lesen unter menschen – heute: fussgängerzone

normalerweiße finde ich menschen welche mir auf der straße lesend, mit einem buch in der hand, entgegenkommen immer etwas schräg.
auch ich zähle lesen zu einer meiner haupttagesbeschäftigungen. ob nun literatur, zeitungsartikel oder persönliche kommunikation. je kürzer der text umso eher lese ich ihn unterwegs – sms oder emails dann auch gerne mal im gehen. aber sobald es mal etwas längeres ist mache ich das lieber im sitzen oder bleibe zumindest dazu stehen.

aber ein buch während dem gehen lesen?
wenn ich das jemals ausprobiert habe, dann habe ich sicherlich nicht sehr lange benötigt um zu merken, dass diese art von freizeitbeschäftigung nichts für mich ist!
an eine situation kann ich mich erinnern, als ich in berlin haltestelle alexanderplatz (!) eine junge frau beobachtete wie sie sich ihren weg mit einem dicken schmöker in der hand durch die menge bahnte und dabei bei jedem schritt aufblickte – entspanntes lesen ist anders. steht da dass lesen oder das hinweisen auf sich selbst im vordergrund?

sicherlich gibt es so fesselnde texte, dass sie verschlungen werden wollen – aber dann beeile ich mich lieber irgendwo anzukommen oder schließ mich zur not im badezimmer ein.

nichtsdesto trotz der vertreter dieser merkwürdigen spezies, dem ich heute begegnete, kann jedoch ein wichtiges argument zu seiner verteidigung vorbringen. wenn es ein buch gibt, dass es wert ist auf der straße, im gehen (oder fallen) gelesen zu werden dann ist es dieses buch: “451 fahrenheit von ray bradbury”!
ein dystopischer klassiker aus dem jahre 1953, welches in einem staat spielt wo bücher lesen mit gefängniss bestraft wird und in dem feuerwehrleute die aufgabe haben bücher aufzustöbern und zu verbrennen (http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrenheit_451).

ein statement also und ein gutes!

kleine momente

gerade war ich als einer der ersten im büro und hatte die gelegenheit einen wunderschönen sonnenaufgang zu beobachten. tatsächlich habe ich mir einige minuten zeit genommen, mich auf die schreibtischkante gesetzt und mich mit kleinen schlucken tee aus meiner thermoskanne erwärmt. während ich mich über das sonst durch großraumbüro-lärm übertönte knacken der leuchtstoffröhren gewundert und einfach nur aus dem fenster geschaut.
2013-12-19-919
zwar war ich aus dem grund des nicht-schlafen-könnens so früh im büro aber nun freue ich mich dass ich die zeit hatte so einen schönen moment miterleben konnte, gesund bin und in der lage farben zu sehen.

dies sind die kleinen momente die zusammengefügt ein wundervolles leben ergeben.

blogging 2013

wie auch letztes jahr finde ich die zusammenstellung der wordpress-statistiker sehr gelungen und hilft die eine oder andere blog-erinnerung wiederaufleben zu lassen.

ich möchte mich bei euch bedanken, dass ihr mir durch rückmeldungen und support helft mich und meinen blog besser und interessanter zu machen.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 1.400 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 23 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

im nächsten jahr gibt es mehr “musikalische erinnerungsfetzen” und ein neues projekt auf welches ich mich schon besonders freue…

einen guten start ins neue jahr. 2014 wird ein großartiges jahr

musikalische erinnerungsfetzen 11 – konzert mit elternbegleitung

vorneweggeschickt es war mein einzigstes!

wenn sich die musikindustrie immmer jüngeres hörerInnenpotential erschließt ist es klar, dass der nachwuch frühestmöglichst ebenfalls in den genuß eines konzerts kommen möchte: jubeln, sich die beine in den bauch stehen, vom hintermann angerempelt werden, die nebenfrau anhimeln und das gefühl eines gemeinsamen jubelns. warum finden diese konzerte eigentlich nicht nachmittags statt? dass die arbeitende elternschaft ihren kids auch begleiten kann, chauffeur spielt und wahrscheinlich auch den eintritt bezahlt.

