musikalische erinnerungsfetzten 10 – die message für heute abend lautet: feierei!

zwar gab es diesesn berühmten ausspruch von sven väth erst fünf jahre später auf dem indoor-rave “timewarp” in mannheim, aber er galt genauso für diese nacht am vor 12 jahren

ein riesiges messegelände, 50 djs und 15 stunden party und eine masse von schwitzenden, tanzenden und feiernden leuten.

es war eine dieser nächte wo ich mich hinterher immer gefragt habe, warum ging das eigentlich so schnell vorbei und warum habe ich mir soviele gedanken im vorfeld gemacht?
und wieviele leute wissen gar nicht was sie verpaßt haben wenn sie sich nicht trauen etwas alleine zu machen? so wäre es mir fast auch mit diesem event gegangen.

zu dieser zeit war ich noch recht neu in der elektronischen tanzmusikszene und hatte außer diversen loveparades und der nature one (erinnerungsfetzten dazu folgt im august) noch wenige der richtig großen veranstaltungen miterlebt. gerade für diese timewarp hatten sich djs angekündigt wie carl cox und sven väth von denen ich in meiner anfangszeit nicht genug bekommen konnte. klar war und ist die mayday die größte indoorveranstaltung, aber dafür nach dortmund zu fahren? warum nicht nach mannheim, welches nur anderthalb stunden zugfahrt von stuttgart (wo ich damals noch lebte) entfernt lag?

frühzeitig fing ich an bei freunden und bekannten herumzufragen ob diese nicht lust hätten mitzukommen. aber wie es nicht selten verhält, gab es welche die kein geld hatten oder die dortigen djs zu “kommerziel” oder zu “mainstream” fanden.
natürlich gab es auch die, welche ihre zusage davon abhägig machten ob diese oder jene person   zusagen würde . andere wollten erstmal sehen, was noch so an diesem abend los sei und gäbe mir noch bescheid, eigentlich ein anders wort für dass als “silvester-syndrom” bekannte phänomen. [eine mischung aus sich nicht festlegen wollen oder sich um eine direkte absage drücken (ein typischer dialog: http://riegeros.wordpress.com/2011/01/07/the-same-prodcedure-than-every-year/).
sicherlich gab es auch andere welche vor der entfernung zurückschreckten oder denen die "timewarp" schlichtweg eine nummer zu groß im sinne von zu lang und zu anstrengend aussah.   zugegeben letztere gedanken hatte ich auch und diese bedenken wurden nicht weniger als es sich am abend vorher abzeichnete, dass keiner mitkommen würde. vielleicht kennt diese situation der eine oder andere , dass wenn man ersteinmal beginnt sich gedanken zu machen diese sehr schnell umfangreicher und ausufernd werden und nach einer zeit des nachdenkens ende scheint es völlig klar zu sein wie eine situation ausgehen wird, schließlich hat man sich doch alle eventualitäten schon dazu aus- und druchdacht, dass man zu dem schluß kommen könnte, es doch am besten nicht zu machen. diese gedanken beendete ich am samstagmorgen damit, dass ich in den laden lief und mir eine eintrittskarte kaufte!

2001-04-07 timewarp - vorderseite

2001-04-07 timewarp – vorderseite

ab dem nachmittag beschäftigte ich mich dann ausführlich damit was ich noch mitnehmen sollte und ob ich am bahnhof oder an der garderobe klamotten zum wechseln deponieren solle. ob ich nicht noch ein paar schnitten mitnehmen sollte oder ob zwei wasserflaschen nicht zu schwer werden würden. spätestens als ich den regionalzug nach mannheim stieg und die abteile voll mit leuten waren welche sich durch kleidung und styling eindeutig zuordnen ließen.
heute hätte vermutlich jeder musik durch smartphone und mp3-player beisteuern können, anfang der nuller jahre mußte man auch wenige enthusiasten hoffen, die sich mit einem “ghettoblaster” auf den weg machten und diesesn bis der zweite satz batterien verbraucht war wummern ließen.

damals schon mit unterstützung des internets hatte ich mir die lage und die verbindung ausgeschaut. und so bot es sich an, nach dem hauptbahnhof noch eine haltestelle ins industriegebiet weiterzufahren, da dieser näher an den messehallen lag – zumindest sah dass auf den plänen so aus. allerdings standen noch nicht die segnungen von  google maps zur verfügung und so hatt ich die eingzeichneten straßen nicht als unüberwindlichen autobahnzubringer einorden können. und da stand ich nun samstagabends um 10h im verlassensten winkel von mannheims industriegebiet und wollte doch nur auf eine party.
irgendwie schaffte ich es eine bushaltestelle zu finden an der jede stunde noch ein bus vorbeikam. ich war auch nicht der einzige der sich dieses abenteuer leistete, bis der bus dann um die ecke rollte, waren wir schon auf eine handvoll leute angewachsen, die “irgendwie eine abkürzung” hatten nehmen wollen.
der bus fuhr eine kleine schleife und brachte uns über den autobahnzubringen direkt zu den messehallen. der fahrer konnte sich nicht seinen kommentar verkneifen, dass es doch extra einen shuttlebus vom bahnhof geben würde…

auch wenn die schlange recht lang aussah vollzog ich die untersuchungen und das aussortieren von flaschen und spraydosen am eingang recht schnell. ebenfalls mußte man (heute undenkbar) fotoapperate abgeben, was zu der einen oder anderen hitzigen szene am eingang führte. dieses erlebnis brachte mich dazu mir für meinen fotoapperat beim festivalbesuch im sommer des jahres 2001 einen besonderes versteck am körper auszudenken (aber dazu mehr in einem folgenden erinnerungsfetzen).

endlich drin! eine verwirrende ansammlung von turnhallen bis fussballfeldgroßen hallen voller menschen! riesige leinwände und laut!
wohin zuerst? erst was zu trinken oder erstmal pinkeln? in welcher halle bin ich gerade, wer legt auf? wohin als nächstes? bleib ich jetzt hier oder verpasse ich was auf dem anderen floor?
mit diesen fragen und entscheidungen verbrachte ich die nacht und zur erinnerung für diejenigen für die es sich jetzt nicht so anhört: ich hatte einen riesigen spaß! meistens wenn ich nicht rechtzeitig zum dj xy auf dem blablabla-floor war oder wenn ich, wie dass bei der labyrinthischen anordnung der hallen einige male in dieser nacht vorkam, wo ganz woanders landete als ich es vorgehabt hatte.

dass ich alleine unterwegs war, machte mich mobil und entscheidungsfreudig und ich fand an jeder ecke gesprächspartnerInnen, die entweder ihre “gruppe” verloren hatten, diese suchten oder froh waren, dass sie sich absetzen konnten. oder ich wurde kurzerhand in die gruppe integriert und ich mußte mich schon fast zwingen doch mal wieder tanzen zu gehen. oder ich fand nach dem bier holen nicht mehr zurück weil ich wieder bei anderen mitravern hängen geblieben ist.
manchmal klingen solche geschichten unglaubwürdig, aber darauf kann ich nur sagen, dass der “laber-faktor” auf partys elektronischer tanzmusik einfach enorm hoch ist, höher als bei manch anderen musikszenen die ich kennengelernt habe.

