dickwurzmann vs. halloween

erschrocken fahre ich aus meinem (auch schon mal an einem feiertag aufkommenden 5-uhr-gefühl) auf, als es an der tür klingelt. spiderman und ein scream-maskenträger verlangen von mir süßes oder saures, während der vater mir entschuldigend vom treppenabsatz zulächelt.

leider führe ich aus gewichtsgründen schon seit einiger zeit keine süssigkeiten mehr in meinem vorratsschrank und ich kann mich gerade noch zurückhalten den kindern stattdessen lieber “was gesundes” in form von clementinen oder getrockneten apfelringen in die hand zu drücken – so lange ist dann meine kindheit nicht vorbei, dass ich mich an dieses absolute no-go erinnern würde.
auch verkneife ich mir eine belehrung über die verinnerlichung spätkapitalistischer unsitten und spare mir jede art von vulgär-anitamerikanismus, murmle noch wünsche für ein grusliges halloween und schließe entschuldigen die tür.

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während ich vor meinem “dia de los muertos” wandschmuck stehe, ein mitbringsel von der reise nach mexiko greife ich wie von einem totengeist besessen zu messer und kürbis und schnitze mir einen mr. halloween…

schon seit einigen jahren hatte ich geplant mir ein kürbisgsicht zu schnitzen und damit meine nachbarn zu erfreuen. jahrelang scheiterte dies an der abwesenheit eines balkon. dieses jahr ergab sich zeit und muße und so schuf mich mir letzte woche mit wenigen arbeitsschritten einen, wie ich finde sehr gelungenen beitrag zum vermeintlich “neuen” halloween-brauch.

 

das häufig gesungene lied, des keltischen brauchs welcher über die usa re-importiert wurde, möchte ich schon nach einer oberflächlichen recherche im internet nicht mehr mitsingen.
ich lese dort vom hessischen “dickwurzmann” und seinem thüringischen pedant “rubebötz”, der es wiederum dem “rummelbooze” aus dem saarland gleich tut und eine schnitzerei aus einer futterrübe darstellt, die als laterne herumgetragen wird oder im garten zur freude der mitmenschen aufgestellt wird.
die säschsische “flenntippln” und die aus meiner schwäbischen heimat stammenden “rübengeister”-bräuche (korrekt ausgeschprochen: riabagoaschter) unterscheiden sich von ihrem us-amerikanischen geschwistern nur noch darin, dass sich die herumziehenden kindern nicht verkleidet haben.
ebenso waren damit schon früher sog. “heischebräuche” verbunden, also unter androhung von streichen süßigkeiten “erheischen” wollen.

gleich scheint allen bräuchen die beschäftigung mit erntedank, dem vergehen in der natur (herbst) und der damit verbundenen einhergehenden beschäftigung mit geistern und dem tot (totensonntag) zu sein.
nun ist das moderne halloween, eher weniger von diesen dt. bräuchen abzuleiten sondern wurde wohl tatsächlich von irischen einwanderer ende des 19. jhrdt. mit in die neue welt genommen. inwiefern dieses keltische herkunft nur eine idee der nationalidentität stiftende “irischen renaissance” waren oder auf tatsächlichen verbindungen beruht, wird forscher sicher noch eine weile beschäftigen.
mir gefällt allerdings die vorstellung wie damals um 1900 herum in den vierteln von new york einwanderkinder aus dt. und irland sich gemeinsam in ihrer kreativität bestärkt haben und sich an verkleidung und gestaltung von kürbisen erfreut haben.
und wenn wir schon den modernen verkleidungsbrauch mit bajuwarischen pseudodirndl bei landesweiten “okotberfesten” aushalten, warum dann nicht auch kinderlachen und ein wenig licht im grau des spätherbstes?

in diesem sinne ein schönes halloween!