2000-06-07 santana-ticket (klicken zum vergrößern)

2000-06-07 santana-ticket (klicken zum vergrößern)

bei meinem einzigen konzert in elternbegleitung mußte ich mein eintritt leider selbst bezahlen. ich war auch schon volljährig und es war auch nicht einer meiner ellis der mich auf dem santana konzert vor 13 jahren am 07.06.2000 begleite sondern der vater eines freundes.

warum auch nicht, denn santana war in den neunziger jahren doch sehr in vergesseneheit geraten und das &friends-album (u.a. mit everlast, eric claption, lauryn hill, wyclef jean oder matchbox twenty) “supernatural” sollte dem entgegenzuwirken.
schon im sommer 1999 waren die hits rauf und runtergelaufen und so bot sich eine tournee natürlich an.


für mich klangen damals aber auch noch so hits we “se acapo” oder “black magic woman” vom plattenteller

als jörg mir erzählte, dass uns sein vater auf das konzert begleiten würde, war ich weniger verärgert sondern eher überrascht, dass er sich dass mit uns antun wollte. jörgs vater selbst musiker in einer schwäbischen countryband selbst fan seit seiner jugend von santana hatte uns dazu auch noch einiges voraus.

am konzert selbst gab es nichts zu meckern.
santana ist, soweit ich dass zu beurteilen vermag, ein absoluter könner an der gitarre, aber ein album mit unterschiedlichen gast-sängerInnen klingt leider auf konzerttournee nie so wie auf aus dem studio, da die stimmenvielfalt der gäste fehlt – selbst wenn die mitreisenden künstler herrvoragendes geleistet haben. auch die großen hits wie “evil ways” oder “samba pa ti” hören sich auf der bühne lang nicht so energetisch wie in der orginalalbumversion oder in der (absolut einzigartigen) woodstock-live version an.

so wurde es mir gegen ende des konzerts etwas langweilig. was nicht so mir so ging, den die konzerthalle hatte sich schon vor der zugabe zur hälfte geleert. aber ich wußte mir die zeit zu vertreiben und sammelte in gedanken an meine damalige herzensdame die zurückgelassenen pfandbecher ein damit wir auf das nächste konzert wieder gemeinsam gehen konnten. doch davon in einem der nächsten erinnerungsfetzen…

reise-appetizer und andere fazite

hatte ich mich in den vorherigen jahren schon im vorfeld bei der reiseplanung in verzicht üben müssen: zu weit weg, zu wenig zeit – gesellte sich diesemal noch ein komplett neues spektrum hinzu. die reisen mit einer unterkunft als rucksack, welches einem (außerhalb von nationalparks) noch mehr freiheit verspricht auch mit der einschränkung auf einen kleineren radius beschränkt zu sein oder zu einer entschleunigung zwingen. dieser “verzicht” hat mir sehr gut gefallen.

von den kanadier, die ich kennengelernt verbreiteten insbesondere die neu- oder altzuwanderer eine stimmung von goldgräbertum – hier gibt es was neues zu schaffen, hier kann ich mich ausprobieren, der andere freut sich über meine idee etc, etc. ebenso wie usa ist in kanada ein “ja, klar” zu hören und nicht wie leider häufig in deutschland schon ein “ja, aber” zu spüren ist…

kanada war ein unglaublich leichtes un bekömmliches reise-häppchen, dass ich mich nach einer woche der lohnarbeits-routinen und nichtigkeiten schon die frage stelle, habe ich dass wirklich erlebt und wann war dass eigentlich?

selten dass es mir so schwer gefallen ist aus dem urlaub zurückzukehren.
nicht dass es mir in den vorherigen jahren nicht gefallen hätte, aber entweder war ich am ende krank so wie letztes jahr in mexico oder nur unglaublich fertig von den strapazen.
die größte strapaze jedoch ist es seit jahren, dass die urlaube eigentlich nur ein dreiwöchiger-reise-appetizer darstellen, also winzige schöne kleinigkeit die lust auf mehr macht! mich anfüttern und mir zeigen, was es noch schönes auf der welt zu entdecken und zu erleben gibt!