2001-04-07 timewarp - rückseite

2001-04-07 timewarp – rückseite

besonders sind mit in erinnerung geblieben ist mir dj hell in einem winzigen floor wo er auf augenhöhe mit den tanzenden auflegte oder dj dag der eigenen floor die gesamten 10 stunden alleine bespielte. unvergesslich auch die sets von carl cox und sven väth welche nacheinander auflegten und den größten floor zum kochen brachten. am bemerkenswertesten war, dass sich die tanzrichtung – welche bei elektronischer musik selten auf die bühne gerichtet sein muss – bei sven “papa” väth tatsächlich änderte!
während ich mir immer einen platz an einer säule im hinteren teil such, wo ich auf genügend platz zum tanzen habe versuchte ich an diesem abend mal einen genaueren blick auf den meister zu werfen und so wurde ich augenzeuge seiner grandiosen show für die er sich an diesem abend unterstützung aus einer atemmaske holte.
dass er hier sechs jahre in die herliche stimmung hinein die passenden und legendären worte  “die message für heute abend lautet: gudde laune” (nachzuhören auf http://www.theshrine.de/) sprechen sollte kann ich sehr gut nachvollziehen. zwar sollte er am besten wissen, dass ein dj während eines sets am besten die klappe halten sollte aber damit plapperte er sich auch verbal in die analen der elektronischen tanzmusik-geschichte was selbst der faz einen artikel wert war.

als ich am nächsten morgen in das morgendliche sonnenlicht stolperte und mir meine frühstücksbratwurst mit kaffe auf dem openair-floor schmecken liess traf ich nicht nur einige der leute wieder, welche ich an diesem abend kennengelernt hatte sondern fand auch noch einen 50,- dm-schein welchen ich noch in einem weiteren fach meiner gürteltasche versteckt hatte und im laufe der nacht verloren geglaubt hatte…

was für ein wundervoller warmer aprilsonntag und ein wunderbarer startschuss in den (musikalischen) sommer rein!
erzählt in den nächsten musikalischen erinnerungsfetzen…

musikalische erinnerungsfetzen teil 9 – niemals zu den toten hosen gehen

wie schon im vorletzten erinnerungsfetzen, über die poppunkband die ärzte (http://riegeros.wordpress.com/2013/04/06/musikalische-erinnerungsfetzen-teil-7-gib-gas-lieber-michael-schumacher/), gab es eine weitere band die sich den unmut echter punkrocker zuzog: die toten hosen. doch nur eine band hatte auch den mut dies zuzugeben, es waren die männlichsten girls der welt, die punkband: yeti girls!

definitionsfaktor einer gruppe ist u.a. wie sich die angehörigen einer gruppe gegen andere abgrenzt und das bedeutete für mich mitte der neunziger jahre eine klare unterscheidung zu machen zwischen kommerziellem und unkommerziellem punkrock. vom heutigen standpunkt betrachtet ist dass natürlich zum totlachen, welche argumente als erklärung für diese oder jene kategorisierung galten. leicht war natürlich solche bands wie ärzte oder hosen, die konnten behaupten was sie wollten, die hatten sich “verkauft”, standen in der bravo oder stolperten durch talkshows.

1997-04-12 yeti girls (klicken zum vergrößern)

faktisch hätten eigentlich nur bands als wirklich unkommerziell gelten können
welche ohne werbung in der nachbarlichen garage auftraten, aber es gab eine grauzone, wo man sich noch einreden lassen konnte, dass seien noch “wahre” punkrocker. lustigerweiße gab es immer bands die über jeden zweifel erhaben waren wie die “sex pistols” oder später auch “green day” obwohl beiden bands natürlich nur so bekannt sind weil sie ab einem gewissen punkt durch ein majorlabel vermarktet wurden.
zu einer band in dieser grauzone gehörte ebenfalls die band yeti girls, eine reine männerpunkband aus der nähe von düsseldorf, die in den neunziger jahren einige alben vorlegte. ich hatte die gelegenheit diese 1997 in der “juze backnang” (http://www.juzebacknang.com/de/) ein konzert zu besuchen. dieses älteste, inzwischen als einziges noch bestehende selbstverwaltete jugenzentrum deutschlands gibt es seit 1971 und war schon damals über jeden verdacht einer spielstätte für kommerzielle musik erhaben gewesen (und ist es heute sicher auch noch).
auch der preis von DM 15,-, sprach natürlich von einer unkommerziellen gesinnung der band. ich erinnere mich noch sehr gut an diesen dunklen, engen keller in der juze mit der niedrigen decke von der nach kurzer zeit das kondenswasser tropfte.
lag es an der band (der frontmann trat in frauenkleider auf, wie sich das für ein richtiges “girl” auch , die gute stimmung verbreiten konnte oder die mischung der leute in der juze, es war ein großartiger abend! leider dauerte die heimfahrt etwas länger und es war recht umständlich wieder nach hause zu kommen, da damals das nachtbus-system auf dem land noch in den kinderschuhen steckte. aber ich schwärmte noch lange von diesem konzert und dem “echten punkrock”

wenn ich heute an meine damalige verehrung der punkmusik denke, fallen mir auch gleich dieses kontert ein oder das von WIZO, welches ich im mai des jahres 1996 besucht hatte doch davon in einem der nächsten musikalischen erinnerungsfetzen…

musikalische erinnerungsfetzen teil 8 – guildo hat euch lieb oder warum auf konzerten so oft agressive stimmung herrscht

piep, piep, piep guildo hat euch lieb!