25 jahre friedliche revolution

drei begriffe werden für das ende der sed-diktatur und dem zusammenbruch der auch als unrechtsstaat bezeichneten ddr verwendet: “wende”; “mauerfall” und “friedliche revolution”.

während in berlin sich erst am 04. november in einer halb-staatlich organisierten demonstation menschen versammelten, sorgten vorallem die bürgerinnen und bürger in städten wie plauen oder leipzig für die wiedervereinigung.
besonders der völlig ohne organisation stattfindender auflauf für freiheit und demokratie am 09. oktober mit ca. 70. bis 80 tausend menschen, bei der die sed-diktatur nicht eingriff, stellte die eigentliche “friedliche revolution” dar.
“wir haben mit allem gerechnet – nur nicht mit kerzen”, soll später ein sed-funktionär gesagt haben.

wie jedes jahr wird in leipzig der jahrestag der friedlichen revolution mit einem lichtfest auf dem platz vor der oper gefeiert. musik oder theaterperfomances. bundestpräsident gauck, der erste präsident der sich der friedlichen revolution wirklich verbunden fühlt, war dieses und letztes jahr bei uns.
etwas ganz besonderes hat sich leipzig dieses jahr ausgedacht. wie damals konnte jeder den weg der demonstrantinnen und demonstranten über den abgesperrten innenstadtring gehen und bei balletperfomance, licht- und soundinstallationen diesen besonderen moment der deutschen gesichte nachempfinden.

meine bilder dazu habe ich in dieser gallerie zusammengestellt:

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professionelle bilder finden sich u.a. hier http://www.lvz-online.de/lichtfest-2013-in-leipzig/r-fotodetail-galerie-27808-1123941.html

einen artikel mit einer 360 grad ansicht findet sich hier: http://www.lvz-online.de/nachrichten/aktuell_themen/lichtfest–leipzig-gedenkt-der-montagsdemos/das-passiert-heute-in-leipzig-live-ticker-zum-lichtfest/r-lichtfest–leipzig-gedenkt-der-montagsdemos-a-257952.html

 

06. atze fährt auf jedenfall mit der bahn

letzte station auf der reise lag, wie auch die erste station in einem gebiet, welches zwar relativ nah an leipzig liegt, ich aber nie geschafft habe zu besuchen: der brocken im harz.
auch für mich als skifahrer wirkt die höhe von rund 1142m recht niedrig, jedoch kam mir die gegend des oberharz mit seinen bäumen und den den brocken umgebenden felsen wie gegenden in den rocky mountains (blog der letzjährigen reise). schon aufgrund seiner lage in einer sonst flachen gegend ist der brocken nicht nur wettertechnisch einzigartig.

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der wunsch nach einem anstrengenden aufstieg auch mit einer tollen sicht belohnt zu werden, erfüllt der touristisch sehr frequentierten berg nicht immer, so brach ich einmal eine reise zum brocken ab, da die webcam ein graues bild zeige und windgeschwindigkeiten von 120km/h angegeben wurden (die höchste gemesene windgeschwindigkeit auf der brockenspitze liegt bei 263km/h. nicht ohne grund wird heinrich heine, der den brocken als den “deutschesten aller deutschen berge” bezeichnete, angedichtet er hätte sich im gipfelbuch mit dem satz vermerkt: “viele steine, müde beine, aussicht keine, heinrich heine”.
doch dieses mal war, wie auf der gesamten caravan europa-tour, wunderschönes wetter und der 17,6 km lange wandertag von schirke wo auch das wohnmobil parkte, war ein grönender abschluss des urlaubs! (für details und wanderkarte hier klicken)

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für eine weitere reise habe ich mir die brockenbahn aufgehoben, ein schmalspurbahn welche sich, zeitweise immer noch mit einer dampflokomitive, seit über hundert jahren den weg unter lautem pfeifen zu deutschlands höchstgelegenen bahnhof erklimmt.

für hexen ist auf dem “blocksberg” außerhalb der walpurigsnacht keine saison,. jedoch war an diesem sonntag niemand alleine auf dem brocken – insbesondere nicht auf dem letzten kilometer wo sich alle naturpfade mit der straße vereinen auf dem sich pferdegespanne, downhiller, segways und andere wanderinnen und wanderer tummeln.

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im gegensatz zum hinaufgekeuchten aufstieg, hatte ich auf dem rückweg muse die gesichter der entgegendkommenden zu studieren. so fiel mir eine frau in tigerleggins mit hund auf, die von ihrem hinter ihr herkeuchenden begleiter angzischt wurde, dass er nicht mit der bahn nach unten fahren würde, worauf sie ebenso kurzatmig antwortete “atze fährt auf jedenfall mit der bahn”.
da sonst niemand mehr dazuzugehören schien, konnte sie nur ihren hund gemeint haben :-)

05. redehäuser und die deutsche sprache

nach der ersten woche der caravantour mit häufigen ortswechseln und vielen interessanten eindrücken und wertvollen begegnungen begann, mit der ankuft in zeeland, der zweite und gemütlichere teil der reise.