8.0 vancouver island

die verwunschene insel und warum übernachtung nicht gleich übernachtung ist

die verwunschene insel
nach hongcouver mit canada day sollte es nocheinmal etwas natur sein. vancouver island ist mit 450km länge und 100km breite die größte nordamerikanische pazifikinsel und ragt eigentlich schon auf us-amerikanisches gebiet, aber so wurde uns von einem inselbewohner erklärt man hätte damals darauf verzichtet und es den kanadien quasi geschenkt.
wenn man die fähre von tasawasen (vancouver), die gerade noch so auf kanadischem gebiet liegt fährt man mit dem schiff ersteinmal durch us-amerikanisches gebiet. zum glück haben wir keinen neuen esta-antrag gebraucht oder stunden in der warteschlange zur emmigrationbüro zugebracht.

fähre von vancouver nach victoria (vancouver island)

fähre von vancouver nach victoria (vancouver island)

wie mich schon in vancouver selbst, fazinierte mich wieder die unglaubliche moderintät der fähre. diese konnte in zwei richtungen fahren sowie laden und löschen. so verkürzte sich die wartezeit wieder enorm. jedoch brauchten wir doch von vancouver hosteltür, bis victoria autovermietung (luftlinie 124km), die im reiseführer beschrieben vier stunden. und das obwohl die öffentlichen verkehrsmittelübergänge wunderbar aufeinander abgestimmt waren, die busfahrer entspannt jedem dieselben fragen beantwortete und geduldig warte bis jeder seine cents in die kasse geworfen hatte.

alle versuche des freundlichem mitarbeiters der autovermietung uns nicht doch noch ein größere wagenklasse oder ein extra aufzuquatschen abwimmelnd, verließen wir schnellstmöglichst die stadt, auch wenn wir dort anspruch auf small-car-parkplätze gehabt hätten.

viertüriges "small"-car

viertüriges “small”-car

schon langsam vom gefühl befallen zu werden, dass dieser großartige urlaub bald wieder seinem ende zugeht, galt es die ambivalenz zwischen ruhe genießen und “noch etwas zu sehen” auszuhalten. vergingen die drei tage auf der wunderschönen insel wie im flug

warum übernachtung nicht gleich übernachtung ist
neulich habe ich einen post im internet gelesen, nachdem es sich an der dreißiger altersmarke entscheidet ob man lieber “etwas mehr” geld für einen “kleines, sauberes hotelzimmer” bezahlt oder sich zu zwölft in ein hostelschlafsaal zwängt.
auf dieser reise erlebte ich wie kurzfristig über buchungssuchmaschinen gebuchte mittelklasse hotels für einzelne nächte unglaubliche schnäppchen bereithalten konnten, bei denen dann sich die preise um ein drittel zur normalen rate unterschieden.

was ich noch nicht kannte war die “walk-in rate”, also einen preis den man nur bekommt, wenn man einfach hineinmarschiert und nicht vorher im internet gebucht hat. dies führte zu einem doch noch bezahlbaren aufenthalt in einer unterkunft unter der rubrik “sich etwas gönnen”. auch um quasi noch das ruhebedürfniss zu stillen, den bei den kleinen hütten und jurten, boten einen so fantastischen ausblick über das tal in port renfrew und das entspannende bad im outdoor-whirlpool ließen den wunsch noch ein paar kilometer zu machen vergessen und schlossen den urlaub grandios ab