mal ehrlich wer kennt dieses lied nicht? und wem ist guildo horn kein begriff? und das obwohl es seit dem hype 15 jahre vergangen sind und er noch zu prä-youtube zeiten stattgefunden hat. den außer dem 7. platz am eurovision song contest und platz 4 der dt. singlecharts: guildo war der mann zur richtigen zeit. und kuhglocken als musikinstrument auf dem songcontest –   dass war wirklich einzigartig!

wie eine bombe schlug er 97/98 ein! plötzlich durfte man (mit einem deutlichen augenzwinkern) wieder sagen, dass man nussecken möchte und dt. schlager toll fände (vorallem auf die melodie von i will rock you)

vielleicht war es sogar das erste mal das ein verpöhnter lebens- und musikstil von einer retro-kult-welle aufgegriffen wurde und zu einem hype stilisiert wurde.

der eurovision song contest, heute von seinen talentshow-nachfolgern zum einheitsbrei verrührt und bar jeder einzigartigkeit hieß damals noch “grand prix de la eurovision” und war nicht nur uncool sondern auch mehr als uninteressant. selbst stefan raab, damals noch am üben und ein kleines musik-sparten-sender-moderatoren-licht und versteckte sich vorsichtshalber unter einem pseudonym, welches den platzhirsch ralph siegel mit den alias “alf igel” persiflierte.

zugegeben nicht jeder war so begeistert sich gleich eine konzertkarte für guildo horn zu kaufen wie ich!
wie schade – denn so kam ich in den genuß eines der spaßigsten konzerte mit einer ungeheur nahen interaktion ziwschen guildo und uns dem publikum. ob seine entertainment-qualitäten auf seine proffesion als musiktherapeut kann ich mir sehr gut vorstellen. die nähe ging sogar soweit, dass er sich oberkörper frei durch die menge schob und ich ihn schweißnaß berühren konnte/durfte/mußte. diese berührungs-erinnerung (eine königsdisziplin unter den star/fan-begegnungen) ist zwar nicht so toll wie die bei skunk anansie (siehe musikalische erinnerungsfetzen teil 7 (http://riegeros.wordpress.com/2013/02/17/musikalische-erinnerungsfetzen-teil-3-mindestens-vier-wochen-die-hand-nicht-mehr-gewaschen/) aber trotzdem höhepunkt einer grandiosen konzerterinnerung.

damals wie heute reagieren meine gegenüber, denen ich von meinem guildo-konzert vorschwärme recht zurückhaltend. vermutlich fällt es auch schwer sich das musikalische spektrum vorzustellen oder sich in die stimmung hineinzufühlen.
die texte waren überdreht kitschig und es gelang mir oft schon beim erstenmal mitzusingen. musikalisch erinnere ich eine härtere rockige gangart und zwischen den eigenen lieder mischen die “orthopädischen strümpfe” immer wieder cover-hommagen mit neuen texten so wie das obige youtube-video zeigt.

1998-04-07 gildo horn - vorderseite (zun vergrößern klicken)

1998-04-07 gildo horn – vorderseite (zun vergrößern klicken)

wie oft habe ich bei akkustischen musikkonzerten eine agressiv-ernste stimmung erlebt. mit hochgezogenen schultern und bösen blicken schotten sich diese grieskrämer (häufig engumschlungene päarchen) gegen die erzwungenen nähe ab.
“hoffentlich spielen die mein lied”
“eigentlich ist es mir zu eng”
“wenn ich mich jetzt bewege, hält man mich für schwul”
“was sind den das für kids/rentner hier?”
- gerade in letzterem gedanke kommt ein gewisses unverständis den anderen konzertbesucher zum ausdruck, in dem man dem anderen den zugang zu der band/star abspricht und glaubt, weil einem die musik über diesen liebeskummer geholfen hat oder sie bei jenem tollen sex im hintergrund gedudelt hat, die musik besser zu verstehen als derjenige der einem die sicht versperrt oder den ellenbogen beim tanzen in die seite rammt.
ja, es ist eng auf einem konzert und ich kann bei einem 100.000 leute konzert auch nicht erwarten etwas außer der leinwand zu sehn. dann sollte man etwas (mehr) sparen für die besseren karten oder sich die dvd anschauen und nicht anderen ihr konzerterlebnis zu vergällen.

aber alles nicht so bei gildo horn auf der open-air-bühne in stuttgart killesberg. bei milden vorsommerlichen temperaturen am 07.04.1998 ein familiäres konzert, wo jeder sich über und mit den anderen freute und wir uns gemeinsam vom “meister” verzaubern ließen.
vielleicht am ehesten mit einer positiven kanrevalsstimmung zu vergleichen, wenn jemand schonmal die möglichkeit hatte echten (kölner) karneval zu erleben. nicht die druckbetankung mit alkohol (neudeutsch: binge-drinking) und das möglichst derbe balzverhalten steht dabei im vordergrund, sondern das gemeinsame erleben von positiver gemeinschafltichkeit mit lustigen texten in gelößter stimmung – genauso erinnere ich das konzert mit guildo inklusive bolognese!

eine bolognese während eines konzerts habe ich danach nur noch einmal erleben dürfen, beim ähnlich familiären konzert der ska-band “no sports”, aber davon mehr in einem anderen musikalischen erinnerungsfetzen…

musikalische erinnerungsfetzen teil 7 – gib gas lieber michael schumacher

wenn die ärzte auf die bühne kommen ist spaß angesagt, so lockte mich ein guter freund damals auf ein konert der ärzte und er hatte recht!

1996-04-07 die ärzte - vorderseite (zum vergrößern klicken)

1996-04-07 die ärzte – vorderseite (zum vergrößern klicken)

wie ich mich selbst immer wieder staunend, meistens schmunzelnd aber auch manchmal verständnisslos den kopf schüttelnd frage, was ich an dieser band und ihrer musik gefunden habe, so gehören auch die schlechtesten musikalischen fehltritte zu den eigenen erinnerungen und als solche will ich auch die ärzte stehen lassen obwohl ich heute sicher die wenigsten lieder noch komplett aushalten würde.