die niederländische provinz zeeland liegt in der nähe von antwerpen und rotterdam umfaßt einen teil landmasse, inseln und halbinseln und war namensgeber für die heute als new zealand bekannten inselgruppe. zeeland gehörte neben holland und fünf anderen provinzen zur “vereinigten niederlande”, dem vorläufer des heutigen staats und gibt damit recht leicht antwort auf einer der zwei fragen, welche ich mir jedes mal am anfang einer reise in die niederlande stelle, holland oder niederlande? 2014-09-25 12.27.32

nach einer langen fahrt über deiche und schmalen landstraßen fand das wohnmobil schließlich auf einem in google als campingplatz angeführten ressort für mehr oder weniger befestigte wohnwägen seinen stellplatz. dabei handelte es sich nicht, wie ich es bisher kannte aus aufgebockten wohnwägen mit vordach und gartenzaun. in dieser anlage waren die wägen richtig mit holz, metall und auch stein eingebaut und erinnerten nur noch entfernt an wirkliche wohnwägen. das ressort hielt nur einen kleinen kiesparkplatz mit strom und wasseranschluss für wohnmobile vor und wirkte auf mich eher wie eine alibi; evtl um den status eines campingplatzes zu behalten. dafür warjedoch die stellplatzgebühr so unverschämt billig, dass ich dies gar nicht bloggen möchte und die wirtsleute und nachbarn so herzlich und hilfsbereit, dass dies perfekte ort zur entspannung und “urlaub” wurde. 2014-09-26 17.28.06

das maritime, schon leicht herbstliche klima mit regenperioden, ließ genügend zeit für lesen, strandspaziergänge, radtouren und drachen steigen lassen.
bei den inselerkundungen fiel mir kleine hölzerne hütten an den ortsrändern der kleinen inseldörfer auf, die typsich niederländisch rundum mit fenster voll einsehbar waren und sich stühle oder sitzbänke darin befanden. da ich keine schilder, öffnungszeiten oder ähnliches daran fand, schloß ich die bildungs-bürger-variante mit einem kunstprojekt aus.
als ich mich bei der wirtin erkundigte, erklärte sie mir es seien “redehäuser” für alte männer. diese haben somit eine möglichkeit nach der pensionerung sich zu treffen und sich zu unterhalten.
das sprach mich als sozialarbeiter, der seine diplomarbeit über das thema “alterseinsamkeit” durchgeführt hat, besonders an. einen ort zur sozialen kontaktpflege abseits von (alkoholorientierter) kostenpflichtiger gastronomie und jenseits einer religiösen oder politischen vereinigung (gemeindesaal oder gewerkschaftshaus) – grandios!

(für details und karte der fahrradtour hier klicken)

wie schnell darf ich auf die verwendung der dt. sprache hoffen? ist die zweite frage, die mich bewegte. mit der campingplatzbesitzerin hatte ich im ersten moment englisch gesprochen, worauf diese mir in den ersten sätzen auch auf englisch geantwortet hatte. so wie ich ihren niederländischen akzent erkannte mußte sie auch meinen dt. akzent erkannt haben und sprach mich recht schnell auf deutsch an. sie fragte mich auch gleich frei heraus warum ich den nicht dt. mit ihr sprechen würde. ich antworte darauf, dass ich es für angebracht gehalten habe nicht gleich zu erwarten, dass in einem fremden land meine sprache gesprochen werden würde – was diese so stehen ließ.

in einem gespräch mit dem nachbarn erfuhr ich, dass sie sehr gern dt. sprechen würde, aber inzwischen weniger gelegenheiten dazu hätte. mehrheitlich hatte ich in meinem kontakt mit niederländerinnen und niederländer englisch gesprochen, da konversationen darin entweder besser oder einfach flüssiger möglich waren. wie schon in einigen ländern beobachtet, scheint es die ältere generation zu sein, die in einer anderen fremdsprache als englisch geschult wurde. während die vertreter meiner oder der nachfolgenden generationen sich nur noch auf englisch fixiert hat.

interkulturell korrekt wäre es wohl von mir gewesen, in holländisch zu fragen, welche sprache gesprochen werden sollte. aber im tourismus ist es denke ich ganz in ordnung wenn man sich des englischen sofort bedient.