höhepunkte vancouver island

höhepunkte vancouver island

7.0 hongcouver die asiatischste stadt nordamerikas

warum vancouver eine asiatische stadt ist, ein nationalfeiertag in stoischer ruhe und warum man vor 18h gegessen haben sollte

warum vancouver eine asiatische stadt ist

jedesmal, aber auch wirklich jedesmal, wenn ich von meinem bevorstehenden besuch dieser stadt erzählte brach mein gegenüber in strahlende freude aus und schwärmte mir von der grandiosität dieser stadt vor – egal ob in deutschland oder in kanada, ob schon dort gewesen oder nicht. natürlich regte sich da irgendwann der kleine kritische blogger in mir und ich nahm mir vor mich auf die suche nach dem haar in der suppe zu machen.

das fiel schon am flughafen (um zeit zu sparen, hatten wir einn flug zwischen calgary und vancouver eingeschoben) schwer, als ich an der bahnhaltestelle nicht nur über den richtigen umgang mit meinem ticket informiert wurde sondern, der bahnbedienstete mit meinem ticket über den halben bahnsteig rannte um dieses für mich abzustempeln (anstatt mich dort hin zu schicken, wie dass sein dt. kollege vermutlich gehandhabt hätte). nun sind mir so gut wie alle kanadierInnen deutlich freundlicher als europäerInnen begegnet, dies allein kann noch nicht für die stadt sprechen.
aber auch der erste eindruck der stadt wirkte positiv auf mich: ansprechend gestaltete innenstadt, sauberkeit, großstädisches flair gepaart mit höflicher hektik.

eine sehenswürdigkeits-ikone von vancouver die "dampfuhr"

eine sehenswürdigkeits-ikone von vancouver die “dampfuhr”

sehr beeindruckt war ich auch von der schnelligkeit und modernität der fähre nach nordvancouver, nach nur drei minuten aufenthaltszeit wurden ca. 300 passagiere ein und ausgeschleust.
gegenüber der downtown-halbinsel besuchten wir ein entspanntes wohnviertel mit angrenzenden nationalparks in dem sich wie auch in der ganzen stadt eigentlich hauptsächlich menschen mit asiatischer herkunft tummelten.

noch augenscheinlicher wurde der hohe anteil von menschen mit asiatischer herkunft, für mich als ich auf der parade der neu-kanadischen migranten am kanadischen nationalfeiertag “canada day” (01.07.) nach anderthalb stunden defile nur eine europäische migrantengruppe sah (schotten). alle anderen gruppen bis auf eine arabische hatten asiatischen migrationshintergrund!
in einem gespräch mit einer einheimischen, welche mir den begriff “hongcouver” eingab begann ich etwas zu forschen. der wohl nicht ganz politisch korrekte begriff verweist auf die einwanderungswelle von hongkong-chinesInnen in den neunziger jahren. war am anfang eher skeptisch den migrantInnen entgegengeblickt worden, stellte sich ziemlich schnell heraus dass diese nicht als nudelsuppenverkäufer beginnen würden sondern gut ausgebildete, englischsprachige zuwanderInnen sind, die nicht nur geld mitbringen sondern wohl auch mit ihren wünschen nach schönem wohnen und exellenter ausbildung für ihren nachwuchs vancouver bis heute nachhaltig verändert haben.