1996-04-07 die ärzte - rückseite (zum vergrößern kicken)

1996-04-07 die ärzte – rückseite (zum vergrößern kicken)

in der rückschau heute 17 jahre später in der ich meinen musikgeschmack etwas ausgeweitet habe, führte ich so manches gespräch über die musik dieser band geführt und der eine oder andere der mich kennt wundert sich vielleicht warum ich diese konzertkarte nicht einfach unterschlagen habe. aber hier im rahmen der musikalischen erinnerungsfetzen möchte ich die ärzte einfach als band hinnehmen die lustige popmusik veröffentlicht hat. und schluß.

nach auflösung und ihrer wiedervereinigung brachte die band 1995 das album “planet punk” heraus, dass so muss ich zugeben auch besitze. “schunder song” und vorallem der doch recht hintergründige ddr-ostalgie hinterfragende song “hiphip hurra”, waren unglaublich tolle spaßige titel mit einer ungeheuren energie die mir damals im alter von 18 jahren natürlich beim mittanzen und mitgrölen ungeheure freude bereitet haben und mich total verschwitzt nach einer dritten zugabe fordern ließen. auch die große entertainment-show für was die band auch heute nch bekannt ist ließen das konzert zu einer großartigen erinnerung werden.

schade war nur, dass das lied “gib gas lieber michael” nicht gespielt wurde – auch heute noch eines der absolut großartigsten, wenn nicht sogar besten lieder dieser band.

als völlig ungeeignet ist mir die konzertlocation in der alten messe stuttgart in erinnerung geblieben. mag seltsam klingen aber so schlecht war es zum glück nie wieder. die messe, welche damals noch am killesberg war, hatte weder flair noch die kapazität an toiletten oder um frisches (bier)wasser nach vorne zu bringen.

ganz anders war da das konzert von gildo horn über dass ich als nächstes blogen werden…

musikalische erinnerungsfetzen teil 6 – musik und kunst

zuviel auf einmal und mehr weg als ziel, dass ist eine situation welcher man sich bei einem festival, einem rave oder eben bei einer “langen nacht der museen” stellen muss – so auch am 20.03.1999.
wie ich mich auf die spuren der hitler-tagebücher begab und eine museumswärterin bezierzte, davon handelt dieser erinnerungsfetzen

lt. wikipedia fand 1997 die erste “lange nacht der museen” in berlin statt und ich glaube  mich daran zu erinnern, dass stuttgart, wo ich damals gelebt habe, recht schnell nachgezogen hat und es 1999 schon das zweite mal war.

lange nacht der museen 1999

lange nacht der museen 1999 (zum vergrößern klicken)

kurze erklärung für diejenigen, die dieses konzept nicht kennen. die “lange nacht der museen” ist nicht wirklich eine nacht sondern eher ein langer abend. diverse museen der stadt oder des kreises, galerien, theater, konzethallen und sonstige orte an denen kunst ausgestellt wird oder veranstaltet wird öffnen abends ihre türen. es gilt eine für alle veranstaltungsorte gültige eintrittskarte, die auch zum benutzen der öffentlichen verkehrsmittel berechtigt. für besonders weit entlegene orte fahren busshuttles. das besondere sind die vielen sondersachen welche in den sonst ruhigen museen stattfinden, wie bandauftritte, kunstperfomances, lesungen und was zu trinken gibt es immer, oft auch leckers fingerfood.

die broschüre, in welcher sich alle veranstaltungsorte vorstellen, umfasste schon damals die dicke eines kleineren telefonbuchs und so versuchte ich im vorfeld einen möglichst sinnvollen weg durch die stadt zu planen. eine meiner charaktereigenschaften war und ist, dass ich denke, durch gute planung möglichst viel erleben zu können – was manchmal völlig unverständlicherweiße nach hinten losgeht, nicht jedoch an diesem abend.
vielleicht auch weil ich an diesem abend in einer kleinen gruppe unterwegs war, in der wir uns schnell einig wurden und uns auch zum richtigen zeitpunkt trennten. vielleicht aber auch weil damals noch nicht soviele einrichtungen mitmachten oder am anfang noch echte geheimtipps darunter waren unter denen sich viele einfach nichts vorstellen konnten und daher lieber zu anderen orten gingen.

 

käsebaguetts

so sprach sich herum, dass im französischen konsulat, eine schöne alte villa in stuttgarter hanglage eine interesante sammlung von moderner kunst zu finden war. so waren die leckeren handgefertigten käsebaguetts bei einem meiner späteren besuche nur noch aufgetaute fertigwaren.

teilweise war es schon sehr voll, meistens gerade in den großen museen, die ich bei späteren besuchen dann auch mied. erinnerungswürdig war an diesem abend trotz der großen massen in der kunsthalle des würtembergischen kunstvereins, wo ich meine begeisterung für installationen entdeckte.

 

auf den spuren der hitler-tagebücher

einer der besonders spannende entdeckungen war an dieser langen nacht, der besuch in der galerie des hitler-tagebuch-fälschers kujau. generell bot es sich an, so eine lange nacht der museen für orte zu nutzen in die ich mich sonst nicht “trauen” würde, weniger im sinne von angst als von einem gefühl der deplaziertheit. und da gehören auch heute noch galerien dazu. ich habe noch niemand kennengelernt der ohne mit der wimper zu zucken in eine galerie hineingehen, sich dort die bilder wie in einem museum anschaut und dann mit einem fröhlichen “wiedersehen” hinausgehen würde. den feindseligen “du-kaufst-doch-sowieso-nichts-blick” aushalten zu müssen würde mich davon abhalten mich auf die  ausgestellten kunst einzulassen. nicht aber in der anonymen masse. so ließ ich mich während einem solchen abend, durch die galerie schieben und wunderte mich über die preise, wiegte verständniszeigend den kopf, trank ein gläschen sekt und machte mich auf zum nächsten.

so machten wir es an diesem abend auch in der galerie des berümmtesten fälschers deutschlands. nachdem kujau aus dem gefängnis gekommen war, hatte er mit seinen “echten kujau-fälschungen” eine galerie eröffnet. ausgestellt waren dort matisse, piccaso und rembrandt – aber das größte spektakel war die bar, wo der künstler die besucher mit lustigen sprüchen unterhielt. uwe ochsenknecht stellt ihn im film “schtonk!” anders dar, aber ich fand den echten kuja recht sympathisch. ein jahr darauf verstarb kujau leider an einer krebserkrankung.