04. hauptsache ‘ne gans

luxemburg zu besuchen war schon lange ein traum meinerseits. zum einen finde ich kleine staaten im allgemeinen von jeher interessant und luxemburg im besonderen, da ich es als das kernland des vereinigten europas ansehe. ohne mich genau im detail zu verlieren möchte ich mich als verfechter und verehrer der europäischen idee und seiner verwirklichung der europäischen union bezeichnen.
im vor fast genau fünf jahren habe ich auf meiner reise nach israel (http://riegeros.wordpress.com/israel-traveling-blog/) den luxemburger blogger christian (http://lforliberty.wordpress.com/) kennengelernt.
durch facebook und bloggen sind wir in (meinungs-)austausch geblieben. nun bot es sich auf der “caravan europa”-tour das angebot einer stadtführung wahrzunehmen.
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eine mich ansprechende stadtführung zu machen ist nicht sehr leicht. da ich selbst gerne wissen vermittle UND unterhalte, lege ich zum einen hohen maßstab an und bin zum anderen überzeugt einen schlechten von einem guten stadführerIn zu unterscheiden. ich bin gelangweilt von auswendig gelernten geschichtszahlen, genervt von vermeintlich lustigen anekdoten, die entweder frauenverachtend oder alkohlbezogen sind und damit enden dass die mehrheit aus höflichkeit lacht oder weil man nicht als jemand gelten will der “keinen spaß versteht”. von tourguids bin ich enttäuscht wenn ich hinterher keinen wissenszuwachs empfinde und werde schlichtweg ungehalten wenn rückfragen nicht erwünscht sind.
christian schaffte es eine führung durch die ober- und unterstädte von luxemburg-stadt zusammenzustellen, die sowohl interessant, anregend als auch unterhaltend war. er verstand es den rundgang chronologisch zur entstehung des jungen luxemburg aufzubauen und in den kontext der heruasbildung der beneluxstaaten zu setzten und würzte den rundgang u.a. mit unerhaltsamen aus der tagespolitik wovon ich gerne die schlüpfrigste weitergeben möchte.
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so ist die tatsächliche nationalflagge luxemburgs von den farben der des niederländischen staates sehr ähnlich. rot, weiß, mit einem helleren (böse zungen würden behaupten ausgewascheneren) blau. bekannt ist allerdings die weißblau gestereifte mit dem roten löwen. 2006 gab es eine auseinandersetzung über die abänderung der fahne: trikolore oder löwe. dieser streit ist unsinnig? dass dachte sich ebenfalls eine fraktion und machte sich den spruch “hauptsache ‘ne gans” zu eigen.  eine aussage eines gänseliebhabers, auf die frage ob er auch andere tiere möge. interessant wird dies allerdings erst wenn man/frau erfährt, dass dies im regionalen sprachgebrauch ein synonym für “eregiertes glied” ist. vielleicht sollte öfter so eindeutig auf unsinige debatten reagiert werden.
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die alte festungsstruktur der stadt ist an vielen orten der in den hangebauten stadt noch zu erkennen und vermittelt nicht den eindruck einer stadt in der der europäische gedanke eines progressiven miteinander verwirklicht ist. sehr sympathisch ist dabei, dass in dieser stadt nicht keine hektik zu spüren ist.
auch der faktor des “sich-gegenseitig-ausweichens” auf der straße, nach der ich die freundlichkeit einer stadt beurteile, ist in luxemburg sehr hoch.

abgeschlossen wurde der tag mit einer übernachtung in der einfahrt von christians eltern in esch-sur-alzette, der zweitgrößten stadt luxemburg.

an dieser stelle nocheinmal ein herzliches dankeschön für diesen unvergesslichen, lehrreichen und schönen tag und für die möglichkeit dieser einzigartigen übernachtungsmöglichkeit an christian!

03. wie gott in frankreich

zu gast bei meinem freund damien in nancy habe ich ein kapitel öffnen können, welches mir bisher verschlossen geblieben war, der genuss oder überhaupt die kenntniss von französischem essen.
meine reiseerfahrungen frankreich betreffend sind bisher eher bescheiden, ein kurzer besuch in avignon, strassbourg und paris im rahmen meiner interrail-tour vor 14 jahren und ein kurzer trip nach nizza im november 2011, vielleicht auch deswegen nicht verwunderlich.
besuche in französischen restaurants scheiterten dabei schlichtweg an meinen sprachkenntnissen und am budget. diese einschränkungen werden zwar bestehen bleiben aber nun weiß ich besser was ich verpasse :-)

von karlsruhe ging die reise weiter durch die vogesen nach nancy. nachdem das wohnmobil geparkt war und einer der ersten wege in ein winzigen weinladen führte, konnte ich mir schon ungefähr denken, wie gut es mir an diesem abend gehen würde.