ein nationalfeiertag in stoischer ruhe

besonders an diesem nationalfeiertag und seiner parade wurde mir dies bewußt. wie ruhig und entspannt die leute anstanden, warteten und wie wenig sie sich gegenseitig behinderten.
undenkbar im quirlig-hektischen europa – schon allein deswegen, weil die hälfte der besucherInnen leicht oder stark alkoholisisiert gewesen wäre.
jetzt sind restriktive alkoholgesetze (verkauf in lizensierten geschäften, alkoholverbot auf der straße) eher nordamerikanisch, das kanadische laissez-faire und die asiatische (teilweiweise schon stoische anmutende) ruhe, muss dass sein, was auf viele so positiv wirkte und sie von vancouver schwärmen ließ.
auch wenn es mich freute nicht ein (erwartetes) terror-paranoia-sicherheitshindernisslaufen hinter mich bringen zu müssen und keiner alkoholisierten gewalt ausweichen zu müssen, wirkte die feierlichkeiten auf mich als europäisch sozialisiertem menschen etwas ZU ruhig. wenn die männer der saudi-arabischen migrantengruppe auf der parade die meiste stimmung verbreitete (also definitive nicht-alkoholkonsumente) dann gibt mir dass aber auch zu denken ob in europa die verbindung alkohol und party nicht etwas zwanghaftes hat.

außerdem erschien mir der canada-day in vancouver schon sehr kommerzialisiert, da auch an diesem tag alle shoppingmalls geöffnet hatten. krönung war das disney-schiff im hafen.

die "disney-wonder" auf ihrem stop im hafen von vancouver

die “disney-wonder” auf ihrem stop im hafen von vancouver

mein persönlicher höhepunkt war aber das ich zum erstenmal eine liveperformance des erst vor ca. 20 jahren in der schweiz entwickelten instruments ‘integrales hang’ erleben konnte. durch einsatz der ganzen hand, wird dabei sowohl eine percussionlinie als auch eine melodie gleichzeitig erzeugt. (http://de.wikipedia.org/wiki/Hang_%28Musikinstrument%29)

hang-spielern am hafen von vancouver

hang-spielern am hafen von vancouver

(ich habe währenddessen keine aufnahme gemacht, aber dieses video zeigt einen künstler aus amsterdam)


in der halben stunde, in der wir der performance lauschten blieben unglablich viele leute stehen, lauschten, fotografierten und waren sicher, wenn nicht so begeistert wie ich, doch zumindest genauso verwundert.

warum man vor 18h in vancouver gegessen haben sollte

schon lange nicht mehr habe ich in meinen reiseblogs über geld geschrieben, aber über diese eigenheit in kanada (auch auf usa anwendbar) welche in einen verhaltenstipp mündet mit dem sich ungeheuer viel geld und ärger mit den reisepartnerInnen spart, muss ich unbedingt loswerden.
wenn ich in deutschland gefragt werden würde, wie man sich als reisender budgetschonen ernähren kann, würde ich in bäckereien für den kleinen hunger tagsüber und dönner bzw. asia-läden für die große, warme mahlzeit empfehlen. für letzteres besteht keine eile, selbst um 21h dürfte noch etwas vom dönnerspieß zu schaben sein. jedoch sollte dies außerhalb der unterkunft passieren, da außer in hostels und jugendherbergen keine kochmöglichkeiten bestehen.

ganz anders ist die situation in kanada (oder usa). hier sollte man seine warme mahlzeit mittags oder nachmittags, spätestens aber vor der schließung in den frühen abendstunden in sog. “breakfastbars”, “cafes”, “foodmarkets” oder “foodcourts” in shoppingmalls erledigt haben, da danach nur noch die klassischen fast-food-ketten oder der gang ins reguläre restaurant in frage kommt, bei denen neben den recht hohen preisen  (in vancouver ab 18 dollar fürs hauptgericht) auch noch die 15% servicegebühr einzurechnen ist.