 

vogelnester und andere befindlichkeiten

in einer anderen galerie fand ich dieses “vogelnest” (auf dem foto leider in schlechter qualität zu sehen) ein mehrere meter durchmessendes, aus weiden geflochtenes, vogelnest. gerne hätte ich mich einmal hineingelegt…

das große "gemütliche" volgelnest (zum vergrößern klicken)

das große “gemütliche” volgelnest (zum vergrößern klicken)

eine interessante übung an diesem und anderen langen museeumsnächten ist es die unterschiedlichen reaktionen der anderen besucherinnen und besucher zu beobachten. die spannweite der körpersprache reicht dabei von völligem unverständnis zu einem bedächtigen annerkennenden und kunstverständnis (oder zumindest vorgetäuschtem) signalisierenden kopfwiegen.
um gespräche zu belauschen braucht man sich im gedränge nicht großartig anzustrengen. sätze die in das spektrum “ist das kunst oder kann das weg” oder “abgestrakte (sic!) kunst” gehören, fallen dann schonmal. ob als spaß oder ernst.
bei sich selbst und bei anderen zu beobachten ist, die immer wieder zum ausdruck gebrachte verwunderung oder enttäuschung sich etwas anderes vorgestellt zu haben und “jetzt waren wir doch solange unterwegs um hierherzukommen…”.

eine herkulesaufgabe ist es sich mit kleinkindern in diesen lagen abend zu stürzen. einer solchen nervenstärke kann ich nur meinen respekt zollen. mir kommt da immer wieder meine eigene kindheit in erinnerung, als ich es ungeheuer langweilig fand in einem museum oder schloss nichts anzufassen. so konnte man mich noch mit in aussicht gestellten belohnungen oder wenn das nichts half zumindest mit maßreglung oder verboten über die zeit bringen. kleinkinder schreien dann einfach…

 

durchtanztes museum

nachdem sich unsere gruppe getrennt hatte, trieb es einen guten freund und mich in das völkerkundemuseum. ein alterwürdiges und daher verstaubtes image hatte dieses museum damals gehabt und wir waren recht am ende unser tour, wollten kurz die gelegenheit ergreifen mal reinzuschauen um dann zu entscheiden ob sich ein besuch in “ruhe” lohnen würde. wir staunten nicht schlecht als uns dort eine quirliges internationales publikum, wundervolles afrikanisches essen und gegen später noch eine  lebendige ethno-rockband an den grundfesten des museums wakelte.

sehr schöne erinnerung habe ich auch noch an die in ihrer überfordertheit süsse museumswärterin, die sich von uns überreden ließ uns eine ganze weinflasche zu verkaufen – natürlich mit einen kleinen abschlag gegenüber dem gläserpreis die sie sonst anbot. während unserer charmeoffensive dachte keiner von uns an den korkenzieher. als wir uns durch die tanzende menge nach vorne gekämpft hatten, wollte keiner von uns den weg wieder zurücklegen und wir taten etwas, was nur bei billigem wein zulässig ist – wir drückten den korken durch und ließen den weingeist einen guten mann sein.

andrang am gang (zum vergrößern klicken)

andrang am gang (zum vergrößern klicken)

ich glaube solche ausufernden museumspartys und den andrang von “laufgästen” wurden zum anlaß genommen das event zu teilen. anfang der nuller jahre fand jeweil im frühjahr und herbst eine partyorientierte “kulturnacht” und eine etwas ruhigere “museumsnacht” statt – eine tolle nacht mit faszinierenden eindrücken und viel lustigem sozialem miteinander in engen schlangen und überfüllten bussen inklusive war es immer!

musikalische erinnerungsfetzen teil 5 – das world-wide-weekend

romantik, abenteuer in der fremde, bier, einen nicht mehr existierenden radiosender und unglaublich angesagte bands das sind die erinnerungen an das micro-festival „worl-wide-weekend“.
ich weiß zwar dass die wahrscheinlichkeit sinkt, dass blogartikel zu ende gelesen werden je länger sie sind, aber diese 16 stunden voll mit erinnerungen wollen einfach in mehr als drei absätzen erzählt werden. für ganz eilige habe ich den artikel zum gezielten lesen in kapitel unterteilt.

„bands“

bäcker und oli holen mich ab...

bäcker und oli holen mich ab…

vor über fünfzehn Jahren am 01.03.1997, machten drei freunde daniel, oli, bäcker und ich uns auf um mit dem zug, von stuttgart ins anderthalb stunden entfernte karlsruhe, zu einem in jeder hinsicht einmaligen konzertfestival zu fahren. wie auf dem foto zu sehen ist, war es für anfang märz schon recht warm.
auch wenn die bandnamen „h-blockx“, „faithless“, „no doubt“, „crash test dummies“, heute vielleicht nur noch wage erinnerungen hervorrufen – mitte der neunziger waren diese bands entweder im komentenhaften aufstieg begriffen oder auf dem zenit ihrer populärität.
während die kanadische rockband „crash test dummies“ noch von ihrem one-hit-wonder „mmmh mmh“ zehrte, etablierte sich die crossover-band „h-blockx“ mit ihrem zweiten album als feste größe in der riege deutscher alternativ-idependent-bands.
den charterfolg „insomia“ der gruppe „faithless“ mit dem trancigen mittelteil klang anfang 1997 noch im ohr.

ticket vorne (zum vergrößern klicken)

ticket vorne (zum vergrößern klicken)

aber insgeheimes highlight, war damals die vom veranstalter kurzfristig hinzuengagierte newcommerband „no doubt“. dessen hit „don´t speak“ lief mindestens dreimal am tag im radio. wie auf dem foto zu sehen ist, wurde der name der band noch nachträglich auf die eintrittskarte gestempelt – welche arme azubine oder azubi, dafür wohl überstunden schieben musste?

37,- dm eintritt erscheinen nicht nur heute spottbillig – er war es auch damals! einzelne konzerte kosteten mitte der neunziger jahre, wenn es nicht gerade die stones (konzerterinnerung dazu kommt im sommer) waren zwischen 30,- bis 60,- dm. trotzdem war es für meinen mageren azubi-geldbeutel nicht gerade wenig, aber die welt zu gast im „wilden süden“ (ein motto des veranstaltenden radiosenders), dass konnte ich mir doch auf keinen fall entgehen lassen?