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jakobsmuscheln in knoblauchöl mit schwarzem hawaiianischem salz und pfeffer als entree.
zum hauptgang wurde ente mit trauben, kräuter-schwenkkartoffeln und kürbis kredenzt und der abschluss bildete löwenzahnsalat mit speck in sahnedressing, dazu warmer ziegenkäse auf bauernbrot. dazu verschwanden drei verschiedene weine die ebenfalls besser waren als alle, die ich zuvor getrunken hatte.

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zum ersten mal in meinem leben verstand ich was mit dem ausspruch “essen/leben wie gott (bzw. das übergeordnete wesen monotheistischer religionen welches von gläubigen verehrt wird) in frankreich”, gemeint ist.
nicht nur den genuss der einzelnen spezialitäten empfand ich als außergewöhnlich schmackhaft und lecker. mich beeindruckte die sorgfalt mit der damiens freund gekocht hatte und mit denen die beiden die zutaten ausgewählt und gekauft hatten, enorm.

ich gestehe dass die zeit in der ich viel elan in das erlernen neuer rezepte und der zeitintensiven zubereitungen von mahlzeiten für mich oder für freunde eine besonderheit ist, welche ich in den letzten vier jahre, seit ende meines studiums, an einer hand abzählen kann.
ebenso nimmt essen nur selten für mich mehr als die gedanken “schnell”, “lecker” und “nicht zu teuer” ein. auf die nachfrage nach spezialitäten aus meiner region musste ich mich sehr anstrengend um nicht auf allgemeinplätze auszuweichen.

der wille geld, zeit und bewusstsein in essen zu investieren scheint in frankreich ein deutlich anderer zu sein, dass habe ich jetzt gelernt. themen wie glutenfrei, vegan oder bio scheinen in frankreich, im gegensatz zu deutschland nichts über die echte essens- und genussqualität auszusagen. ein interessanter gedanke, den ich mit nach hause nehme.

aber nicht nur gut essen sondern auch gut tanzen kann man im schönen städtchen nancy.

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02. dom zu speyer und das schiff der kelly-family

nach der kurzen stippvisite in der sächsischen schweiz, stand eine ca. 600 km lange querung durch deutschland an um gestern abend in speyer einzutreffen.
stellplatz für den nicht wirklich robusten fiat-ducato umbau-carvan war für die letzte nacht ein campingplatz direkt neben dem technikmuseum speyer. so erhebt sich statt elbsandsteingebirge hier eine ehemalige orginale boing 747 am horizont.

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ebenso säumen unzählige schiffe, panzer und flugzeuge das areal.
ortsfremde wie ich wundern, sich warum ein sehr ähnliches technikmuseum dem bekannteren, umfangreichenen sowie in der unmittelbaren nähe gelegenen technikmuseum in sinsheim (ca. 50km) konkurrenz macht?
eine art badisch-pfälzerischer kleinkrieg oder doch nur ein “same, same but different?
interessiert auftreten und einfach naiv fragen, heißt nicht selten mein vorgehen in so einer situation. dass sei man sich schon bewusst, gab mir die nette frau an der technikmuseum-hotel- und campingplatz-rezeption zu auskunft, ausstechen wolle man sich nicht, eher die unterschiede betonen – so sei der hauptaugenmerk in sinsheim auf zwei überschallflugzeugen (concord und tupolev) während man in speyer ein “space shuttle” ausstellen würde. ich als alter kosmonaut studierte darauf eingehend das museumsprospekt und entdeckte den bauernschlauen werbetrick der speyerer. so ist nicht eine u.s.-amerikanische space-shuttle ausgestellt sondern die geklaute russische version BURAN (die es ende der achtziger nur auf zwei ferngesteuerte erdumrundungen geschaft hatte), die ihr zwar äußerlich zum verwechseln ähnlich sieht, jedoch doch keine ist.
wer kann aber einem museum abgeneigt sein, dass unter seinen exponaten, das orginal kelly-family schiff ausstellt?

aber für eine runde “titanic-boot” war auf jedenfall zeit :-)

da heute noch ein verwandtenbesuch in pforzheim und eine hausbesichtigung bei freunden in karlsruhe ansteht ist nur zeit für einen stadtspaziergang und eine tour durch die weltkulturerbestätte dem fast 1000 (in worten tausend) jahre alten dom zu speyer.