05. bären, gletscher und andere auswanderer

der große bären-beschiss und (männer)begegnungen im waschraum

der große bären-beschiss

jeder aber auch wirklich jeder, dem ich vor meinem reiseziel erzählt hat, machte irgendein bemerkung mit dem thema bären. ich solle vor bären aufpassen, bären jagen, nicht mit ihnen kuscheln, auf der flucht auf bäume klettern, da diese anscheinend nicht klettern könnten oder nur bergab laufen, weil bären vorne kürzere vorderläufe hätten und dann ins stolpern kämen und anderes lustiges zeug.
im park warnen schilder, aushänge und faltblätter vor bären und geben ihrerseits tipps für das richtige verhalten. bei jeden einchecken am campingplatz gibt es nochmal eind einweisung; achtung bärengebiet, kein essen rumliegen lassen, bärenspray mitführen etc, etc…
wie in https://riegeros.wordpress.com/2013/06/29/4-0-lake-louise-das-zentrum-der-rockies/ beschrieben werden auch spezielle attraktionen damit beworben, dass bären anwesend wären. irgendwann befiel mich ein kritisches blogger-misstrauen, das könne alles nur ein riesen beschiss sein und es gibt vielleicht schon lange keine wildlebenden bären mehr. aber alle besucher werden in einer ständigen (systemstabilisierenden) angst gehalten, dass hinter dem nächsten busch ein grizzly nur darauf warten würde meine haut abzuziehen.

die verschwörungsliebhaber unter meinen lesern muss ich leider enttäuschen, ich habe tatsächlich einen bären gesehen!

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bär auf highway 16 zwischen banff und jasper

schon auf einiger entfernung, war zu sehen wie wohnmobile in waghalsigen manövern herumgerissen wurden und beifahrerInnne mit schussbereiter kamera aus dem auto auf die fahrbahn stürzten. ich natürlich auch. doch als der bär dann in richtung fahrbahn kam, wurdemir doch etwas mulmig. er oder sie entschloss sich aber dass es der bilder nun genug seien und verzog sich wieder in den wald.

(männer)begegnungen im waschraum

“der begegnung raum geben” mit diesem motto habe ich 2009 meine reise nach israel begonnen (und hier http://riegeros.wordpress.com/israel-traveling-blog/ gebloggt), ich glaube diesemal hatte ich die interessantesten begegnungen im waschraum. nicht abwegig, denn schließlich kommt man(n) sich hier schnell besonders nahe.
die netteste geste war die, als ich beim zähneputzen aus dem fenster schaute und dachte dies sei ein wundervolles bild des wohnmobils vor bergpanorama und fotografierte aus dem fenster des waschraums mit der zahnbürste im mund. als ich mich umdrehte hielt mir der ältere herr die rechte hand zum “high five” entgegen; “i dont ask – there is so much to photograph isnt it?”. daraufhin unterhielten wir uns darüber (ich immer noch mit der zahnbürste im mund) darüber, dass man sich an diesen rocky mountains nie sattsehen kann

einer der häufigen fragen, ist die der herkunft – so erfuhr ich die auswanderungsgeschichte eines kanadiers holländischer abstammung, der in den sechziger als achtes kind einer familie keinen ausweg mehr gesehen hatte außer sein glück in übersee zu finden.

oder waldemar, ein kind aus einer deutsch-polnischen verbindung, die sich 1951 wegen anfeindungen gezwungen sahen dass nachkriegseuropa zu verlassen. auch er sprach mich im waschraum an, um sich für sein schreiendes enkelkind zu entschuldigen. waldemar beeindruckte mich sehr, als er in kurzen deutsch-englisch gemischten sätzen beschrieb wie er immer wieder in seinem leben in der situation war, neu anzufangen, niemand fragen zu können. auf meine bitte mir sein rezept zu verraten, klopfte er mir väterlich auf die schulter: “you get used to it!” (du gewöhnst dich daran)

ob die auswanderInnen unserer elterngeneration mehr als folge von chancenlosigkeit als auf der suche nach neuen chancen ausgewandert sind? und läuft der heutige grund zur auswanderung nicht viel eher gefahr zu scheitern? auch gibt es doch für die meisten der heutigen auswanderer die notlösung rückkehr- waldemar hatte diese sicher nicht.

