieder nach einer zeit in seiner kiste verschwinden – es sei den es findet sich jemand der mal bereit ist eine runde zu “dialogen” oder spiele zu tauschen… :-)