01. die sächsische schweiz und die kernzonenschläferInnen

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gestern startete nach der fahrzeugübernahme die zweiwöchige caravantour durch deutschland, frankreich, luxemburg, belgien, niederlande mit der ersten etappe sächsische schweiz.

nach mehreren wochen regen und herbstlichem wetter strahlte die sonne heute morgen zum frühstück mit hochsommerlichen temperaturen.
scheiterte die outdoor nahrungsaufnahme in canada (zum canada-reiseblog hier klicken) meistens an temperatur, stechmücken oder dem fehlenden esstisch. das wohnmobil (echtes platzwunder) ist diesemal mit einem tisch ausgestattet, der sich sowohl innen als auch durch fünf handgriffe zu einem aussentisch verwandeln läßt. so begann der erste urlaubstag gleich camper-stilecht.

erste etappe und ein wunsch von mir seit dem ich vor viereinhalb jahren nach sachsen gezogen bin, ein besuch in rathen auf der basteibrücke.
nicht ganz alleine ist man dort, schon gar nicht an so einem sonnigen tag, aber dass tat keinen abbruch. die steinbrücke stellt den schon vor hundert jahren touristisch erschlossenen zugang zu einer festung aus dem 14. jhrdt.

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danach begann der abstieg durch die sog. “schwedenlöcher”. die durch erosion entstanden schluchten haben ihren namen aus ihrer zeit als sie als rückzugsort vor den marodierenden schweden im dreißigjährigen krieg dienten.

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ich kam mir in die wälder von ronja räubertochter versetzt vor, mit den bemoosten felsen und die engen hohlwege und ich kann mir ebenfalls sehr gut vorstellen wie unzugänglich diese gegend damals gewesen sein muss, wenn heute nur die befestigten wege eine erwanderung möglich machen.
leider entdeckte ich immer wieder müll und zivilisationsunrat abseits der wege, die in dieser als “kernzone” bezeichnetes gebiet des nationalparks von personen stammen, die sich dort einschleichen und wild campieren.

eine spannende geschichte für open-air-schläfer ist, wie mir erklärt wurde, das “bofen”. ein (falls auf gekennzeichneten flächen) erlaubtes übernachten ohne zelt in felsnischen oder terrassierte erdflächen.

nach diesem wissenszuwachs war jeder der mit einem rucksack, der über tagesmaß hinausging ein potentieller “kernzonen-schläferIn”, vielleicht aber auch nur ein souvenier-junkie..

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sonntags um 5

es ist eine ganz besondere zeit des wochenendes: es ist sonntag nachmittags um 5!

der sonntägliche sport liegt hinter mir, kuchen ist gegessen und der letzte milchschaum aus der kaffeetasse gelöffelt. über die welt habe ich mich informiert, die sozialen netzwerke abgesurft und ich schaffe es das gefühl zu unterdrücken, noch eine der häuslichen routinen zu erledigen.2014-08-31 sonntags um 5
und wenn ich dann keine lust verspüre noch jemand anzurufen oder eine email an einen liebe person zu schreiben dann, ja dann…
…dann ist es sonntags um 5 und ich erlebe den schönsten moment der woche!

nun ist es zeit, sitzen zu bleiben, eine musik zu hören, welche mich schon lange begleitet, im buchregal zu stöbern und und zu blättern, vielleicht sogar einen bildband anzusehen, oder in religiösen schriften. nun gelingt es mir meine gedanken an positiven erinnerungen vorbeigleiten zu lassen, alte bilder anzuschauen oder einfach kreativ zu sein…

an den meisten sonntagen komme ich gar nicht dazu dieses besondere gefühl einzufangen, da ich arbeite, nicht zuhause bin, mich von einem anstrengend samstag erholen muss oder weil ich mich auf eine geschäftliche reise ab montag vorbereiten muss, was als selbständiger natürlich auch unter der kategorie arbeit zu verbuchen ist.

in diesem sinne einen schönen sonntag nach 5 und mach etwas daraus!