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am athabasca gletscher

6.0 campingplatz und shoppingmall

warum campingplatz nicht gleich campingplatz ist und warum eine shoppingmall nicht nur zum einkaufen gut ist

warum campingplatz nicht gleich campingplatz ist

jetzt am ende des ersten teils der kanadareise kurz vor abgabe des rollenden heims kann ich nun etwas dazu bloggen, wie unterschiedlich die aufenthalte auf den campgrounds ist.

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das rollende schneckenhaus vor whistler mountain

die große sache war stromanschluss oder kein stromanschluss. einen sogenannten full-hookup, also einen strom und wasseranschluß fand ich nicht besonders wichtig, da sich jeder auf den campingplätzen seinen frischwassertank auffüllen lassen konnte und wir duschen ebenfalls auf campingplätzen erledigt haben, wo dies möglich war.
leider entbehren die stellplätze mit stromanschluss meistens etwas an schönheit und vorallem natur. so standen wir in jasper auf einem parkplatz, wagen an wagen mit anderen “stromhungrigen”. vorteil dieses platzes war neben dem laufenden toaster (nordamerikanisches brot wird etwas geniessbarer), der mikrowelle (aufwärmen von speiseresten) sowie der lademöglichkeit für handy (kartenmaterial) oder tablet (blog) dass uns nur die halbierte anzahl der stechmücken umschwirrte.
auf den schöneren, naturnahen waldcampingplätzen (mit selbstregistration, eigener picknickbank und feuerstelle) gab es diesen abendlichen angriff oft so intensiv dass nur die flucht ins wohnmobil übrigblieb.

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der autor auf dem whistler mountain

waren die tage in den rocky mountains mit schönen wanderungen und bergbesteigungen gefüllt, gab es zur raschen wiedereingewöhnung,mit der dampfhammermethode, der besuch in der shoppingmall in edmonton.
aber ich müsste nicht darüber bloggen, wenn es nicht eine besondere mall wäre.

warum eine shoppingmall nicht nur zum einkaufen da ist

die westedmonton shoppingmall war bis 2004 die größte der welt, heute ist sie noch die größte nordamerikas und rang 6 der weltranglists (quelle: http://de.m.wikipedia.org/wiki/West_Edmonton_Mall) und beinhaltet neben den geschäften, cafes, fressbuden, einen kletterparkour, eine minigolfanlage, eine eislaufbahn, ein mega-schwimmhalle, ein komplettes schiff welches in einer tauchbaren wasserfläche schwimmt (mit delphinshow) und einen vergnügungspark mit achterbahn und allem drum und dran. ich war ganz schön beeindruckend…

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eisbahn in der shoppingmall

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schwimmhalle in der shoppingmall

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da schwimmt ein schiff in unserer shoppingmall

4.0 lake louise, das zentrum der rockies

zum glück wurde an diesem morgen der katastrophenalarm für der highway nr. 1 nördlich von banff wieder zurückgenommen. die überschwemmung sind in diesem teil wieder etwas zurückegangen, während sûdlich richtung calgary immer noch kein durchkommen ist. auch die sonne zeigte sich öfter und das thermometer stieg auf über 15 grad.
so räumten wir das wohnmobil zusammen, verstauten unser gerümpel etwas, damit es nicht bei jeder kurve durcheinanderflog (erste lektion schon gelernt, denn die teekanne hatten wir schon eingebüßt)

in der mitte der national parks die sich die kanadischen rocky mountains untereinander aufteilen (banff, kootenay, yoho, jasper um nur einige zu nennen) liegt der türkisblaue lake louise. man stelle sich eine nachträglich bearbeitete postkarte von einem meer oder see aus den achtzigern vor: genauso türkis IST dieser gletschersee.