„bier“
in karlsruhe waren wir, außer mit vielleicht unseren eltern in kindertagen, noch nicht gewesen also wussten wir nicht wirklich wie wir vom bahnhof zur schwarzwaldhalle kommen sollten. in prä-googlemaps zeiten kaufte man sich doch nicht wegen einem abend einen stadtplan. aber wir waren uns absolut sicher, dass wir unseren weg zum veranstaltungsort schon finden würden. wichtiger als solche unsicherheitsgedanken war damals vor allem eines: bier!
wie erwachsen und (vor allem männlich) wir uns damals vorkamen mit dieser pappschachtel und diesen kleinen braunen runden 0,33 flaschen, die heute schmaler und höher sind. richtig gut schmeckten diese erst richtig wenn man sie in der tankstelle (dem spätverkauf der alten bundesländer) gekauft hatte und mit dem feuerzeug aufgemacht hatte. einen flaschenöffner am schlüsselbund war nur was für nichtraucher. nervig war, dass man eigentlich erst am bestimmungsort anfangen konnte zu trinken, da das pappkarton-gebinde sehr instabil wurde wenn man erstmal eine der flaschen herausgebrochen hatte.
mit einer leeren sixpack-pappschachtel auf dem kopf durch die gegend zu laufen und sich wie der („bier-“)kaiser in dem märchen mit den neuen kleider zu fühlen, ist ein privileg unserer jugend gewesen und natürlich habe ich dies nur beobachtet und niemals selbst getan ;-)

 

„romantik“

gleich am bahnhof fügte sich das schicksal so, wie es eigentlich nur in filmen oder romanen erfunden wird um die geschichte zu einem glücklichen ende zu lenken zu lenken: wir vier jungs lernten vier mädels kennen!

„wisst ihr wo es zur schwarzwaldhalle geht?“
„zum world-wide-weekend?“
„da wollt ihr auch hin?“
„dann lasst uns doch zusammen gehen!“

auch steffi, andrea, julia und heike freuten sich auf die einmalige zusammenstellung von bands und waren ebenso wie wir erfüllt mit jugendlichen selbstvertrauen, dass einem nur gutes widerfahren wird, wenn man nur endlich etwas ohne seine eltern unternimmt.
die wahrscheinlichkeit, dass man als gruppe eine andere trifft und sich alle in wohlgefallen aufteilen ohne dass es streitigkeiten gibt, ist so was wie ein fünfer im lotto, mit zusatzzahl wenn man sich auch hinterher nicht streitet – an diesem abend war es so! mag sein, dass ich es mir im nachhinein schönmale oder ich habe es mir damals so eingeredet. vielleicht haben wir es an diesem abend alle acht getan und diesen diamantenen moment als geschenk des lebens angenommen.

unsere gruppe bei der ankunft in karlsruhe (mit sixpack)

unsere gruppe bei der ankunft in karlsruhe (mit sixpack)

den weg zu finden stellte sich als keine große schwierigkeit heraus da der ausgang des bahnhofs nur durch einen kleinen park getrennt gegenüber der veranstaltungshalle lag. wir liefen also direkt drauf zu. als wir dort ankamen, hatten wir uns vorgestellt und bis wir drinnen waren war es klar wir würden den abend zusammen verbringen! wie es zustande kam, dass gerade heike und ich uns zusammengesellten, kann ich nicht mehr nachvollziehen, aber ich erinnere mich dass sie dunkle lange haare, strahlend grüne augen und ein sammelsurium von halsketten, dass ich nie wieder bei einer anderen frau erlebt hatte.
wie viele leute da waren kann ich nicht mehr rekonsturieren, aber lt. wikipedia passen 3500 leute in die konzerthalle. ich kann mich erinnern dass wir im hinteren drittel standen und wir uns zwischen den verschiedenen bandauftritten um unsere rucksäcke und taschen auf dem boden gemütlich ausbreiten konnten.

wir waren so eingenebelt in musik und glück, dass wir von den „vorbands“ nicht viel mitbekamen. schließlich verlängerten sie doch die wartezeit auf die geheimen headliner des abends, „no doubt“. ich glaube mich auch daran zu erinnern dass bei „crash test dummies“ einige gebuht hatten.
ein klein wenig schlecht war mir auch, denn die mädels hatten noch zwei anderhalb liter flaschen lambrussco (das weiblich äqvivalent zum jungmännlichen bier-sixpack) an den ordner vorbeigeschmuggelt – aber so schmeckte das abenteuer!

 

als dann gwen stefani von „no doubt“ über die bühne rockte war alle schüchternheit vergessen und ich punktete bei heike mit textkenntnis. ob wir uns jetzt bei „just a girl“ geküsst haben oder sich schon  zwei lieder vorher schon ihre hand scheu in meine geschoben hat und es andersherum gewesen war, weiß ich nicht mehr nur dass ich selten den moment so genossen hatte und das gefühl hatte das alles, aber auch wirklich alles passen würde.

wann die anderen „päarchen“ ihre ersten annäherungen erlebten, hüllt sich ebenso in nebel wie das wie und wenn ich es noch wüsste, ich würde es nicht preisgeben. nur soviel – ich war sehr überrascht war, das oli, der sonst am schüchternsten von uns war der erste war, der knutschend dastand – aber warum sollte die initiative nicht auch von ihr ausgegangen sein?

daniel unser größter und stärkster spielte irgendwann seinen kraft-joker und hob seine konzertgefährtin auf den rücken, wo wir anderen natürlich nicht nachstehen konnten. soweit ich mich erinnern kann, war es auch das einzige mal in meinem leben, dass ich eine frau auf den schultern gehabt hatte.

viel zu schnell ging es alles vorbei und alles lautstarke einfordern einer dritten zugabe von „h-blockx“  brachte nichts. als heike von meinen schultern kletterte, die ich für das letzte lied (romatischerweiße natürlich „little girl“) und wir beide in das licht der konzerthalle blinzelten, war klar, dass wir nun der zeitpunkt des abschieds gekommen war.


eigentlich hätten die vier einen zug früher nehmen sollen aber andrea hatte zwischendurch eine telefonzelle gesucht und ein eltern-taxi für eine spätere verbindung organisiert.

auf dem weg zum bahnhof schmiedeten wir die tollsten pläne, dass wir uns bald doch besuchen würden, vielleicht auf diesem oder jenem konzert, dass bald anstand. so lustig und fern wie es heute klingt,  wir haben nicht nur die telefonnummern ausgetauscht sondern vor allem die postanschriften um uns zu „schreiben“. den keiner von uns hatte damals schon den luxus eines eigenen handys oder telefons. schließlich wohnten wir noch bei den eltern und die ohnehin schon scheißtreibende schwierigkeit romantische sätze stotterfrei herauszubekommen verbesserte sich nicht dadurch, im wohnzimmer mit der versammelten familie als publikum („hier ist ein mädchen, dass dich sprechen will“) im rücken auf der sofakante zu sitzen. das schöne ist, dass heike und ich tatsächlich noch zwei, drei briefe geschrieben haben…
bäcker brachte mir bei meiner recherche zu diesem artikel in erinnerung, dass wir beide einmal von einer telefonzelle heike und „seine“ julia angerufen haben.

„abenteuer in der fremde“

wir „harten jungs“ hatten den plan geschmiedet noch auf die after-show party zu gehen und die nacht, wie das damals hieß „durchzumachen“. und wir fanden mit einigem durchfragen dann doch den eingang in diese kellerbar, die über eine lange rampe,  wie zu einem bunker oder u-bahnhaltestelle zu erreichen war.
wir waren mit sicherheit die jüngsten und mächtig stolz uns getraut zu haben. begeistert jubelten wir als faithless und h-blockx noch zu einer kleinen jam-session auf der kleinen bühne auftraten und machten bestimmt den größten radau im ganzen laden.

ticket rückseite (zum vergrößern klicken)

ticket rückseite (zum vergrößern klicken)

als die „after-show“ vorbei war leerte sich der winzige laden recht schnell und wir hielten uns mit der nacherzählung unserer vielen eindrücke der letzten stunden wach, versicherten uns wie genial es gewesen sei, schmiedeten pläne für weitere festivalbesuche und wie wir am besten „unsere mädels“ wiedersehen könnten. langsam machte sich jedoch die müdigkeit bemerkbar und so wurde reihum immer wieder einer stiller oder aktiver, nickte ein oder bestellte für die anderen etwas, dass was ihm jetzt am sinnvollsten erschien um die anderen wieder „fit“ zu bekommen.

„der morgen danach“

der erste zug nach stuttgart fuhr gegen halb sechs und so hatten wir noch eine stunde im frühjahrskalten leeren karlsruher bahnhof durchzubringen. nicht umsonst nennt man die zeit zwischen vier und fünf uhr morgens die „längste stunde“.
aber auch zum schluß, sollte uns unser jugendliches glück nicht im stich lassen. bäcker überzeugte die frau, welche gerade den bahnhofsimbiss aufschloss uns schon vor der öffnungszeit kaffee und brötchen zu verkaufen. entweder es lag an seinem charme oder wir sahen einfach so bemitleidenswert aus, dass sie uns in den schankraum sitzen ließ. und uns die brötchen von gestern aufbuk – mit sicherheit die besten meines lebens…

„epilog“

schade, dass es keine wiederholung dieses festivals gegeben hat. es fiel der ein jahr später stattfindenden fusion des veranstaltenden württembergischen radiosenders „sdr“ (süddt. rundfunk) mit dem badischen „swf“ (südwest rundfunk) zum opfer.
ein wiedersehen mit steffi, andrea, julia und heike gab für keinen von uns, weder zum, in einem der briefe beschriebenen „heidelbeerfest“ noch zum vorgeschlagenen stuttgarter band-contest. aber ich bin mir sicher, dass jeder von uns schmunzeln muss wenn er an das „world-wide-weekend“ zurückdenkt


das konzerterlebniss mit faithless und das kribbelnde gefühl das der trancige mittelteil des liedes „insomia“ auslösste, ließen meinen widerstand gegenüber elektronischer musik weiterbröckeln – aber hätte ich damals ahnen können, dass ich noch im selben zum ersten mal auf die loveparade fahren würde?
doch dass ist eine erinnerung über die ich an dieser stelle im sommer berichten werde…

martin liest lucky luke

…dies hatte mein vater auf eine tonbandkassette geschrieben, die ich als kind bespielt hatte. als kind wollte ich eine zeitlang radiomoderator werden und “übte” mit dem vortragen von comics – natürlich indem ich lautmalerisch auch die schallwörter (“kramwumm, boing” etc.) umsetzte. leider existiert diese kassette nicht mehr….

am gestrigen abend, hatte ich die gelegenheit eine echte “comic-lesung” mitzuerleben.

gemeinsames logo der künstler flix und verollet (im stil unverkennbars flix zeichnerische hand

gemeinsames logo der künstler flix und verollet (im stil unverkennbars flix zeichnerische hand)

zum lesen dieses artikel, ist es nicht weiter wichtig die werke des zeichners “flix” zu kennen, aber wer lust bekommen hat, kann sich unter …. seinen “heldentagen” bekannt machen, eine art cartoon-blog in dem er aus seinem leben als person “flix” berichtet.
jetzt ist natürlich ein comic selten so textlastig, dass einem sich der gedanke an eine lesung aufrdängt. vielleicht eher eine filmische umsetzung der zeichnungen oder etwas ähnliches. ich glaube daran liegt es auch dass nicht sehr viele comiczeichner mit ihren werken direkt auftreten und mit einer “lesung” unterwegs sind. umso mehr habe ich mich gefreut, dass “flix” nun, nachdem ich von seinen auftritten in hamburg oder berlin gehört hatte, nun im rahmen von “leipzig liest” und der bcmesse in meiner stadt auftrat und dass auch noch für umsonst.
ich war etwas früher da und “flix” saß gemütlich bei einem glas wein im vorraum und wirkte gleich sympathisch. als ich im klo beim pinkeln stand, dachte ich mir noch scherzhaft, dass man als künstler sicher auch mal im klo auf fans trifft die einen nichtmal in ruhe pinkeln lassen. als wir uns dann keine halbe minute später beim händewaschen trafen konnte ich mich nicht zurückhalten und mußte ihm diesen gedanken gleich mitteilen. er lachte: “deswegen gehe ich auch immer in die kabine”.