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lake louise

in jedem reiseführer den ich im vorfeld gelesen hatten, wurden meine hoffnung auf einsame natur gedämpft und von touristenmassen gewarnt, die sich in einer der beliebtesten nationalparks gegenseitig auf die füße treten. doch durch die überschwemmungen blieben wir von diesen erstmal verschohnt.

auf der talseite dem see gegenüber, kann im  sommers der skilift genutzt werden. hier soll das wage versprechen bären zu sehen den horrenden gondelpreis rechtfertigen  – bären gabs natürlich keine aber die aussicht war wundervoll.
ein berg ist toller als der andere und wer sich an die bergeszenen aus herr der ringe erinnert kann sich ungefähr vorstellen,
von was ich hier schreibe

fast 400 höhenmeter oberhalb des lake louise liegt ein kleinerer see (lake agnes) an welchem ein seit über hundert jahren ohne strom betriebenes teehaus steht.
wer mich kennt, wird sich an dieser stelle vielleicht wundern dass ich mich freiwillig auf eine wanderung mit einen solchen hõhenunterschied einlasse. und ich gebe gleich zu ich hatte nie gedacht, dass ich die wanderung komplett schaffe. mein erstes ziel war ein aussichtspunkt nach der hälfte der strecke. das klappte recht gut und ich sagte mir, bis zum lake mirror, ein kleinen see unterhalb des ziels, würde ich noch laufen, aber dann wäre es auch genug.
nach kurzer zeit begann sich ein unangenehmer schmerz etwas oberhalb meiner rechten ferse bemerkbar zu machen – doch ich lief weiter. als ich meine füsse im lake mirror etwas kühlen wollte konnte ich schon eine deutliche blase erkennen.
auf einem schild war die restliche distanz zum teehaus mit 0,5 km angegeben. na dass würde ich jetzt auch noch hinter mich bringen, sagte ich mir, nicht ahnend dass damit die letzten 100 höhenmeter erst auf diesem letzten teilstück überwunden werden mussten. an einer shneefläche  kämpfte ich mich die letzten meter zu einer treppe hoch und dann stand ich in der mitte von drei bergen, welche ihr gletscherdecke im agnessee auslaufen lassen, an der hellbraunen blockhütte, dem “teahouse”.

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lake agnes

hatte ich mit fortgeschrittenen wanderInnen unterhalten, kam immer der punkt, an mir versichtert wurde, dass die wanderung zwar anstrengend wäre, sei man aber erstmal oben angekommen würde sich nur freude über das erreichte einstellen. genauso fühlte ich in diesem moment und ich war sprachlos von der schöhnheit dieses ortes.

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auf dem steinernen gasherd wurde mir ein gewürztee frisch zubereitet und ich sinnierte gerade noch über diesen traum von abgeschiedenheit und der schöhnheit der natur als mir die wirtin mit einem großen eimer pappbecher entgegenkam und diese in einen alten, rußgeschwärzten öleimer schüttete und diese anzündete.
wenn wir deutschen etwas richtig gut können dann ist es umweltschutz! ich glaube kein anderes land der erde hat die idee und dass bewußtsein “umweltschutz” so verinnerlich und perfektioniert wie wir. und ich gehöre dazu, ich trenne nicht nur gerne müll sondern ich kann es auch nicht ertragen ihn NICHT zu trennen. in diesem punkt kann ich den nationalparks ein gute note ausstellen. nicht nur papier und restmüll konnte ich getrennt entsorgen sondern auch für flaschen und dosen gibt es eigene müllbehälter.
ohne strom kochen, bio-tee und dann die pappbecher verbrennen – das geht gar nicht!
jetzt hat diese erlebniss nicht den wundervollen moment an diesem tollen fleckchen rocky mountains gestört und mich auch nicht im nachfühlen des endorphinschubs gehindert aber ein paar gedanken wie das nur per pedes zu erreichende “teahouse lake agnes” an teetassen und kaffeebecher oder anderes geschirr kommen könnte, habe ich mir dann doch gemacht.
meine lieblingsidee war die, eine aktion zu machen, jeder der mind. zwei tassen (gerne eigene oder mit einem aufdruck aus dem heimatland der wanderIn) bekommt seinen tee umsonst oder zum halben preis.

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