er warf von seinem laptop aus einzelne bilder an eine leinwand hinter sich und zeigte mehrere seiner kürzeren strips. einige aus dem wende-comic “da war mal was” oder aus der in der welt am sonntag erscheinenden “schöne mädchen” reihe und sprach dazu die verschiedenen rollen. schallwörter setzt er nicht ein – vielleicht freut er sich insgeheim darüber, dass nie angefangen zu haben. mit der visuellen umsetzung funktionierte die comic-lesung einwanfrei.

die stars des abends flix und verollet mit verleger (stehend)

die stars des abends flix und verollet mit verleger (stehend)

ebenfalls an der lesung mit eigenen sachen beteiligt war der autor mischa verollet, den ich zuvor nicht gekannt hatte mir aber auf anhieb zusagte.

in der pause egriff ich die gelegenheit “flix” um eine comic-widmung zu bitten. ich hielt es recht klein, da er schon im rahmen seiner heldentage davon berichtet hatte, wie seine hand nach einem signiermarathon schmerzen würde. da die buchmesse erst startete, wollte ich ihm einen gefallen tun und bat ihn nur um eine kleine zeichnung, die sich auf einen seiner “heldentage” bezog. er berichtete damals über die unmöglichkeit dass es käufer eines hokkaido-kürbis-brotaufstrich geben würde. “flix” zeigte sich recht überrascht, auf welche kleinigkeiten er manchmal angesprochen würde, da in fast 900 “heldentagen” doch schon die kuriosesten dinge zusammenkommen, aber ich glaube ihn hat es gefreut.

etwas schlechtes gewissen hatte ich dann aber noch, da ich ihn gebeten hatte auf eine “für martin” widmung zu verzichten – worauf er meinte es sei dann wohl für ebay. wahrscheinlich ist ihm dass nicht zum erstenmal passiert, dass orginale handzeichnung auf diesem weg andere geldbeutel füllen.

hokkaido-kurbis-kotze - persönliche widmung von flix in seinem comic ferdinand (zum vergrößern klicken)

hokkaido-kurbis-kotze – persönliche widmung von flix in seinem comic ferdinand (zum vergrößern klicken)

alles in allem ein wundervoller abend mit bauchschmerzen vor lachen…

000. reisevorbereitungen

die neue reise steht!

hin- und rückflug sowie zwischenflug ist gebucht, eine ungefähre reiseroute festgelegt, das wohnmobil für den ersten teil der reise gebucht und der reiseführer liegt unter dem kopfkissen.
nachdem letztes jahr der reiseblog aufgrund von zuviel-in-zu-wenig-zeit entfallen mußte, möchte ich dieses jahr wieder zu dieser tradition zurückfinden.  ebenso oft wie ich darauf angesprochen worden bin, habe ich mir auch selbst eingestanden, daß mir wirklich sehr gefehlt hat meine erlebnisse zu reflektieren und eine schriftliche erinnerung anzufertigen.

kanda, das zweitgrößte land der erde soll es diesemal sein – genauer gesagt zwischen dem 17.06. und dem 05.07.2013 durch die zwei bundesstaten im westen des landes: “british-columbia” und “alberta”.
der erste teil mit dem wohnmobil durch die wildniss:

und im zweiten reiseteil zum kanadischen nationalfeiertag in die ecke vancouver und vancouver island.
großes abenteuer wird diesemal die mehr naturmäßige ausrichtung und die reise mit dem camper (der im video gezeigte soll es laut verleiher ungefähr sein) – ich freu mich :-)

musikalische erinnerungsfetzen teil 4 – nachtrag

ich freue mich sehr den letzten blogartikel und damit den angesprochenen “nebel” etwas zu lichten.
herzlichen dank an meinen namensvetter, der ebenfalls teil der band war, die an diesem abend spielte, und mir einiges bildmaterial zur verfügung gestellt hat.

rocknacht - die elektrische banane 1

rocknacht – die elektrische banane 1

die “elektrische banane” war eine indepenten-easy-listening-rock-band mit vier ständigen mitgliedern und 1994-2000 mit ausnahmslos eigenen texten auf den lokalen bühnen brillierte.
nun da ich etwas erinnerungsarbeit betrieben habe, bin ich mir nicht mehr sicher ob meine erinnerungen an andere konzerte dieser band sich nicht vermischen, aber ich glaube da tut dem erinnerungsschatz keinen abbruch. so kann ich mich sehr gut an ein konzert in der bar “schlampazius” in der wagenburgstraße in stuttgart erinnern, die eigentlich keine konzertbühne hatte, aber der “e-banane”, wie die jungs damals von vielen freunden der band genannt wurde, ein hinterraum zur verfügung gestellt wurde. vermutlich hatte (der legendäre) barbesitzer ramon vermutet, dass dort schon die paar groupies reinpassen würden. jedoch war die bude so gerammelt voll, dass sich nach dem dritten lied atemnot einstellte. es kam natürlich keiner von uns auf die idee dass rauchen zu lassen und die fenster sollten wegen der anwohner geschlossen bleiben – hinterher haben wir unsere klamotten auswringen können!

rocknacht - die elektrische banane 2

rocknacht – die elektrische banane 2

gerne würde ich jetzt auf ein altes lied der band auf youtube verlinken, aber die musikalischen schätze sind noch nicht digitalisiert worden. im gespräch erfuhr ich, dass die bandmitglieder sich damals auch bewußt gegen digitale aufnahmen entschieden haben und ihre lieder mit einem analogen tonband (http://de.wikipedia.org/wiki/Tonbandger%C3%A4t) aufgenommen haben. eigentlich dem bandnamen widersprechend, aber vielleicht nur aus unserer heutigen sichtweiße.

musikalische erinnerungsfetzen teil 4 – nichts als nebel

rocknacht

rocknacht

die heutige konzerterinnerung ist eigentlich keine echte – ich habe noch die karte, also werde ich wohl an diesem tag vor 14 jahren dort gewesen sein, aber erinnerungen daran habe ich keine mehr!

auch wenn diese “rocknacht” wohl nicht so außergewöhnlich gewesen sein muss ist diese karte aufgrund des nicht vorhandenen erinnerungsfetzen doch etwas einzigartiges, denn zu allen anderen konzertkarten die ich in dieser blogserie noch posten werde, weiß ich noch eine geschichte zu erzählen….

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